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Ultramar Touristik Süd flirtet mit dem Reisevertrieb

Weltenbummler: 151-mal war Ultramar-Chef Manfred Przybylski schon in Mexiko, der Heimat seiner Frau Antonia. In den Iran (Foto) ging es 2018 zum ersten Mal.
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Weltenbummler: 151-mal war Ultramar-Chef Manfred Przybylski schon in Mexiko, der Heimat seiner Frau Antonia. In den Iran (Foto) ging es 2018 zum ersten Mal.

Von Ruhestand keine Rede: Auch mit 81 Jahren schmiedet Manfred Przybylski, Gründer des Gruppenreisespezialisten Ultramar Touristik Süd aus dem Allgäu, weiter Pläne. Sein jüngstes Projekt: den Vertrieb auf sich aufmerksam machen.

Manfred Przybylski hat extra noch mal nachgezählt: Es sind genau 176 Länder, die der 81-jährige Chef von Ultramar Touristik Süd bereits bereist hat. Bald soll die Mongolei als 177. Ziel dazukommen.

Schon als Kind träumte Przybylski von der Ferne. "Wenn man in Duisburg-Hamborn im Ruhrpott während des Zweiten Weltkriegs geboren wird, nach 1945 alles zerstört war und verrußt durch die Kokereien und Zechen, kam schon früh der Gedanke: möglichst weg von hier."
Multitalent: In den 60er Jahren leitet Manfred Przybylski (Zweiter von links) das Carl-Duisberg-Haus in Essen, ein Ausbildungszentrum für Führungskräfte aus Entwicklungsländern, und später das Oberhausener Friedensdorf für kriegsverletzte Kinder aus Vietnam.
Marga Kingler
Multitalent: In den 60er Jahren leitet Manfred Przybylski (Zweiter von links) das Carl-Duisberg-Haus in Essen, ein Ausbildungszentrum für Führungskräfte aus Entwicklungsländern, und später das Oberhausener Friedensdorf für kriegsverletzte Kinder aus Vietnam.

Politiker, Unternehmer, Ferienstifter

Als Przybylski Anfang der 70er Jahre Touristiker wurde, war er bereits über zehn Jahre für die CDU in Dorsten aktiv, hatte zwei internationale Institutionen geleitet und zahlreiche politische Ehrenämter inne. Dazu war der Sozialpädagoge Chef einer PR-Agentur, die Kirchen, Kultur- und Politikverbände betreute und ab 1972 auch Gruppenreisen veranstaltete. "Ich wollte den Menschen einfach die Vielfalt anderer Kulturen näherbringen", erklärt Przybylski.  

Mit Ultramar ging es zuerst nach Mexiko, später nach Russland, China und in die ganze Welt. Städtetrips kamen dazu, Studien- und Delegationsreisen unter der Leitung von namhaften Politikern. Seine Zielgruppe ist gut situiert. Firmenkunden von Sparkassen und Banken sind dabei, Kirchengemeinden. Kurz: Przybylski nutzt sein Netzwerk.

Das Geschäft lief so gut, dass sich der dreifache Vater 1979 schweren Herzens aus der aktiven Politik zurückzog. Vorher gründete er noch die Dorstener Kinderferienstiftung: Sie spendiert Kindern aus finanzschwachen Verhältnissen einen kostenlosen Ferienaufenthalt.

Geschäftsgründung mit 68 Jahren

Przybylski blieb umtriebig. Ab 1994 leitete er auch die politische Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung am Comer See. 2005 übernahm sein ältester Sohn als Alleingesellschafter das Geschäft in Dorsten. 2008 machte Przybylski es sich als Pensionär am Bodensee gemütlich, doch das Rentnerdasein warihm zu fade. Nach kurzer Zeit gründete er mit 68 Jahren Ultramar Touristik Süd.

Bis heute pflegt Przybylski einen Sechs-Stunden-Arbeitstag. "Ich gehe erst unter die Erde", scherzt er, "wenn es auf dem Friedhof Breitband-Internet gibt." Wenn er mal nicht schafft, liest er viel. Und er hält sich täglich fit: läuft, schwimmt oder schwitzt auf dem Ergometer.
In der Halong-Bucht: Anfang 2020 war Przybylski in Vietnam, Laos und Kambodscha. Die Delegationsreise wurde von Bayerns Ex-Ministerpräsident Günther Beckstein angeführt.
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In der Halong-Bucht: Anfang 2020 war Przybylski in Vietnam, Laos und Kambodscha. Die Delegationsreise wurde von Bayerns Ex-Ministerpräsident Günther Beckstein angeführt.

Öffnung für den Vertrieb

Dank Überbrückungshilfen und KfW-Kredit hat Ultramar mit seinen fünf Angestellten die Pandemie bislang recht gut überstanden. Przybylski sorgt sich mehr um seine langjährigen weltweiten Incoming-Partner. Nur gut, dass die Buchungslage langsam wieder anziehe, freut er sich.

In der Corona-Pause hat er beschlossen, Ultramar für den Vertrieb zu öffnen. "Wir glauben, dass viele Inhaber sich Gedanken machen und gemacht haben, wie und mit wem sie ihr Geschäft in Zukunft forcieren werden." Darum hat er viele Wünsche der Reisebüro-Organisationen in seine Agenturverträge einfließen lassen.
Hoffen auf den Neustart: das Team von Ultramar Touristik Süd bei der Weihnachtsfeier 2019. Ultramar bedeutet auf Spanisch "Übersee".
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Hoffen auf den Neustart: das Team von Ultramar Touristik Süd bei der Weihnachtsfeier 2019. Ultramar bedeutet auf Spanisch "Übersee".

Das Produkt "Fernreisen zu zweit" mit den Zielen Mexiko, Georgien, Oman, Indien, Sri Lanka, Uganda und Ekuador ist für Reisebüros gedacht: "Maximal sechs Gäste, 35 Abflugtermine zwischen Oktober 2021 und Juni 2022, eigener Chauffeur und die Option, nach der Buchung mit dem Reiseleiter in Kontakt zu treten – damit sind wir fast konkurrenzlos", glaubt Przybylski. Ihm ist auch klar: "Im Vertrieb sind wir noch völlig unbekannt, das muss sich langsam entwickeln."

Sein erster Annäherungsversuch startet Ende Mai. Der Fam Trip mit Reisebüro-Inhabern nach Usbekistan ist der erste in Ultramars langer Geschichte. Natürlich lässt sich Przybylski, der Weltenbummler, diese Reise nicht entgehen.

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