Kommentar zur Krisenbewältigung

Dankbarkeit stärkt

Sabine Pracht ist Chefredakteurin von fvw|TravelTalk.
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Sabine Pracht ist Chefredakteurin von fvw|TravelTalk.

Angesichts der Krise geraten Viele in der Touristik ins Zweifeln. Doch die Positive Psychologie kann bei der Krisenbewältigung helfen, meint fvw|TravelTalk-Chefredakteurin Sabine Pracht.

 
Manche Sprüche hört man so häufig, dass sie fast schon nerven. "Das Glas ist halbvoll und nicht halbleer" ist für mich so einer. Oder: "Wer weiß, wofür es gut ist." Oder: "In jeder Krise liegt eine Chance." Immer wieder hört man solche Sätze. Und das macht sie belanglos. Das ist schade. Sehr schade sogar. Denn: Im Kern haben sie etwas Wahres.

Wer auf Positives schaut, ist besser gelaunt. Wer besser gelaunt ist, versprüht mehr Lebensfreude. Wer mehr Lebensfreude verbreitet, reißt andere mit. Das motiviert. Und mit Motivation lässt sich mehr bewegen. Die Kette lässt sich beliebig fortsetzen.

Mit Kalenderspruch-Romantik hat das nichts zu tun. Wissenschaftler beschäftigen sich schon seit den 50er Jahren mit der Positiven Psychologie. Bereits Abraham Maslow, der die bekannte Bedürfnispyramide entwickelt hat, hat die rein defizitorientierte Sichtweise auf die menschliche Psyche als unzureichend kritisiert. Sein Kollege, der US-Psychologe Martin Seligman, hat die Idee der Positiven Psychologie Ende des 20. Jahrhunderts weiterentwickelt. Er untersuchte, was ein erfülltes Leben ausmacht, und er geht davon aus, dass die Positive Psychologie das Leben der Menschen produktiver und erfüllter macht und dabei hilft, herausragende Talente zu identifizieren und zu fördern.

In Krisensituationen fällt es vielen schwer, das Positive zu sehen. Denn ungewohnte, herausfordernde und nicht zu bewältigen erscheinende Situationen kosten Kraft. Angesichts der unberechenbaren Corona-Lage fühlen sich viele machtlos, geradezu ohnmächtig.

Hilfe von Psychologen, Coaches und Resilienztrainern ist jetzt während der Pandemie gefragter denn je. Mehr noch als je zuvor suchen Menschen nach Sinn, Erfüllung und ihrem Platz im Leben. Die Pandemie hat das bislang geordnete Leben vieler Menschen durcheinandergebracht, auf den Kopf gestellt.

Warum ich das hier aufschreibe? Weil es ganz viel mit der Touristik zu tun hat. Die gesamte Branche steckt seit fast zwei Jahren in einer Krise. Jeder Einzelne ist in dieser Zeit sicher nicht nur einmal an die Grenze seiner Belastbarkeit gestoßen. Die einen macht es stärker, die anderen schwächer. Was macht den Unterschied aus? Diejenigen, die ihrem Beruf mit Herzblut nachgehen, Demut und Dankbarkeit spüren können, für das, was sie tun, hinterfragen auch in der Krise nicht, ob sie am richtigen Platz sind. Das verleiht ihnen weiterhin Kraft.

Diejenigen, die zweifeln, haben das Gefühl verloren, das Richtige zu tun. Die Zahl der Zweifler wächst. Immer mehr verlassen die Branche – eine Branche, die so viel Gutes tut. Reisen bildet, erweitert den Horizont, schafft Distanz zum Alltag und verleiht neue Perspektiven – auf andere Kulturen und auf das eigene Leben. Und nicht zu vergessen: Reisen bringt Wohlstand. Gäbe es den Tourismus nicht, wäre die Armut in vielen Ländern der Welt sicher noch größer.

Auf meiner Reise im November durch Tansania mit der Delegation der DER Touristik Foundation durfte ich viele Menschen erleben, die voller Freude waren. Die einen, weil sie unbeirrt ihren Weg gehen und Kraft daraus ziehen, andere zu unterstützen – auch wenn die Hilfe angesichts der großen Bedürftigkeit wie ein Tropfen auf den heißen Stein anmutet. Die anderen, die Unterstützung empfangen und dafür unendlich dankbar erscheinen. Sie strahlen Freude aus, die von Herzen kommt.

Haben Sie schon Ihre persönliche Bilanz gezogen? Wofür sind Sie dankbar? Wem das zu gefühlsduselig ist: Es ist Weihnachten – und wie ich finde, Zeit für Besinnung und Gefühle. 
2 Kommentare Kommentieren

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1.
Marija Linnhoff
Erstellt 21. Dezember 2021 19:57 | Permanent-Link

Chapeau, Frau Pracht

Dankbarkeit, Demut und Gottvertrauen, haben mich -bis jetzt- durch jede Krise geführt und mich gelehrt, jede Krise hat auch etwas Positives. Ganz sicher (!)

Leider neigen die meisten dazu nur das Negative zu sehen, ohne zu erkennen, dass das Positive erst später zu erkennen ist bzw. sichtbar wird.

Aber ganz wichtig ist in einer Krise auch der Humor (!) Ich bin sehr, sehr dankbar und froh, dass der liebe Gott mir meinen Humor, meine Willenskraft und die Gabe "verzeihen" zu können in die Wiege gelegt hat! Ohne diese Eigenschaften wäre das Leben nämlich nicht so schön - allseits FROHE WEIHNACHTEN und Gott schütze Euch

Sabine Pracht Autor
Erstellt 22. Dezember 2021 15:06 | Permanent-Link

@Marija Linnhoff: Liebe Frau Linnhoff, vielen Dank für Ihre Worte. Es freut mich, wenn mein Kommentar Denkanstöße geben kann. Ich wünsche Ihnen – und natürlich allen unseren Leserinnen und Lesern – an dieser Stelle entspannte und fröhliche Festtage und für 2022 weiterhin viel Schaffens- und Willenskraft ... und eine große Portion Humor natürlich auch. Herzliche Grüße Sabine Pracht



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