Einreise-Testpflicht gestartet

DRV sieht Familien mit Kindern als Verlierer der Reform

Urlauber auf Mallorca: Spanien ist ein Hochrisikogebiet. Für ungeimpfte Kinder zieht der Aufenthalt eine Quarantäne nach sich.
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Urlauber auf Mallorca: Spanien ist ein Hochrisikogebiet. Für ungeimpfte Kinder zieht der Aufenthalt eine Quarantäne nach sich.

Zum Start der Corona-Testpflichten für Reiserückkehrer aus dem Ausland hat Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) Kontrollen angekündigt. Der DRV sieht Familien mit Kindern als Benachteiligte der neuen Regelung und fordert eine klarere Definition von Hochrisikogebieten.

"Wer nach Deutschland einreist, muss damit rechnen, kontrolliert zu werden. Bundes- und Landespolizei arbeiten hier Hand in Hand", sagte Seehofer der "Bild am Sonntag". An den Binnengrenzen werde es Stichproben geben, um kilometerlange Staus im Urlaubsverkehr zu verhindern. "Bei Einreisen aus Ländern außerhalb der EU, an den Flug- und Seehäfen wird jeder kontrolliert, ohne Ausnahme." Wer keinen negativen Test habe, müsse eventuell in Quarantäne, und es drohten "empfindliche Bußgelder".

Seit Sonntag gilt bei der Einreise nach Deutschland eine Testpflicht. Damit soll eine weitere Ausbreitung des Coronavirus zum Ende der Sommerferien verhindert werden. Alle Menschen von mindestens zwölf Jahren müssen bei der Einreise nachweisen können, dass bei ihnen das Übertragungsrisiko verringert ist – mit dem Nachweis einer Impfung, einem Nachweis als Genesener oder einem negativen Testergebnis.

Eine solche Vorgabe gilt es bereits seit März für alle Flugreisenden. Jetzt gilt sie für alle Verkehrsmittel, also auch bei Einreisen per Auto oder Bahn. Damit werde eine Lücke geschlossen, so der Deutsche Reiseverband (DRV).

Wichtige Auto- und Bahnstrecken im Visier

Die Bayerische Grenzpolizei werde in enger Zusammenarbeit mit der Bundespolizei Reiserückkehrer aus dem Ausland im Rahmen der stichprobenartigen Schleierfahndung kontrollieren, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Ein Sprecher der Bundespolizei in Sachsen sagte, der Schwerpunkt der Kontrollen liege an den Autobahnen und Bundesstraßen sowie an der Zugstrecke Prag–Berlin. Die Daten würden erhoben und an das jeweils zuständige Gesundheitsamt weitergeleitet.

Die neue Einreiseverordnung soll zunächst bis Jahresende gelten und sieht nur noch zwei Arten von Risikogebieten vor: Hochrisikogebiete und Virusvariantengebiete. Als Hochrisikogebiete gelten Staaten, in denen die Sieben-Tage-Inzidenz deutlich über 100 liegt, die Krankenhäuser stark belegt sind und es nur wenige Tests gibt. Bislang lag die Grenze für Hochrisikoländer bei einer Inzidenz von 200.
Der DRV hält die Definition für unzureichend. Es sei nicht klar, wie hoch die Inzidenzen sein sollen und was genau die sonstigen Faktoren für die Beurteilung seien. "Diese Änderungen sind schwer vorauszusehen und die Kriterien kaum überprüfbar", erklärt der Verband in einer Stellungnahme.

Für die Rückreise aus einem Hochrisikogebiet wie derzeit etwa Spanien, Ägypten und die Niederlande ist vorgesehen, dass nicht Geimpfte und nicht Genesene bei der Rückkehr zehn Tage in Quarantäne gehen müssen, die frühestens am fünften Tag mit einem negativen PCR-Testnachweis beendet werden kann. Für Kinder unter zwölf Jahren soll die Quarantäne automatisch nach dem fünften Tag nach Einreise enden. Das habe insbesondere für Familien mit Kindern deutliche Nachteile, so der DRV.

Probleme für Familien mit Kindern bis zwölf Jahren

Häufig sind die Eltern bereits geimpft und können ohne Test und Quarantäne einreisen, für Kinder bis zwölf Jahre gibt es dagegen noch keinen zugelassenen Impfstoff. In diesem Fall hätten Familien mit Kindern unter zwölf Jahren keine Möglichkeit, die Quarantäne zu umgehen, so der Reiseverband. "Das ist eine nicht nachvollziehbare Benachteiligung von Kindern, die zudem im Widerspruch zu europäischen Beschlüssen steht", heißt es in dem Statement.

Damit Familien gemeinsam reisen können, sollten Minderjährige, die mit ihren Eltern oder anderen Begleitpersonen reisen, von der Quarantäne ausgenommen werden, wenn die Begleitpersonen beispielsweise aufgrund einer Impfung keiner Quarantäne unterzogen werden, so der EU-Rat vor einigen Wochen.

Bei einem Aufenthalt in Gebieten mit neuen, besorgniserregenden Virusvarianten müssen sich Rückkehrer immer testen lassen und in jedem Fall für 14 Tage in Quarantäne begeben – egal, ob sie ungeimpft, geimpft oder genesen sind. Derzeit werden von der Bundesregierung aber nur Brasilien und Uruguay als Virusvariantengebiet eingestuft.


Sowohl Minister Seehofer als auch der DRV appellieren an die Deutschen, sich impfen zu lassen. "Mit zunehmenden Impfungen bekommen wir zusätzlichen Schutz, können schneller mehr Freiheiten genießen und auch wieder vermehrt verantwortungsvoll reisen", erklärt der Branchenverband.

Allerdings will sich derzeit nur etwa jeder vierte Ungeimpfte noch gegen Corona impfen lassen. In einer repräsentativen Befragung des Instituts Insa für die "Bild am Sonntag" gaben 27 Prozent derer, die bislang kein Impfangebot angenommen haben, an, sich eine Impfung vorstellen zu können. Aber 54 Prozent erklärten, sich grundsätzlich nicht impfen lassen zu wollen. 19 Prozent zeigten sich unentschlossen. Als Hauptgrund nannten 67 Prozent der Impfverweigerer mangelndes Vertrauen in die Impfstoffe.

1 Kommentar

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1.
Detlef Oberdieck
Erstellt 2. August 2021 14:17 | Permanent-Link

APPELL AN ALLE MANDATSTRÄGER - PRESSE - POLITIK - TOURISTIK
Wirken Sie ein auf die desaströsen Entscheidungen von RKI und
dem Pandemie-Kabinett
Es gibt jetzt aktuell 2 wesentliche Forderungen, deren Erfüllung den rechtswidrigen Eingriff in die Grundrechte unserer Bürger beenden würden, und auch eine sichere Kontrolle der Reiserückkehrer über die Straße oder Bahn/Schiff gewährleisten würde.
1. Der Irrsinn bei den Einstufungskriterien als Risikogebiete muss enden
Ohne die Vorlage verifizierter Fakten, die dem RKI vorliegen und beweisen, dass von rückreisenden Fluggästen aus Spanien keine wirkliche Gefahr ausgeht, muss das enden.
Das ist Willkür und ein Verstoß gegen Grundrechte und unsere Rechtsordnung.
Seit Monaten können nur geimpfte und mit nachweisbaren Corona-Test versehene Fluggäste nach Deutschland zurückfliegen.
Diese Daten werden seit Monaten an das Auswärtige Amt digital übertragen und liegen dem RKI vor.
Überprüfungen hier auf der Insel weisen nach, dass es kaum positiv Tests gibt – wie im letzten Jahr lt. RKI 0.27%. Fordern Sie dringend die Daten vom RKI

2. Ebenso das Chaos bei den nicht kontrollierbaren Grenzkontrollen; der Rückreisenden, die auf dem Landweg per PKW und Bahn/Schiff einreisen
Hier gab es im letzten Jahr lt. Aussage des RKI über 40.000 eingeschleppte Infizierungen von Reiserückkehrern aus dem Balkan über die bayerische Grenze. Mit der Zettelwirtschaft an
der Grenze musste MP Söder einräumen, dass Tausende unkontrollierbar nach Hause reisten.
Wie soll das mit dem jetzt von ihm initiierte, nicht umsetzbaren System anders werden?
Warum wird hier kein einfacher und verifizierbarer Weg beschritten? indem sich dieser Personenkreis beim Auswärtigen Amt wie Flugreisende anmeldet, mit den Informationen digital übermittelt:
getestet: O Ja / O nein – Personalangaben – KFZ-Nr. – Bahnticket/Kopie Ungetestete mit einer Verpflichtung, diesen Test nach ihrer Rückkehr innerhalb von 5 Tagen in Deutschland nachzuholen mit Strafandrohung € 1000.- pro Person.



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