One Voice | Porträt

Ikarus Tours macht Lust auf ferne Welten

Ikarus-Chef Nicolas Kitzki am Meiji-Schrein in Tokio: Vor der Pandemie gehörten Ost- und Südostasien sowie Lateinamerika zu den Bestsellern des Spezialisten.
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Ikarus-Chef Nicolas Kitzki am Meiji-Schrein in Tokio: Vor der Pandemie gehörten Ost- und Südostasien sowie Lateinamerika zu den Bestsellern des Spezialisten.

Der Königsteiner Erlebnisreisespezialist Ikarus Tous bündelt für 2021 und 2022 die ganze Welt in einem Katalog. "Was auch immer wieder bereisbar sein wird – in diesem Katalog findet man es", verspricht Geschäftsführer Nicolas Kitzki.

Wer die Ikarus-Zentrale in Königstein im Taunus betritt, den packt sofort das Fernweh: Das ganze Haus ist eine Galerie – mit Seidenmalereien aus Indien, moderner Kunst aus Israel, Gemälden aus Lateinamerika, Landkarten aus dem 18. Jahrhundert und vielen Fotos und Katalogtiteln aus der 50-jährigen Firmengeschichte.

Im Unternehmen aufgewachsen

Ein Lieblingsbild von Nicolas Kitzki (47) ist eine Radierung des heiligen Berges Kailash in Tibet. Seit 2005 führt Kitzki das Familiengeschäft. 1970 hatten seine Eltern den Spezialisten in Frankfurt gegründet.

Die erste Tour war ein Vollcharter mit 176 Gästen nach Indien. 1975 organisierte man die erste China-Rundreise. In den 80ern war man mehrmals Ausrichter der Camel Trophy. Ikarus galt als Pionierveranstalter.

Eine Familie der Vollblut-Touristiker: Nicolas Kitzki mit seiner Lebensgefährtin Jenjira und seinem Vater Horst auf den Australinseln.
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Eine Familie der Vollblut-Touristiker: Nicolas Kitzki mit seiner Lebensgefährtin Jenjira und seinem Vater Horst auf den Australinseln.
Das Firmenmotto "Ferne Welten entdecken" war auch das Motto von Kitzkis Kindheit. "Ich bin quasi im Unternehmen aufgewachsen", erzählt er. "In den frühen Jahren lief der gesamte Katalogversand von zu Hause aus, weil im Büro kein Platz dafür war. Da war drei Tage lang das ganze Haus voller Stapel, Kisten und Helfer."

Und er reiste viel: Der Touristiker-Spross erinnert sich noch an Flugzeuge, die man vom Heck aus bestieg, an die Rassentrennung in Südafrika, an die Südsee ("mein Sehnsuchtsort schlechthin"), an Mexiko, Madagaskar, "und dazwischen immer wieder Griechenland".

Nicolas Kitzki
Nach seinem Wirtschaftsstudium in Gießen absolvierte der gelernte Reiseverkehrskaufmann mehrere Seminare – für Sprachen in Moskau und für Tourismus auf Hawaii und in St. Gallen. 1997 fing Kitzki im Geschäft seiner Eltern in Königstein im Taunus an und baute als Produktmanager den Bereich Nord- und Osteuropa auf. 2005 wurde er alleiniger Geschäftsführer.

Zu Corona-Zeiten die ganze Erde in einem Katalog

So gut wie die gesamte Welt ist auch im aktuellen Ikarus-Programm zu finden, das mitten im Lockdown und – anders als zuvor – in einem Gesamtkatalog erschien. "Wir wollten, dass die ganze Erde enthalten ist", sagt Kitzki. Sein Hintergedanke war: "Was auch immer wieder bereisbar sein wird – in diesem Katalog findet man es."

Weit gereist: Ikarus-Chef Kitzki auf den Pitcairninseln. Entspannung findet er beim Segeln, Lesen, Grillen mit Freunden oder bei einem Waldspaziergang mit seinem Dackel im Taunus.
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Weit gereist: Ikarus-Chef Kitzki auf den Pitcairninseln. Entspannung findet er beim Segeln, Lesen, Grillen mit Freunden oder bei einem Waldspaziergang mit seinem Dackel im Taunus.
Rund 100 Ziele sind es geworden, von Argentinien über Nordkorea bis zu Mikronesien. "Allgemein sind wir wohl als Spezialist für ausgefallene Destinationen bekannt, würden uns aber auch über verstärkte Buchungszuwächse in die 'normalen' Ziele freuen", meint Kitzki.

Europa ist im Katalog stärker vertreten denn je. Kurzfristig nahm der Fernreiseexperte sogar sechs Deutschland-Touren mit auf. "Aus einer gewissen Lethargie heraus, da wir ja zum Nichtreisen verdammt waren. Immerhin waren wir so in den schlimmsten Corona-Zeiten beschäftigt", sagt er unverblümt.

2020 war ein schwieriges Jahr für Kitzki, der seine "gesunde Mischung aus Realismus und Optimismus" als seine persönliche Stärke bezeichnet. Im Frühling machte er in einem Videoappell der AER-Kooperation auf die verheerenden Folgen der Pandemie für die Reisewirtschaft aufmerksam – zu dem Zeitpunkt hatten 1231 Ikarus-Kunden ihren Urlaub storniert.

Auch das 50. Firmenjubiläum fiel ins Wasser. Und im August verstarb seine Mutter, Ursula Kitzki, unerwartet.

Unabhängigkeit bedeutet Freiheit

"Immer ein wenig mehr einnehmen als ausgeben. Unabhängig bleiben, auch von Banken." Diesen Ratschlag seiner Eltern beherzigt Kitzki bis heute. Denn die Unabhängigkeit bedeute auch "die Freiheit, mal Reisen anzubieten, von denen keine exorbitanten Deckungsbeiträge zu erwarten sind – einfach, um unseren Kunden eine besonders selten besuchte Ecke unserer Erde zeigen zu können."

Warum One Voice?
Seit jeher setzt Ikarus auf den Counter. Rund 75 Prozent aller Buchungen stammen aktuell von den Reisebüros. "Von One Voice versprechen wir uns eine einheitliche Sprachregelung der mittelständischen Veranstalter mit dem Vertrieb, einen fairen Austausch auf Augenhöhe und verlässliche Konditionen für die Vertriebspartner", sagt Nicolas Kitzki.
Nachdem Kitzki das Geschäft 2005 von seinen Eltern übernommen hatte, richtete er den Fokus auf das individuelle Erlebnis. Bedeutete: kleinere Gruppen, mehr Freiräume für eigene Erkundungen, mehr Begegnungen mit Einheimischen.

Expeditionen in die Arktis und Antarktis kamen neu dazu, später maßgeschneiderte Privatreisen, um jüngere Zielgruppen anzusprechen. Studienreisen in ihrer klassischen Variante machen inzwischen nur noch zehn Prozent des Umsatzes aus.

Familiengeführt und seit jeher unabhängig: Seit 2005 ist Nicolas Kitzki Geschäftsleiter von Ikarus. Sein Vater Horst hatte mit seiner Mutter Ursula die Firma 1970 gegründet.
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Familiengeführt und seit jeher unabhängig: Seit 2005 ist Nicolas Kitzki Geschäftsleiter von Ikarus. Sein Vater Horst hatte mit seiner Mutter Ursula die Firma 1970 gegründet.
Als Chef legt Kitzki Wert auf Selbstverantwortung. So ist etwa jeder Produktmanager für seinen gesamten Bereich verantwortlich, ob Hoteleinkauf, Preiskalkulation, Kataloggestaltung oder Marketing. Das schaffe eine sehr hohe Identifikation mit dem Produkt, so Kitzki. 

Dazu setzt er auf flache Hierarchien: "Wenn ein Mitarbeiter zu mir kommt und begeistert von einem persönlichen Reiseerlebnis berichtet, das zu einer Ikarus-Tour werden soll, dann wägen wir nicht lange ab, was eine Katalogseite kostet und welche Realisierung wir anstreben müssen."

Sehnsucht nach der Ferne

Die Begeisterung für das Entdecken von fernen Welten versucht Kitzki auch an seinen Nachwuchs weiterzugeben. Mit den beiden Teenagern ist er schon weit gereist. "Australien gefiel ihnen am besten. Am nachhaltigsten beeindruckt hat sie Äthiopien."

Reisen sei noch immer seine größte Leidenschaft. Ziele, die Kitzki unbedingt bald sehen möchte, sind Grönland, die Mongolei, Tasmanien und vor allem die Insel Saba mit der kürzesten Landepiste der kommerziellen Luftfahrt. Fürs Erste geht es diesen Sommer jedoch ins eigene Familienhäuschen auf der Nordseeinsel Ameland.

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