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Intercontact kreiert Erlebnisse für Sondergruppen

Intercontact-Geschäftsführer Tim Zieger ist Sondergruppen-Profi: "Wir sind es seit fast 50 Jahren gewohnt, Reisen auf die unterschiedlichsten Anforderungen hin maßzuschneidern."
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Intercontact-Geschäftsführer Tim Zieger ist Sondergruppen-Profi: "Wir sind es seit fast 50 Jahren gewohnt, Reisen auf die unterschiedlichsten Anforderungen hin maßzuschneidern."

Jede Reise ist ein Unikat: Die Spezialität von Intercontact aus Remagen am Mittelrhein sind individuelle Sondergruppenreisen in die ganze Welt. Begonnen hat alles 1972 mit Klassen- und Jugendfahrten in den damaligen Ostblock.

"An Spezialitäten mangelt es uns sicherlich nicht", sagt Tim Zieger (41) mit einem Augenzwinkern. Worauf der Geschäftsführer von Intercontact (IC) anspielt, ist sein Tagesgeschäft: die besonderen und manchmal auch sehr speziellen Reisewünsche seiner Kunden zu verwirklichen.

Schwimmen in Indien, Kakteen in der Dom Rep

Da war die Fachdelegation auf Kakteen-Exkursion in der Dominikanischen Republik. Das 150-köpfige Orchester auf Konzerttour in Namibia. Der Schwimmklub auf Indien-Besuch. Die von einem Professor für antike Geschichte initiierte Studienreise auf einer rekonstruierten Handelsroute von Rom nach Istanbul. Oder die Feuerwehr, die in Detroit Wachen inspizierte und bei einem Captain zu Abend aß.
Familiensache: 2015 wurde Tim Zieger (41) von seinem Vater Peter (72) bei den IC-Kundentagen in Dresden als Co-Geschäftsführer eingeführt.
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Familiensache: 2015 wurde Tim Zieger (41) von seinem Vater Peter (72) bei den IC-Kundentagen in Dresden als Co-Geschäftsführer eingeführt.

"Jede Reise ist ein Unikat und wird völlig frei gestaltet", sagt Zieger. Bedeutet auch: Hinter jeder Reise steckt viel Aufwand für das 17 Mitarbeiter starke Team. Gefragt sind vor allem profunde Länderkenntnisse und ein gutes Verständnis für die jeweilige Zielgruppe.

Vor diesem Hintergrund hilft es, dass man auf fast ein halbes Jahrhundert Erfahrung zurückgreifen kann.
Vom Anwalt zum Touristiker
Seit 2015 ist Tim Zieger Geschäftsführer bei Intercontact. Er teilt sich diesen Posten mit seinem Vater – dieser war 1982 als Partner und Freund des Firmengründers Gerd Müller beim Sondergruppen-Spezialisten eingestiegen. Nach mehreren Praktika im Tourismus studierte er Jura und arbeitete als Wirtschaftsanwalt, bevor er 2014 zu Intercontact wechselte.

Begegnungsreisen im Kalten Krieg

2022 wird Intercontact 50 Jahre alt. Eine große Feier in Remagen mit Kunden, Partnern und Wegbegleitern ist geplant. Firmengründer Gerd Müller wird nicht fehlen und bestimmt die eine oder andere Anekdote auspacken: etwa wie Zieger als Schüler ein Praktikum bei ihm absolvierte und in seinem Gästezimmer schlief oder wie es überhaupt zur Gründung des Veranstalters kam.
Es begann mit Reisen in die Länder des Ostblocks: Intercontact-Teamfoto von 1979 mit den Firmengründern Gerd Müller (oben rechts) und Fritz Pfeiffer (oben Zweiter von links).
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Es begann mit Reisen in die Länder des Ostblocks: Intercontact-Teamfoto von 1979 mit den Firmengründern Gerd Müller (oben rechts) und Fritz Pfeiffer (oben Zweiter von links).

1972, mitten im Kalten Krieg, hatten Müller und sein Kommilitone Fritz Pfeiffer die Idee, Begegnungsreisen für Gruppen in die Länder des Ostblocks zu veranstalten – als "kleinen Beitrag zur Völkerverständigung" so Müller. Die dafür gegründete Selbsthilfeorganisation tauften sie Intercontact – Gesellschaft für Studien- und Begegnungsreisen.

Vor allem Schulen und Jugendorganisationen nahmen das Angebot an. Zuerst ging es in die ČSSR, nach Ungarn, Polen und die UdSSR, und ab 1982 im Auftrag der Bundesregierung in die DDR. Später kamen auch Ziele im Westen dazu.
Mit dem Bus in die UdSSR: In den 80ern ist Intercontact Spezialist für Jugend- und Klassenfahrten in die Sowjetunion, insbesondere nach St. Petersburg und Moskau.
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Mit dem Bus in die UdSSR: In den 80ern ist Intercontact Spezialist für Jugend- und Klassenfahrten in die Sowjetunion, insbesondere nach St. Petersburg und Moskau.

Neue Akzente, neue Produkte

Heute machen Jugend- und Klassenfahrten nur noch zehn Prozent des Geschäfts aus. Zieger versucht dennoch, in dieser Nische weiter Akzente zu setzen. Bei den Themenreisen etwa erhalten die Schüler auch Einblicke in den Arbeitsalltag von Krankenhäusern bis zu Autowerken. "Das ist quasi aktive Berufsvorbereitung auf der Klassenfahrt", sagt Zieger.

Seit 2012 hat man auch Ornithologie- und Botanik-Reisen für ein Fachpublikum im Programm: Ein Bestseller der kleinen Sparte, die als einzige im Portfolio direkt an Endkunden vertrieben wird, ist die Vogelbeobachtungsreise nach New York City.
Sieht sich als starken Partner für – insbesondere – inhabergeführte Reisebüros im gesamten deutschsprachigen Raum: das Intercontact-Team 2016 in Remagen.
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Sieht sich als starken Partner für – insbesondere – inhabergeführte Reisebüros im gesamten deutschsprachigen Raum: das Intercontact-Team 2016 in Remagen.

Kontakte bis ins Kulturministerium

Das Brot-und-Butter-Geschäft sind aber die Sondergruppen. 70 Prozent des Umsatzes fährt IC damit ein. Wichtig sind Weiterempfehlungen und Stammkunden. Ein Kreissportbund etwa hat bereits über 40 Reisen mit Intercontact absolviert: Die erste führte 1982 nach Leningrad, 2022 geht es wohl nach Aserbaidschan.

Dank des großen Netzwerks sind handverlesene Erlebnisse nicht selten. Auf der Griechenland-Reise einer Pfarrgemeinde etwa bekam der IC-Reiseleiter von einem Mitarbeiter des Kulturministeriums einen Schlüsselbund in die Hand gedrückt, mit dem er nicht öffentliche Kirchen öffnen durfte.

"Wir planen solche authentischen Reiseerlebnisse einmalig für jede einzelne Gruppe", sagt Zieger und fügt an: "Für diesen Schlüsselbund mussten wir aber auch lange kämpfen."
IC-Chef Tim Zieger auf Fam Trip in China: "Anders als klassische Veranstalter haben wir keinen Endkundenvertrieb und unterstützen Reisebüros in ihrer eigenen Kundenbindung."
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IC-Chef Tim Zieger auf Fam Trip in China: "Anders als klassische Veranstalter haben wir keinen Endkundenvertrieb und unterstützen Reisebüros in ihrer eigenen Kundenbindung."

Glaube an inhabergeführte Reisebüros

Wegen der Pandemie erschien in diesem Jahr nur ein Sonderkatalog. Rund 30 Prozent der Kunden buchten ihre Reise um. "Für 2022 erwarten wir etwa 80 Prozent von 2019", sagt Zieger. Für die nahe Zukunft setzt er auf Europa, "aber nicht so stark wie viele andere. Wir glauben, dass ausgewählte Fernziele bald wieder zurückkommen."
 
Von One Voice erhofft sich Zieger mehr Sichtbarkeit im Vertrieb – vor allem bei den inhabergeführten Reisebüros. "Der Trend zur persönlichen und individuellen Beratung in Kombination mit ganz speziellen Reisewünschen wird künftig weiter ansteigen."

Damit sich Expedienten bei Sondergruppen-Anfragen nicht nur an die klassischen Gruppenveranstalter wenden, hat sich Zieger einiges überlegt: bis zu 15 Prozent Provision etwa. Und: Neben Werbematerialien erhält jede Gruppe ihre eigene Reise-Website – im Look-and-Feel des Reisebüros.

Fam Trip nach Saudi-Arabien geplant

Dass Intercontact nach wie vor gern Neuland betritt, zeigt Ziegers aktuelles Projekt: ein Fam Trip nach Saudi-Arabien. Der Wüstenstaat, der sich jüngst für den Tourismus geöffnet hat, ist wie gemacht für Studienreisen. Zieger: "Wir hatten schon immer Pionier-Destinationen im Programm – auch weil wir diese wegen manch spezieller Anfrage schon vor den klassischen Gruppenreiseveranstaltern erkunden mussten."

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