Angst vor Pandemie-Tourismus

Länder verschärfen Einreiseregeln für China

Chinesische Touristen müssen in vielen Ländern Covid-19-Tests vorlegen.
Pixabay
Chinesische Touristen müssen in vielen Ländern Covid-19-Tests vorlegen.

Nachdem China angekündigt hat, die Ausstellung von Reisepässen wieder aufzunehmen, führen nun einige Länder verschärfte Einreiseregeln für China ein. Hintergrund: Die Angst vor der Rückkehr der Pandemie durch den Zustrom chinesischer Touristen ist groß.

Die chinesische Regierung will nach eigenen Angaben die Ausstellung von Reisepässen an ihre Bürger wiederaufnehmen. Die jüngste Entscheidung könnte ausgabefreudige chinesische Touristen zum chinesischen Neujahrsfest, das am 22. Januar 2022 beginnt und normalerweise die verkehrsreichste Reisezeit des Landes ist, zu umsatzschwachen Zielen in Asien und Europa "entsenden". "Es stellt aber auch die Gefahr dar, dass sie Covid-19 verbreiten könnten, wenn die Infektionen in China zunehmen", so "Travel Weekly".

Der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Wang Wenbin, versprach zumindest, dass China "mit allen Ländern zusammenarbeiten" werde, um "die Sicherheit und Stabilität der globalen Industrie- und Lieferketten wiederherzustellen und die Erholung der Weltwirtschaft zu fördern". Den gesundheitlichen Aspekt sprach Wang nicht an.


Die Reisedienstleistungsunternehmen Trip.com und Qunar teilten mit, dass internationale Ticketbuchungen und Suchen nach Visa-Informationen auf ihren Websites nach der Ankündigung vom Dienstag um das Fünf- bis Achtfache gestiegen sind, so der US-Sender "CNBC". Zu den Top-Destinationen bei den Suchen gehörten Japan, Thailand, Südkorea, die USA, Großbritannien und Australien. Einige Länder haben auf die chinesische Infektionswelle reagiert, um von chinesischen Touristen und weiteren chinesischen Einreisenden Covid-19-Tests zu fordern.

Eine kurze Übersicht:

  • In Japan werden ab 30. Dezember alle Reisenden aus China und diejenigen, die das Land innerhalb von sieben Tagen besucht haben, bei der Ankunft auf Covid-19 getestet, sagte Premier Fumio Kishida. Diejenigen, die positiv getestet wurden, müssen sieben Tage lang unter Quarantäne gestellt werden, wenn sie Symptome haben, oder fünf Tage, wenn sie asymptomatisch sind. Auch die Zahl der Flüge von und nach China wird eingeschränkt
  • In Indien müssen Reisende aus China und vier weiteren asiatischen Ländern vor der Einreise einen negativen Covid-19-Test vorweisen. Passagiere werden bei Symptomen oder positivem Test unter Quarantäne gestellt
  • Laut Taiwan müssen Personen, die mit Flügen aus China sowie mit dem Boot auf zwei Inseln ankommen, bei der Ankunft vom 1. bis 31. Januar Covid-19-Tests durchführen. Diejenigen, die positiv getestet werden, müssen sich in häusliche Quarantäne begeben, so Taiwans "Central Epidemic Command Center".
  • Malaysia hat zu den obligatorischen Covid-19-Tests zusätzliche Verfolgungs- und Überwachungsmaßnahmen eingeführt. 
  • Ab dem 5. Januar müssen "alle Fluggäste ab zwei Jahren, die aus China stammen, spätestens zwei Tage vor ihrem Abflug aus China, Hongkong und Macau einen Test machen lassen und den Airlines beim Abflug ein negatives Testergebnis vorlegen", teilte das US-Gesundheitsministerium laut "CNBC" am 28. Dezember mit. Peking habe nur begrenzte Daten über in China zirkulierende Covid-19-Varianten an globale Datenbanken übermittelt. "Aufgrund dieses Mangels an verfügbaren Daten ist es für US-Gesundheitsbehörden schwieriger, neue Varianten zu identifizieren, die sich in den USA ausbreiten könnten", so das Ministerium.

Großbritannien und Deutschland wollen die Situation beobachten, erwägen jedoch keine neuen Beschränkungen für chinesische Reisende, so die "BBC". Doch Italien will obligatorische Covid-19-Tests für alle Passagiere aus China einführen. In einem Flugzeug aus China, der am 26. Dezember auf dem Airport Mailand Malpensa landete, wurde festgestellt, dass 52 Prozent der Passagiere positiv auf Covid getestet wurden. Die Zeitung "La Repubblica" hatte ausgiebig über den Vorfall berichtet.

China hatte mit Beginn der Covid-19-Pandemie Anfang 2020 die Ausstellung von Visa für Ausländer und Reisepässe für die eigene Bevölkerung eingestellt.

Die Nationale Einwanderungsbehörde Chinas führt in einer Mitteilung aus, dass sie am 8. Januar mit der Annahme von Anträgen auf Reisepässe für Touristen ins Ausland beginnen. China werde auch die Aufnahme ausländischer Besucher "allmählich wieder aufnehmen", sagte die Behörde. Es gab keinen Hinweis darauf, wann Touristenankünfte aus dem Ausland wieder aufgenommen werden könnten.


Gesundheitsexperten und Ökonomen erwarten, dass die Kommunistische Partei Chinas die Reisebeschränkungen nach China bis mindestens Mitte 2023 beibehält.

Chinesische Touristen in Europa und Deutschland

Obwohl die überwiegende Mehrheit der chinesischen Touristen im Jahr 2019 im Inland reiste, waren die zweieinhalb Prozent der Touristen, die außerhalb des Landes reisten, keine unbedeutende Menge. Betrachtet man den Anteil der Reisenden, die Ziele außerhalb Chinas besuchen, so ist die Zahl der Auslandsreisen chinesischer Touristen in den vergangenen zehn Jahren stetig gestiegen. Von den fast 170 Mio. Auslandsreisen aus China im Jahr 2019 waren fast alle eher private als geschäftliche Reisen. Auch die chinesischen Touristenausgaben für den internationalen Tourismus sind in den vergangenen zehn Jahren dramatisch gestiegen und erreichten 2018 einen Höchststand von über 277 Mrd. US-Dollar, berichtet Statista.com.

Vor der Pandemie hatte vor allem die europäische Luxusbranche von der Ankunft chinesischer Touristen profitiert, berichtet die "Financial Times". Beim deutschen Incoming-Geschäft spielten chinesische Touristen eine wichtige Rolle.

Die Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT) führte im Sommer 2019 eine Werbekampagne für chinesische Shopping-Touristen durch. "Deutschland ist das beliebteste europäische Reiseziel chinesischer Touristen. Dazu trägt unser sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und das umfangreiche Angebot für Shopping-Reisen bei", erklärte damals Petra Hedorfer, Vorsitzende des Vorstandes der DZT. "Unsere marktspezifischen Kampagnen setzen auf Inspiration, um konsumfreudige Chinesen für weitere Deutschlandreisen zu begeistern. Unser Kooperationspartner Alipay hat bereits Interesse an einer langfristigen Zusammenarbeit und am Aufbau einer Marke 'Germany Shopping Festival' bekundet."


China war vor der Pandemie mit großem Abstand der wichtigste asiatische Quellmarkt für den deutschen Incoming-Tourismus – mit vielversprechenden Perspektiven. 2018 wurden erstmals mehr als drei Mio. Übernachtungen in Deutschland gezählt, für 2030 sieht die DZT ein Potenzial von fünf Mio. Übernachtungen aus China.

Chinesische Touristen gaben vor der Pandemie für ihre Deutschland-Reise laut World Travel Monitor/IPK 2019 im Durchschnitt 3473 Euro pro Reise beziehungsweise 457 Euro pro Nacht aus. Das ergibt einen Gesamtumsatz für die Deutschland-Reisen aus China 2018 von sechs Mrd. Euro. Rund die Hälfte der Gesamtausgaben während ihrer Europa-Reisen verwenden die Chinesen nach Angaben von Travel Easy für Shopping.

So wirbt die DZT für das Reiseland Deutschland 

Aktuell führt die DZT keine spezifische Werbekampagne durch, um Shopping-Touristen aus China anzuziehen. Stattdessen engagiert sich die DZT in 25 Märkten mit zahlreichen Marketing- und Vertriebsaktivitäten, die das Thema Nachhaltigkeit in den Vordergrund stellen. Im Fokus der Reiseland Deutschland-Markenkommunikation steht seit 2020 die DZT Feel Good-Kampagne, in der zertifizierte Angebote aus dem Deutschlandtourismus weltweit promoted werden. Auch Kampagnen wie Embrace German Nature oder German Local Culture (Laufzeit: 2021 bis Ende 2022) umfassen immer nachhaltige Themenfelder.

Im Jahr 2023 wird es drei globale Hauptkampagnen geben: 51 Unesco World Heritage Sites – Historic Modern Germany, Embrace German Nature 2023 und Feel Good 2023. Die Kampagne 51 Unesco World Heritage Sites – Historic Modern Germany zielt vor allem auf den Kontrast zwischen historischem Welterbe sowie der Produktvielfalt im urbanen und ländlichen Raum ab, teilte eine Sprecherin der DZT fvw|TravelTalk mit. "Um Gästen aus aller Welt nicht nur einmalige und authentische Erlebnisse in Verbindung eines Stadt- und Naturaufenthaltes, sondern auch nachhaltige Reiseerlebnisse zu bieten, sind viele Angebote im Kontext mit unseren Welterbestätten klimafreundlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Unsere Kampagne ist darauf ausgerichtet, dass Gäste die Angebote so attraktiv finden, dass sie einen längeren Aufenthalt planen – das zahlt wieder auf einen geringeren CO₂-Fußabdruck ein", so die Sprecherin.

Im Mittelpunkt der Kampagne Embrace German Nature 2023 stehen erneut die beeindruckenden Naturlandschaften des Reiselands Deutschland. Nach den erfolgreichen Nachhaltigkeitskampagnen Feel Good 2021 und 2022 wird die DZT auch im Rahmen der Kampagne Feel Good 2023 das Reiseland Deutschland als Destination mit vielfältigen und nachhaltigen Angeboten bewerben. 

 

2 Kommentare Kommentieren

Sie müssen sich einloggen oder registrieren, um kommentieren zu können.

2.
Andreas Schlehuber
Erstellt 2. Januar 2023 19:46 | Permanent-Link

China , als vermeintliches Ursprungsland von Covid, war mit besonders harschen Regeln gegenüber der eigenen Bevölkerung sowie Einreisenden besonders strikt. Warum jetzt Aufweichung für Leute die nachweislich aus Infektiuonszonen kommen ?

1.
Wolfram Schneppe
Erstellt 29. Dezember 2022 10:46 | Permanent-Link

In Deutschland - sorry - lernt man nichts dazu und duckt sich vor den 10, 20% "freiheitlich Unbelehrbaren" weg, um das einmal provokativ darzustellen. Und in 8 Wochen könnte das Gejammere dann wieder groß sein... Das verstehe wer will - es ist so einfach: Testen, Maske auf! Guten Rutsch allerseits!



stats