Reisesicherungsfonds

Versicherer zögern noch bei Kundengeldabsicherung

MDT-Chef Stefan Winiarski mit Dirk Dahlheimer, Geschäftsführer der Schwesterfirma MRH Trowe Credit & Finance, beim Besuch der fvw|TravelTalk-Redaktion in Hamburg.
FVW Medien/KW
MDT-Chef Stefan Winiarski mit Dirk Dahlheimer, Geschäftsführer der Schwesterfirma MRH Trowe Credit & Finance, beim Besuch der fvw|TravelTalk-Redaktion in Hamburg.

Der Reisesicherungsfonds hat bislang nicht mehr Absicherer für die von Veranstaltern geforderten Sicherheitsleistungen angezogen. Das könnte sich laut MDT-Chef Stefan Winiarski bald ändern.

Die Hoffnung, dass sich mit der gesetzlichen Neuregelung der Kundengeldabsicherung mehr Versicherer für Veranstalter finden, hat sich bislang nicht erfüllt. Im Gegenteil: Mit dem Rückzug von HDI und Swiss Re sowie der Aufgabe des Deutschen Reisepreis-Sicherungsvereins (DRS) hat sich die Zahl der Kundengeldabsicherer halbiert. Nur Tourvers, R+V und Zurich stehen noch parat, wobei von Ausnahmen abgesehen nur Zurich auch größere Veranstalter absichert.

Dass mehr Auswahl bei den Absicherern wünschenswert ist, liegt aus Sicht der Veranstalter also auf der Hand. Der Wunsch könnte sich nach Einschätzung des Assekuradeurs MDT Travel Underwriting noch dieses Jahr erfüllen, wenn es für alle größeren Veranstalter vom Sommer an darum geht, die auf jeweils ein Jahr befristeten Absicherungsverträge mit dem Deutschen Reisesicherungsfonds (DRSF) zu verlängern.

Alle Veranstalter mit mindestens zehn Millionen Euro Jahresumsatz mit Pauschalreisen sind seit November 2021 verpflichtet, sich dort abzusichern. Dafür müssen sie dem DRSF neben einem Prozent Entgelt mindestens fünf Prozent vom erwarteten Umsatz als Sicherheitsleistung stellen. Ende 2022 kann die Sicherheitsleistung bis auf sieben Prozent steigen. Insgesamt ist die Kundengeldabsicherung deutlich teurer geworden.

Kautionsversicherung entlastet Bankkreditlinie


Speziell für die Branchengrößen gilt, dass sie nun ihr volles Risiko absichern müssen, es ist nicht mehr auf 110 Mio. Euro begrenzt. Hinzu kommt, dass viele fondspflichtige Veranstalter die vom DRSF verlangte Sicherheitsleistung aufgrund der fehlenden Versicherungskapazitäten per Bankbürgschaft hinterlegt haben.

Hier setzt die von MDT-Chef Stefan Winiarski verfolgte Idee an, klassische Bürgschaftsversicherer wie Atradius oder Coface anzusprechen, die bisher einen weiten Bogen um die Touristik gemacht haben.

"Der Reiseveranstalter hat den Vorteil, dass er bei einer Bürgschaft durch den Versicherer nicht seine Bankkreditlinie um den Bürgschaftsbetrag belastet, es entsteht zusätzliche indirekte Liquidität", erläutert Dirk Dahlheimer. Als Geschäftsführer der MDT-Schwester MRH Trowe Credit & Finance vermittelt er solche Kautionsversicherungen bereits für viele andere Branchen.

Für Bürgschaftsversicherer ist Hindernis entfallen

Für Bürgschaftsversicherer ist mit Schaffung des DRSF zudem ein branchenspezifisches Hindernis entfallen: Nicht mehr der Versicherer, sondern der Fonds ist im Insolvenzfall eines Veranstalters für Rückholung und Auszahlungen verantwortlich. Der Versicherer hat nur noch den Fonds und nicht mehr Tausende Urlauber als Anspruchssteller.

Und warum hat noch kein neuer Versicherer verbindlich zugesagt? MDT-Vormann Winarski begründet das unter anderem mit den erst spät verfügbaren Bürgschaftsanforderungen des Fonds und dem Wunsch potenzieller Neueinsteiger, eine weitere Normalisierung des Reisegeschäfts abzuwarten. Das bestätigten auch andere Vermittler wie Aon und TAS, die sich ebenfalls um zusätzliche Versicherer bemühen.

"Bereits bei den ersten Anfragen haben Bürgschaftsversicherer konkretes Interesse signalisiert", bekräftigt MDT-Primus Winiarski. Er hofft, seinen Veranstalter-Kunden noch 2022 eine größere Auswahl bieten zu können.

Sie müssen sich einloggen oder registrieren, um kommentieren zu können.



stats