Für Europa-Strecken

Zug ist häufig günstiger als Flug

Zug oder Flug? Der ADAC hat untersucht, welches Verkehrsmittel sich für Städtereisen in Europa besser eignet.
Deutsche Bahn AG/Oliver Lang
Zug oder Flug? Der ADAC hat untersucht, welches Verkehrsmittel sich für Städtereisen in Europa besser eignet.

Bahn oder Flieger – welches Verkehrsmittel eignet sich für grenzüberschreitende Städtereisen am besten? So eindeutig lässt sich die Frage nicht beantworten. Denn es kommt auf viele Faktoren an.

Flug oder Zug? Vor dieser Frage stehen Reisende besonders bei mittleren Reisestrecken bis um die 1000 Kilometer immer wieder. Gerade zwischen großen Städten sind oft beide Optionen möglich. Welche ist die Bessere?

Ein ADAC-Vergleich von 80 Verbindungen nach Amsterdam, Paris, Prag und Wien zeigt: Flieger sind zwar meist schneller am Ziel. Doch oft dauert es per Zug nicht viel länger – und das zum günstigeren Preis.

Von einer typischen Wochenend-Kurzreise in Europas Metropolen ging das ADAC-Team bei der Untersuchung aus: Ein Erwachsener möchte Freitagmorgen (zwischen 6 und 13 Uhr) möglichst früh starten. Er oder sie hat nur gängiges Handgepäck dabei, reist in der Zweiten Klasse beziehungsweise in der Economy Class – ohne weitere Rabatte wie etwa die Bahn Card – und möchte so schnell und günstig ans Ziel wie möglich.

Fünf Startorte in Deutschland

Als Startmetropolen hat der ADAC die fünf deutschen Städte mit dem höchsten Fahrgastaufkommen an den Hauptbahnhöfen ausgewählt: Berlin, Frankfurt, Hamburg, Köln und München. Bei Köln wurde neben Köln/Bonn auch Düsseldorf als Flughafen mit einbezogen, wegen der räumlichen Nähe und weil dieser wesentlich höhere Verkehrszahlen und damit ein größeres Angebot aufweist.

Zielorte waren die vier beliebtesten Städte deutscher Urlauberinnen und Urlauber auf dem europäischen Festland: Amsterdam, Paris, Prag und Wien. Jede Verbindung wurde jeweils einmal per Zug und einmal per Flug gebucht, und zwar zu zwei verschiedenen Zeitpunkten – das erste Mal etwa drei Wochen vor der Reise, das zweite Mal eine Woche vorher. Insgesamt also 80 Verbindungen: 20 Zug- und parallel 20 Flugrouten zu jeweils zwei Buchungszeitpunkten.

Fliegen: flexibler und schneller

Ergebnis: Im Schnitt standen für den Modellreisenden jeweils mehr Flug- als Zugverbindungen zur Verfügung – zwölf versus vier. Fliegen bedeutet also mehr Flexibilität. Auch bei der Gesamtreisezeit hängt das Flugzeug im Durchschnitt die Bahn ab: Mit gut fünfeinhalb Stunden war der Flieger im Schnitt eineinhalb Stunden früher am Ziel als der Zug.

Teils war der Unterschied jedoch relativ gering. Vier Zugverbindungen sind nur unter einer Stunde langsamer als Flugverbindungen: München–Paris schaffte das Flugzeug zum Beispiel nur 39 Minuten schneller. Knappe Ergebnisse gab es auch auf den Strecken München–Wien, Frankfurt–Amsterdam und Hamburg–Prag. Und bei vier Strecken war die Bahn schneller: Berlin–Prag, Frankfurt–Paris, Köln–Amsterdam und Köln–Paris, im letzten Fall sogar um fast drei Stunden.

Zug ist in Frankreich schneller

Auf den Verbindungen nach Frankreich liegt das zum Beispiel auch daran, dass die Züge dort im Gegensatz zu Deutschland auf eigenen Hochgeschwindigkeitsbahntrassen unterwegs sind und sich die Schiene nicht mit anderen, langsameren Zügen teilen müssen. Zudem legt die Bahn im Schnellzugnetz ab der französischen Grenze bis Paris kaum noch Stopps ein.

Insgesamt zeigte sich in der ADAC-Studie: Tendenziell ist der Zug bis 400 Kilometer Luftlinie zeitlich attraktiver.

Wer Städte-Reisen bucht, will in die Innenstadt. Fiktiver Start- und Zielpunkt der Touren war deshalb jeweils das Rathaus der Metropole. Bei der Reisedauer kalkulierte das Studien-Team neben der An- und Abfahrt mit dem Nahverkehr die sogenannten Prozesszeiten mit ein: die Dauer der Fußwege ab ÖPNV-Haltestelle zum und vom Bahngleis oder Flughafen-Gate plus Zeit für Check-in, Sicherheitskontrollen und Boarding am Flughafen.

Von Rathaus zu Rathaus

Bei der Bahn wurden dafür zehn Minuten Wegzeit vom ÖPNV zum Zug und umgekehrt berechnet, also 20 Minuten. Beim Flug dagegen mussten im Durchschnitt 150 Minuten zusätzlich eingeplant werden – davon ausgehend, dass Passagiere zwei Stunden vor Abflug am Airport sein sollten und 30 Minuten zum Aussteigen nach der Landung und weiter zur ÖPNV-Haltestelle brauchen.

Kosten: Fliegen ist fast immer teurer

Der durchschnittliche Flugpreis (222,42 Euro) war in der Studie mehr als zweieinhalb Mal so hoch wie der Bahnpreis (83,22 Euro). Im Extremfall: Wer eine Woche vor Abreise buchte, zahlte für die Bahnreise Hamburg–Amsterdam 88 Prozent weniger als für die Flugreise (bei 1¼ Stunden längerer Reisezeit). Drei Wochen vor Abreise sparte man sich für die Verbindung von München nach Wien im Vergleich zum Flieger 85 Prozent und brauchte gerade mal neun Minuten länger.

Aber es geht auch andersherum: Bei drei Wochen Vorlaufzeit war die Flugreise Hamburg–Wien um zirka fünf Euro billiger als die Bahn – bei fünf Stunden weniger Reisezeit. Der Vergleich lohnt sich also für Frühbucher. Eine Woche vor Abreise war bis auf die Ausnahme Hamburg–Wien keine Flugreise mehr preiswerter als die Zugreise.

Zusatzkosten spielen eine Rolle

Bei der Untersuchung hat das Team stets – wie auch der typische Urlauber oder die Urlauberin – die Gesamtreisekosten verglichen, also inklusive Ticket, ÖPNV und eventuellen Zusatzkosten für Sitzplatz-Reservierung und Handgepäck. Angenommenes Reisedatum war der 17. Juni 2022, also außerhalb der Sommerferien in Deutschland, um eine eventuelle Verzerrung der Ergebnisse auszuschließen.

Vom ersten Buchungszeitpunkt (drei Wochen vor Abreise) zum zweiten (eine Woche) stiegen die Bahnpreise im Schnitt um 20 Prozent (entspricht etwa 15 Euro). Im Extremfall war der Preis von Hamburg nach Wien um 60 Prozent höher. Zudem stand zum ersten Buchungszeitpunkt noch für 90 Prozent der Verbindungen der "Super Sparpreis Europa" zur Auswahl. Zwei Wochen später war das nur noch bei 80 Prozent so.

Flugreisen wurden in der Studie bis auf eine Ausnahme (Köln–Wien) teurer, je näher die Abreise kam. Günstiger wurde keine Verbindung. Die durchschnittliche Differenz zwischen dem ersten Buchungszeitpunkt (drei Wochen im Voraus) und dem zweiten (eine Woche vorab) lag bei 54 Prozent (entspricht etwa 95 Euro). Im Extremfall stieg der Preis für die Flugreise Frankfurt–Prag um 163 Prozent.

CO2-Ausstoß bei Bahn niedriger

Laut Umweltbundesamt verursacht ein Passagier im deutschen Fernverkehr der Bahn durchschnittlich 28 Gramm CO₂ pro Personenkilometer, bei Nutzung des Flugzeugs (in der Distanzklasse bis 1000 Kilometer) im Schnitt 150 Gramm CO₂ pro Personenkilometer.

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