Bei Zug-Verspätung

Verbraucherschützer fordern Entschädigung ab 30 Minuten

Beliebt, aber nicht immer pünktlich unterwegs: die Bahn.
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Beliebt, aber nicht immer pünktlich unterwegs: die Bahn.

Die Bahn hat im vergangenen Jahr in Sachen Pünktlichkeit nur selten geglänzt. Mehr als 65 Prozent der Fernzüge kamen verspätet an. Nun will der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) den Druck auf die Bahn erhöhen, damit die Anbieter die Qualität steigern.

Kurz vor Weihnachten kam es heraus: Für die Kundinnen und Kunden der Deutschen Bahn war 2022 ein katastrophales Jahr. Denn im Fernverkehr waren von Januar bis November im Schnitt nur 65,6 Prozent der Züge pünktlich, was ein "historisches Tief" bedeutet, wie der verkehrspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Thomas Bareiß (CDU) einordnete.

Nun will die Verbraucherzentrale Druck ausüben, um die Pünktlichkeit der Bahn zu steigern. Sie fordert neue Regeln für Entschädigungen bei Bahn-Verspätungen. Kommt aktuell ein Zug 60 Minuten später als geplant an, haben Fahrgäste Anspruch auf 25 Prozent Erstattung des Fahrpreises, bei mehr als 120 Minuten auf die Hälfte. "Aus Sicht des VZBV sollte eine Entschädigung bereits ab 30 Minuten Zugverspätung in Form eines 10-Euro-Reisegutscheins eingeführt werden", betont der Verband in einer Pressemitteilung. 

Möglich sei das durchaus. Den Spielraum dafür geben dem Verband zufolge die aktuellen Gesetzesentwürfe zur nationalen Umsetzung der EU-Bahngastrechteverordnung. Der sollte von den Mitgliedsländern voll ausgenutzt werden. Eine Entschädigung bereits ab 30 Minuten würde starke Anreize für die Bahnunternehmen setzen, pünktlicher zu werden und trage erheblich zur Kundenzufriedenheit bei, so die Verbraucherschützer. 

"Engpässe in der Schieneninfrastruktur werden auch in den kommenden Jahren viel Geduld von den Fahrgästen abverlangen. Um diese nicht zu überstrapazieren ist es wichtig, Bahnkunden und -kundinnen bei Störungen angemessen zu entschädigen", sagt die VZBV-Chefin Ramona Pop.

Zumindest im Bundesverbraucherschutzministerium von Steffi Lemke (Grüne) kommt das an: "Geldgutscheine auch bei Verspätungen unter einer Stunde können ein starkes Signal für die Kundenfreundlichkeit der Bahn sein", so eine Ministeriumssprecherin laut "Süddeutsche Zeitung". Kommt es dazu, drohen auf der anderen Seite höhere Ticketpreis", warnt indes bereits der Bahnexperte der FDP-Bundestagsfraktion, Valentin Abel, im selben Medium: "Um die Pünktlichkeit der Bahn zu erhöhen, braucht es die Generalsanierung des Schienennetzes, an der die Bundesregierung bereits arbeitet."

1 Kommentar

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1.
Maximilian Eiselt
Erstellt 16. Januar 2023 21:06 | Permanent-Link

Es wird auch höchste Zeit, dass alle Verkehrsträger endlich mal in gleichem Maße wie die Fluggesellschaften zur Verantwortung gezogen werden.



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