Entscheidung gefallen

DRV und Co sollen neuen Sicherungsfonds organisieren

Andreas Gent und Thomas Schreiber sind Geschäftsführer des Deutschen Reisesicherungsfonds (DRSF).
Hendrik Doose/DRSF
Andreas Gent und Thomas Schreiber sind Geschäftsführer des Deutschen Reisesicherungsfonds (DRSF).

Das Bundesjustizministerium hat das Konsortium rund um die Verbände DRV, ASR, FAR, RDA und VIR mit der Organisation der neuen Pauschalreiseabsicherung beauftragt. Der Deutsche Reisesicherungsfonds (DRSF) soll wie geplant zum 1. November starten.

Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) habe entschieden, dass das Konsortium der Verbände den neuen Reisesicherungsfonds organisieren solle, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung von Deutschem Reiseverband (DRV), Allianz selbständiger Reiseunternehmen (ASR), Forum Anders Reisen, internationalem Bustouristik-Verband (RDA) und Verband Internet Reisevertrieb (VIR).

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Andreas Gent, Geschäftsführer des Deutschen Reisesicherungsfonds (DRSF), gibt in der Session "So geht Kundengeldabsicherung ab November" am Mittwoch (1. September) beim fvw|TravelTalk Kongress einen ersten Überblick zum neuen Fonds. Thomas Marloh vom Absicherer R+V erläutert, was sein Unternehmen in Sachen Kundengeldabsicherung plant. Mit dabei sind Claus-A. Schlünken vom Großmakler Aon und Carsten Dreyer vom Touristik-Assekuranz Service (TAS) sowie Rechtsanwalt Frank Hütten. Jetzt anmelden unter: fvw-kongress.de.

Des BMJV bestätigte die Entscheidung gegenüber fvw|TravelTalk. Der Schadenabwickler Kaera, der sich ebenfalls um den Betrieb des Reisesicherungsfonds beworben hatte, geht damit leer aus. Mit dem Fonds wird die Pauschalreiseabsicherung für Veranstalter neu geregelt. Aus dem Fonds sollen Urlauberinnen und Urlauber entschädigt werden, wenn ihr Reiseveranstalter insolvent gegangen ist und Reisen abgesagt wurden.

Der Fonds soll bis zum 31. Oktober 2027 ein Zielkapital in Höhe von 750 Mio. Euro erreichen. Die Veranstalter müssen es über Sicherheiten und Entgelte selbst aufbauen. Ausnahmen gibt es für Veranstalter bis zehn Millionen Euro Jahresumsatz, die sich wie bisher per Versicherung oder Bankbürgschaft absichern können. Mit dem Kapital soll der Fonds im Falle der Insolvenz eines Veranstalters Kundengelder zurückzahlen und gestrandete Urlauber zurückholen.

Zum Betrieb des Fonds haben die Verbände bereits im Mai den Deutschen Reisesicherungsfonds (DRSF) gegründet. Die Anteile daran sind den Angaben zufolge wie folgt verteilt: Der DRV hält 78 Prozent, der RDA 10 Prozent, FAR und VIR jeweils 5 Prozent sowie ASR 2 Prozent. Der Gesellschafterkreis sei offen für weitere Verbände, die Anbieter von Pauschalreisen und verbundenen Reiseleistungen repräsentieren, heißt es in einer Mitteilung. Alleiniges Ziel des Fonds sei es, den Schutz der Reisenden im Fall einer Insolvenz umfassend sicherzustellen.

"Wir sind uns der Verantwortung für die Branche bewusst. Mitten in der Corona-Pandemie ist die bessere Absicherung der Reisenden eine wirtschaftliche Herausforderung für die überwiegende Mehrheit der Reiseunternehmen. Der Zusammenschluss der Verbände verfolgt das Ziel, die bestmögliche Absicherung, die sich aus dem gesetzlichen Auftrag ergibt, zu möglichst geringen Verwaltungskosten zu erbringen", heißt es von den Gesellschaftern.

Im Mittelpunkt stehe dabei der Verbraucherschutz. Die DRSF GmbH bekenne sich klar zu dieser Verpflichtung und steht dabei unter der Aufsicht des BMJV. Die Zeit bis zum geplanten Start des Fonds am 1. November sei denkbar knapp. Deshalb werde man konzentriert daran arbeiten, den Fonds aufzubauen, um den Reiseveranstaltern so schnell wie möglich die Informationen zur Verfügung zu stellen, die für die Absicherung im Fonds benötigen.

Als Geschäftsführer des DRSF sind – wie von fvw|TravelTalk zuerst berichtet – Thomas Schreiber und Andreas Gent bestellt. Schreiber verfügt über langjährige Erfahrungen in verantwortungsvollen Positionen im Asset- und Fondsmanagement. Gent kommt aus der Assekuranz und hat für die Hanse Merkur die Reiseversicherung mit aufgebaut. Von 2001 an war er im Vorstand der Hanse Merkur Versicherungsgruppe und ist heute Aufsichtsratschef der Hanse Merkur Krankenversicherung AG.

Als Aufsichtsbehörde ist das BMJV bestimmt. Zudem soll bald ein Beirat berufen werden, der die Geschäftsführung unterstützt und berät. Die Mitglieder sollen unter anderen die Verbraucherinteressen, die Interessen von Bund und Ländern sowie die Interessen der Reisewirtschaft vertreten. Insgesamt sind bis zu elf Mitglieder zu bestimmen.

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3.
Ronald Krispin
Erstellt 1. September 2021 16:05 | Permanent-Link

Die Messlatten der Bundesregierung, die interessanterweise die Gesellschafter des Fonds als nicht so wichtig ansieht, wie etwa die Geschäftsführung desselben selbst.
Hmm? Wem gegenüber müssen aber diese Geschäftsführer Rechenschaft ablegen - und wem wem erhalten diese ihre Weisungen?

Frage 1.: Ist der Bundesregierung die Forderung des VZBV, wonach die Geschäftsführung des Reissicherungsfonds ausschließlich die Interessen der Pauschalreisenden zu vertreten habe und nicht aus der Reisebranche kommen dürfte, bekannt? Wenn ja, welche Position nimmt die Bundesregierung zu der Forderung ein?

Antwort: Die Ansicht des vzbv, wonach die Geschäftsführung des Reisesicherungsfonds (RSF) ausschließlich die Interessen der Pauschalreisenden zu vertreten habe und nicht aus der Reisebranche kommen dürfe, ist der Bundesregierung bekannt. Das Reisesicherungsfondsgesetz (RSG) sieht vor, dass der künftige RSF zur Aufnahme des Geschäftsbetriebs einer Erlaubnis bedarf. Entsprechend der Vorgabe in § 12 Absatz 1 RSG wird die Aufsichtsbehörde einer Antragstellerin oder einem Antragsteller die Erlaubnis erteilen, die oder der die Voraussetzungen des RSG selbst und der auf seiner Grundlage erlassenen Reisesicherungsfondsverordnung (RSFV) erfüllt.

Frage 2: Teilt die Bundesregierung die Auffassung in Presseberichten, wonach die Gefahr eines Interessenkonfliktes droht, falls der DRV Gesellschafter des Reisesicherungsfonds werden sollte und in diesem Fall zumindest mittelbar über die Aufnahme eines ihrer größten Beitragszahler in den Reisesicherungsfonds mitentscheiden kann (bitte begründen?)

Antwort: Die Bundesregierung hat insbesondere in der RSFV Vorkehrungen getroffen, um Interessenkonflikte auszuschließen.
So ist unter anderem vorgesehen, dass die Geschäftsführerinnen oder Geschäftsführer des RSF nicht gleichzeitig für einen Reiseanbieter oder einen Interessenvertreter der Reisewirtschaft tätig sein dürfen. Außerdem müssen sie gewährleisten, dass der RSF Verträge mit Dritten nur zu angemessenen und marktüblichen Konditionen schließt. Darüber hinaus wird die Geschäftsorganisation des RSF so zu gestalten sein, dass eine strikte Trennung zwischen Gesellschaftern, Geschäftsführern, Mitgliedern des Beirats und Reiseanbietern gewährleistet wird, um sensible Informationen und Geschäftsgeheimnisse zu schützen. Die genannten Vorgaben müssen durch eine sogenannte Compliance-Funktion innerhalb des RSF abgesichert und von der Aufsichtsbehörde überwacht werden. Vor diesem Hintergrund sieht die Bundesregierung die angesprochenen Gefahren nicht.

(Quelle: Deutscher Bundestag, Drucksache 19/31528, 13. Juli 2021)

2.
Marija Linnhoff
Erstellt 31. August 2021 15:47 | Permanent-Link

Alle tun so erstaunt – warum? Wenn eine Linnhoff bereits vor Monaten wusste und es auch veröffentlicht hat das der DRV – Dank TUI Gnaden – den Zuschlag erhält, warum ist man so erstaunt?

TUI hat den größten politischen Einfluss und Inger, Buller, Esser, usw. usw. wissen/wussten das und für Geld beziehungsweise Aufträge, Gesichtswahrung "verkauft man eben auch schon mal die eigene Großmutter" ;)

Die Gestaltungsmacht liegt jetzt bei TUI & Co und kommt mir jetzt nicht mit der Verordnung (dem angeblichen Kontrollkorsett) zu der man sich noch bis zum 15.09. äußern kann/soll. Weder das BMJV noch ein Treuhänder wird sich mit der TUI anlegen – das werde ich erst glauben wenn es beziehungsweise die Akteure tatsächlich kontrolliert wird.

Trotzdem – herzlichen Glückwunsch, Herr Ellerbeck und aufrichtig "Chapeau" die Wette habe ich schon mal verloren ;) auch wenn die Verordnung sich liest als wenn ich sie geschrieben hätte – nutzt nur nix :(

1.
Ronald Krispin
Erstellt 31. August 2021 15:42 | Permanent-Link
bearbeitet

Krasse Verteilung. 2 Prozent bis 10 Prozent Anteile klingen anderorts zuweilen nach Alibifunktion, Makulatur oder nicht von wesentlicher Bedeutung. Wirecard war gegen das, was jetzt kommen kann, nur ein "Fliegenschiss". Oi oi oi. Punkt.

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