Extreme Energiepreise

Ölpreise von bis zu 300 US-Dollar pro Barrel?

Der Energiepreis-Schock könnte sich vertiefen.
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Der Energiepreis-Schock könnte sich vertiefen.

Nach Einschätzungen von Optionshändlern wird das Barrel Öl auf bis zu 300 US-Dollar steigen. Eine Hiobsbotschaft für Reiseveranstalter, Luftfahrtgesellschaften und Hotellerie. Doch dieser Prognose liegen handfeste Gründe zugrunde.

Ölpreis-Bewegungen können Länder, die stark von der Tourismus-Branche abhängig sind, erheblich beeinträchtigen, und Untersuchungen zeigen, dass solche Länder plötzlichen Schwankungen der Ölpreise ungleichmäßig ausgesetzt sind. 

Die genaue Ermittlung der Kausalität zwischen dem Ölpreis und Touristen-Ankünften kann den Tourismus-Planungsprozess unterstützen und dazu beitragen, die Qualität von Vorhersagen über Touristen-Ankünfte und damit verbundene Managemententscheidungen zu verbessern.




Die jüngsten Ölpreis-Steigerungen haben bereits dazu geführt, dass sich die Hotellerie in den südeuropäischen Ländern darauf vorbereitet, die Preise deutlich anzuheben. Carolina Quetglas, Präsidentin des Hotelverbands der Balearen (ACH), erwähnte, dass zwischen der Hotellerie und den Reiseveranstaltern harte Verhandlungen stattfinden werden.

Der Zenit bei den Ölpreis-Steigerungen dürfte derweil noch nicht erreicht sein. Die aktuelle US-Dollar-Stärke wird diesen Trend nicht aufhalten, sondern lediglich vorübergehend hemmen. Vielmehr besteht aufgrund der geopolitischen Risiken im Zusammenhang mit den Staaten, die Energieträger exportieren, das Risiko einer andauernden Preiseskalation.



Der Ölpreis war in den vergangenen vier Jahrzehnten alles andere als stabil. Eine Reihe dramatischer Ereignisse in den 1970er Jahren ließ den Ölpreis der richtungsweisenden Nordseesorte Brent ansteigen. Der Preis blieb nach dem Zusammenbruch in den 1980er Jahren sehr volatil, lag aber Ende 2001 immer noch bei nur 20 Dollar pro Barrel. In den darauffolgenden sechs Jahren wurde ein stetiger Anstieg verzeichnet, der den realen Preis bis Mitte 2007 verdreifachte.

Später wurde die Kurve des Ölpreises steiler und schickte den Nominalpreis am 3. Juli 2008 auf ein Allzeithoch von 145 Dollar pro Barrel, gefolgt von einem noch spektakuläreren Preisverfall. 

Zwischen 2009 und 2015 schwankte der Ölpreis zwischen 35 und 110 Dollar, um anschließend erneut zwischen 40 und 75 Dollar zu landen. Seinen Tiefpunkt erreicht er im Mai 2020 auf knapp über 20 Dollar, um sich anschließend vom Oktober 2020 an zu stabilisieren. 

Steigt der Ölpreis auf bis zu 300 Dollar?

Im November 2021 berichtete "Bloomberg" unter dem Titel "Trader Makes $250-a-Barrel Bonanza Oil Bet", dass Optionshändler am "ICE Futures Europe" auf einen mittelfristigen Anstieg des Ölpreises auf 250 bis 300 Dollar gewettet haben. Die Trades fanden am 11. November 2021 statt – am selben Tag, an dem Analysten von JP Morgan Chase & Co, in einer Mitteilung an ihre Kunden schrieben, dass der Ölpreis auf über 100 Dollar steigen könnte. Damals lag der Ölpreis bei 83,40 Dollar. Heute (Stand: 27. Juli 2022) liegt der Ölpreis tatsächlich bei 105,24 Dollar.

Die Begründung der Analysten war besonders aufschlussreich. Sie erklärten: "Wir glauben, dass eine sich verschlechternde Rhetorik zwischen der US-Regierung und der Opec+ sich weiter zu einem Szenario verschlechtern könnte, bei dem letztere die US-Exporte nach Osten umleiten."

Und wo stehen wir jetzt? Der Ölpreis war am 18. Juli 2022 um 2,6 Prozent auf 103,88 Dollar gestiegen, nachdem US-Präsident Joe Biden erfolglose Gespräche im Nahen Osten über eine Erhöhung der saudischen Ölförderung heimgekehrt war. Biden hatte auf ein Entgegenkommen von Saudi-Arabien gehofft, was zu einer Entspannung des Preises hätte führen können. Saudi-Arabiens Außenminister, Prinz Faisal bin Farhan Al Saud, wies die Forderung Bidens jedoch zurück.

Naeem Aslam, Chief Market Analyst bei Avatrade, sagte der britischen Zeitung "Guardian": "Die Botschaft lautet, dass es die Opec+ ist, die die Entscheidung über die Ölversorgung trifft, und das Kartell nicht im Entferntesten daran interessiert ist, was Biden zu erreichen versucht."

Schlussendlich kommt genau jene Entwicklung in Gang, die von den Analysten von JP Morgan Chase & Co im vergangenen Jahr vorausgesagt und von Optionshändlern aufgegriffen wurde, um auf einen Anstieg des Ölpreises auf bis zu 300 Dollar pro Barrel zu wetten.

Sollte dieses Szenario tatsächlich eintreten, dürfte die Tourismus-Branche schwer getroffen werden. Umso wichtiger ist es, mit der Ausarbeitung eines Notfall- oder Umstrukturierungsplans unter Berücksichtigung der energie- und finanzpolitischen Risiken zu beginnen.

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