Travel To Life entwirft Reisen zum Glück

Erlebnisreisen in wenig bereiste Länder – wie hier Tadschikistan – sind das Markenzeichen von Travel To Life.
Travel To Life

Reisen, die das Leben positiv verändern können: Die Spezialität des Stuttgarter Veranstalters Travel To Life sind Wander- und Erlebnistouren in außergewöhnliche, wenig besuchte Länder in Europa, Asien und Afrika.

Andreas Damson, Gründer von Travel To Life, ist Touristiker und Geschäftsmann durch und durch. Aber zu erkennen ist das auf den ersten Blick nicht. Da ist zum Beispiel seine Haarpracht: Damson trägt Dreadlocks. Der gelassene Schwabe und studierte Ethnologe ist "im Herzen ein Hippie". Dazu passt ins Bild, dass er noch immer gern mit dem Rucksack die Welt erkundet (136 Länder sind es inzwischen). Oder dass er mit seiner Frau in einer Neuner-WG auf einem Bauernhof lebt und in einer Coverband die zwölfsaitige Westerngitarre spielt.
Veranstalter, Reiseleiter-Ausbilder, Hippie, Weltenbummler, Abenteurer und vieles mehr: Andreas Damson in Tschad.
Veranstalter, Reiseleiter-Ausbilder, Hippie, Weltenbummler, Abenteurer und vieles mehr: Andreas Damson in Tschad.
Travel To Life

Pionier der Coaching-Reisen

So faszinierend wie Damsons Lebensstil ist auch sein Werdegang im Tourismus. Er begann früh als Reiseleiter, später bildete er sie aus, inzwischen ist er seit 17 Jahren Veranstalter. Travel To Life (früher Travel & Personality) hat er 2004 gegründet. Seine damalige, ungewöhnliche Geschäftsidee: Seminarreisen zur Persönlichkeitsentwicklung.
Vom Reiseleiter zum Veranstalter
Nach seinem Ethnologiestudium leitete Damson für mehrere Veranstalter Reisen auf vier Kontinenten, ein halbes Jahr war er etwa einziger TUI-Repräsentant auf Madagaskar. Danach wechselte er in den Innendienst. Beim Wanderspezialisten Wikinger ging es steil bergauf, ab 1997 leitete er das Reiseleiterreferat. 2004 machte sich Damson als Veranstalter selbstständig.

Auf den Coaching-Gruppenreisen sollte der Teilnehmer – als Investition in seine private und berufliche Zukunft – in die Rolle des Tourguide schlüpfen und so seine soziale Kompetenz trainieren. Auf die Idee kam Damson bei Wikinger:  Als Ausbilder von Hunderten Reiseleitern hatte er beobachtet, wie positiv sich die Neulinge im Laufe der Lehre veränderten. "Auftreten, Selbstbewusstsein, Charisma, Eloquenz, Konfliktfähigkeit, Selbstreflexion – alle hatten starke Soft Skills entwickelt."

Die Zeitschrift "Geo Saison" nannte Damson einen "Pionier der jungen Szene", doch die Nachfrage blieb aus. Letztlich fanden nur drei Coaching-Reisen statt. "Wir waren unserer Zeit voraus", sagt er rückblickend.
"Meine zweite Heimat": An Madagaskar liebt Andreas Damson vor allem die Friedfertigkeit und Gutmütigkeit der Menschen.
"Meine zweite Heimat": An Madagaskar liebt Andreas Damson vor allem die Friedfertigkeit und Gutmütigkeit der Menschen.
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Name und Geschäftsfelder haben sich geändert

Gut, dass Travel & Personality noch zwei andere Standbeine hatte: zum einen Aus- und Fortbildungsseminare für Reiseleiter und zum anderen Erlebnistouren. 2006 führte Damson als Veranstalter und Guide in Personalunion die erste Reise durch. Ziel war – natürlich – Madagaskar.
Zweite Heimat Madagaskar
Andreas Damson nennt die Insel vor der Südostküste Afrikas seine "zweite Heimat". Viele Male war er schon da: beruflich, privat und als Student – seine Magisterarbeit hatte den bis dahin unbekannten Jäger- und Sammlerstamm der Mikea zum Thema. An Madagaskar liebt er vor allem die friedfertigen, gutmütigen Menschen.

Aus Travel & Personality ist 2017 Travel To Life geworden. Die Umbenennung wurde nötig, da der Name bei Direktkunden und Reisebüros oft für Verwirrung sorgte. "Nicht selten wurden wir in die esoterische Ecke gestellt und gefragt, ob wir bei unseren Reisen auch abends zusammensitzen und über unsere Probleme sprechen. Was natürlich vollkommener Quatsch war", sagt Mitinhaberin und Geschäftsführerin Annette Paatzsch.
Bereit für Abenteuer in Europa, Asien und Afrika: Mitinhaberin und Geschäftsführerin Annette Paatzsch, hier im südlichen Afrika.
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Paatzsch ist seit 2006 mit an Bord. Damson lernte sie im selben Jahr auf der CMT in Stuttgart kennen. Die Hannoveranerin hatte BWL mit dem Schwerpunkt Tourismus studiert und als Produktmanagerin und Reiseleiterin bei Natur- und Expeditionsreisespezialisten gearbeitet. Die beiden verstanden sich so gut, dass Damson sie nach zwei Messetagen fragte, ob sie in seine Firma einsteigen wolle. "Wir ergänzen uns super", sagt er. "Annette arbeitet akribisch und klassisch professionell, ich eher unkonventionell und experimentierfreudig."

Geschäftsmodell mit Reisen und Seminaren

Heute kümmert sich Paatzsch von der Zweigstelle Hannover aus um die IT, Buchhaltung, das Marketing und Controlling. Von Stuttgart aus koordiniert Damson die Tourismusseminare sowie Reiseleiteraus- und -fortbildung. Aktuell suche die Branche händeringend nach Reiseleitern, meint Damson, der in seiner Laufbahn etwa 3000 Tourguides ausgebildet hat. "Wir sitzen an der Quelle."
Interkultureller Austausch: Begegnungen mit den Einheimischen, hier in Iran, sind ein zentraler Bestandteil jeder Reise mit Travel To Life.
Interkultureller Austausch: Begegnungen mit den Einheimischen, hier in Iran, sind ein zentraler Bestandteil jeder Reise mit Travel To Life.
Travel To Life

Wer bucht Travel To Life?
Rund die Hälfte der Kunden sind Alleinreisende, etwa zwei Drittel sind Frauen. Das Publikum ist besserverdienend, aktiv und legt Wert auf Nachhaltigkeit. Damson beschreibt seine Gäste als "neugierig, tolerant und abenteuerlustig" – auch in dem Sinne, dass sie "einem kleinen Veranstalter wie uns eine Chance geben".

Das Brot-und-Butter-Geschäft sind jedoch die Erlebnisreisen. Bestseller von Travel To Life ist die Wanderreise auf die Liparischen Inseln vor Sizilien (Damson: "Die kennt kaum jemand."). Auch die Zeltreisen auf Island sind gut gefragt. Bei den Reisezielen dominieren ansonsten die exotischen, außergewöhnlichen Destinationen von Grönland und Moldawien über Tadschikistan und Iran bis zu Bhutan und Nord-Sudan.
Travel To Life bedeutet, dass unsere Art zu reisen nicht nur dazu da ist, neue Länder und Regionen kennenzulernen. Es sind Reisen, die das eigene Leben positiv verändern können.
Andreas Damson, Gründer von Travel To Life

Damsons Unkonventionalität und Experimentierfreude spiegeln sich in einem Produkt besonders wider: den Experimentalreisen. Auf diesen dürfen sich angehende Tourguides unter Damsons Aufsicht ausprobieren und vor Ort das Programm gestalten und organisieren. Für die angehenden Reiseleiter ist dies ein echter Praxistest, und die Reisegäste erhalten – neben dem Abenteuer in einer Destination abseits des Mainstream – einen spannenden Einblick hinter die Kulissen des Tourismus. Die nächsten Experimentalreisen führen 2022 nach Bangladesch und Nordirland.
"Glücksmomente in Gemeinschaft mit netten Reisegefährten" – so wirbt Travel To Life für seine Abenteuerreisen, hier nach Libyen.
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Abenteuer von Grönland bis Tschad

Nachhaltig: Seit zehn Jahren CSR-zertifiziert
Seit 2011 ist Travel To Life mit dem CSR-Siegel zertifiziert. "Soziale und ökologische Ziele sind in unserem Kerngeschäft verankert", sagt Mitgeschäftsführerin Annette Paatzsch. "Der Großteil des Reisepreises bleibt im Land."

Gereist wird mit maximal zwölf Gästen, so bleibt man spontan und flexibel. "Wir möchten nicht überfallartig auftreten, sondern behutsam reisen und möglichst wenig Aufsehen erregen", sagt Paatzsch. Im Mittelpunkt stehe das gemeinsame Erleben, sagt Damson: "Der Wunsch nach Gemeinschaft in der Gruppe wird in unserer individualisierten und digitalisierten Welt immer stärker."

Wandern ist ein zentrales Element jeder Tour, was auch seiner Wikinger-Vergangenheit geschuldet ist. Für ihn ist es "die sinnvollste und nachhaltigste Form der Fortbewegung auf Reisen. Wandern bringt einem die Destination emotional näher", meint er.

Perle der Arktis


Für die Grönland-Tour "Perle der Arktis" hatte Travel To Life 2014 die Goldene Palme von "Geo Saison" gewonnen. "Es ist eine Basic-Reise", so Paatzsch. "Ganz authentisch, ganz weit weg von zivilisatorischen Ablenkungen und für jedermann, der bereit ist, auf ein bisschen Alltagskomfort zu verzichten." Strecken werden nur per Boot oder zu Fuß zurückgelegt. Ansonsten greift das "Travel-To-Life-Prinzip": ein Mix aus Aktivsein, Entspannung und Begegnungen mit Einheimischen.

"Reisen schafft Frieden" ist eine Doktrin von Damson. Als Reiseveranstalter betreibe man interkulturellen Austausch, sagt er. Um seinen Gästen fremde Kulturen und deren Weltsicht bestmöglich näherzubringen, arbeiten darum bei Travel To Life bei Fernreisen immer ein einheimischer und ein deutscher Reiseleiter zusammen.
"Wie die Corona-Krise gezeigt hat, sind wir sehr zäh und leistungsfähig", sagt Andreas Damson über sein Team.
"Wie die Corona-Krise gezeigt hat, sind wir sehr zäh und leistungsfähig", sagt Andreas Damson über sein Team.
Travel To Life

Die Krise überlebt

2019 waren noch rund 1000 Kunden mit Travel To Life gereist, ein Jahr später waren es etwa 200. Mit Webinaren, Diavorträgen und Katalog sendet man während der Corona-Krise Signale, dass man die Pandemie "überlebe", so Damson. Fünf Reiseleiterseminare und mehrere Touren nach Island und auf die Liparischen Inseln zu Zeiten, in denen diese Ziele bereisbar waren, retteten die kleine Firma. Damson: "Wir haben Glück gehabt."
One Voice richtet den Fokus auf die kleinen Spezialisten, die hochqualitativ und nachhaltig arbeiten.
Andreas Damson, Gründer von Travel To Life

Zehn Prozent der Buchungen kommen aktuell über den Counter. Hier sieht Damson noch viel Potenzial. "One Voice richtet den Fokus auf die kleinen Spezialisten, die hochqualitativ und nachhaltig arbeiten", sagt er. "Wir sind keine Amateure, die Zufallsprogramme ausrichten." Er würde sich wünschen, wenn so manches Reisebüro darum auch mal einem kleinen Spezialisten eine Chance geben und nicht nur auf die üblichen Verdächtigen setzen würde.

Aktuell brummt das Geschäft. So gut, dass Damson für sein siebenköpfiges Team in Stuttgart und Hannover neue Mitarbeiter sucht. Überraschend gut gebucht werde zum Beispiel Asien: die Mongolei, Kirgistan und Kasachstan. Er schiebt das auf den "großen Hunger nach Fernreisen".
Andreas Damson in Äthiopien: "An meinem Job reizt mich, immer wieder neue Herausforderungen zu meistern, tollen Menschen zu begegnen, Neues zu lernen und natürlich neue Länder zu bereisen." 136 Länder sind es inzwischen.
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Der geilste Job der Welt

Dass Corona die Branche im letzten Jahr zum Stillstand brachte, kam Damson in einer Hinsicht recht gelegen: Der Vielreisende hatte eh mit einem Sabbatjahr geliebäugelt, in dem er viel Zeit in der Heimat verbringen und mit seiner WG am Bauernhof in Oberfranken werkeln wollte. (Inzwischen sind der Hühnerstall, der Badesee und die Veranstaltungsscheune fertiggestellt.)

Aber jetzt hat Damson "wieder Bock zu reisen". Vor Kurzem war er auf den Liparischen Inseln – für TV-Dreharbeiten. In einer Casting-Show kämpfen angehende Reiseleiter um einen Job bei Travel To Life. Hauptdarsteller Damson hat das letzte Wort. Titel der sechsteiligen Sendung (zu sehen ab März 2022 im HR-Fernsehen): "Der geilste Job der Welt".
Siebenmal zu Ende gedacht
Hippie-sein bedeutet für mich …
… trotz gesellschaftlicher und geschäftsweltlicher Zwänge immer den Menschen im Mittelpunkt zu behalten und Love, Peace and Happiness zu zelebrieren.

Wäre ich nicht Touristiker geworden …
… dann wäre ich ein hilflos umherirrender Ethnologe auf der Suche nach einem Job. Oder Dokumentarfilmer.

Ein guter Reiseleiter sollte …
… über 51 Prozent soziale Kompetenz und 49 Prozent fachliche Kompetenz verfügen. Und über viel Menschenliebe.

Dieses Land will ich unbedingt noch sehen …
… Papua-Neuguinea in der Südsee, ein Paradies für Ethnologen.

Mein letzter Backpacker-Urlaub führte …
… meine Frau und mich nach Vietnam, Kambodscha und Laos. Das war vor zwei Jahren.

All-Inclusive-Urlaub …
… habe ich einmal in Ägypten gemacht, als ich nach einem anstrengenden Berufsjahr nur aufs Meer schauen wollte. Es ist nichts für mich.

Ich lese gerade …
… "Gewalt" von Steven Pinker.
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