Blockchain-Start-up

Verkaufschancen per Visitor App und Wallet-Marketing

So sieht die Homepage der Blockchain-basierten Marketing- und Vertriebsplattform Visitor App aus. Für Reisende gibt es zudem eine entsprechende App für Smartphones mit iOS- oder Android-Betriebssystem.
FVW Medien/Screenshot
So sieht die Homepage der Blockchain-basierten Marketing- und Vertriebsplattform Visitor App aus. Für Reisende gibt es zudem eine entsprechende App für Smartphones mit iOS- oder Android-Betriebssystem.

Das Software-Haus IT-Kompass baut eine touristische Marketing-Plattform auf Blockchain-Basis. Die Ziele: Alle Anbieter einer Destination zu vernetzen und deren Produkte für Besucher und Einheimische überregional buchbar zu machen.

Einen Fuß in der Touristik hatte die familiengeführte Carl Stahl Gruppe, ein Hidden Champion für Seil-, Hebe- und Sicherheitstechnik aus dem Landkreis Göppingen, bislang nicht. Doch das soll sich ändern: Das ausgegründete IT-Systemhaus der Gruppe, die IT-Kompass GmbH, entwickelt mit dem Produkt Visitor App eine touristische Vertriebs- und Marketing-Plattform auf Blockchain-Basis.
„Wallet-Marketing erfordert ein radikales Umdenken – aber wir meinen, es ist die Zukunft.“
Michael Hasler, Chef von Juice und Chief Technology Officer Visitor App

Nutzbar ist bereits eine dezentralisierte Ticketing-Plattform, die auf der Visitor App Chain läuft. Zum Einsatz kommt die Plattform etwa bei Events der Sportmarketing-Agentur Sportfive sowie als regionale Lösung in Städten und Gemeinden im Landkreis Göppingen für Eintrittskarten von Veranstaltungen, Touren und Freizeitaktivitäten.

Die Idee zur Visitor App entstand nicht am IT-Kompass-Sitz im schwäbischen Donsdorf, sondern 2018 in der kroatischen Hafenmetropole Rijeka. Dort ist mit dem IT-Entwickler Juice ein Schwesterunternehmen von IT-Kompass ansässig.

Die Idee zur Visitor App wurde in Rijeka geboren

Juice-Chef Michael Hasler interessierte sich schon früh für die Chancen der Blockchain-Technik, vereinfacht gesagt eine Liste aneinandergereihter Datensätze, die wie ein dezentrales Kassenbuch funktioniert. Mit IT-Kompass-Lenker Stefan Aubele arbeitete er bereits seit Längerem an einer modernen sicheren Ticketing-Lösung.

Mit der Wahl von Rijeka zur europäischen Kulturhauptstadt kam der entscheidende Dreh Richtung Touristik. Die Stadt suchte eine Lösung, die Besucher und Bürger über eine einzige Plattform in die vielfältigen Aktivitäten der Region einbinden sollte.

Dabei sollte es einfach sein, alle Leistungsträger und deren Angebote vom Konzert bis zur Stadtführung darzustellen und auch mobil buchbar zu machen. Vom Listing bis zur Lenkung der Besucherströme wurde von den heutigen Visitor-App-Machern vieles technisch vorbereitet.

"Durch Rijekas Bedarf hatten wir die Idee, dass unser Ticketing-Produkt auch im Tourismusmarkt funktionieren kann", erklärt IT-Experte Hasler.

So funktioniert Wallet-Marketing für Reisende

"Besucher einer Destination wollen sich nicht auf zahllosen Plattformen registrieren", argumentiert Hasler. Deshalb sei es eine Entwicklungschance für Städte und Regionen, eine offene Plattform wie die Visitor App einzusetzen, auf der jeder Anbieter seine Produkte ins digitale Schaufenster stellen und verkaufen könne.

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In der Wallet, dem digitalen Tresor, den jeder Nutzer der App im Hintergrund automatisch erhält, lasse sich dann alles bündeln, was Besucherinnen und Besucher benötigen – neben dem Ticket für einen Konzert-, Museums- oder Schwimmbadbesuch also beispielsweise auch der Fahrschein für den öffentlichen Nahverkehr.

Die pandemiebedingten Lockdowns verzögerten den weiteren Einsatz der App. Erst im Frühjahr 2021 wurde die Internet-Plattform Visitorapp.io gestartet und zusammen mit der App in der Pilotregion Schwäbische Alb rund um Göppingen für Ticketing und Tourismusmarketing erprobt. Zum Einsatz kommt die Lösung in diversen Szenarien, etwa beim Karneval. "Die App ist nun bereit zum internationalen Einsatz", sagt Visitor-App-Produktmanager Stefan Follmer.

Im Fokus stehen zunächst kleine und mittlere Städte

Der Entwicklungsplan steht: Die Ticketing-Lösung soll in ganz Deutschland angeboten werden. Im Fokus stehen zunächst kleine und mittlere Städte mit weniger als 100.000 Einwohnern, die eine vergleichbar ausgefeilte Lösung selbst nicht entwickeln können.

Getestet wird bereits Wallet-Marketing, das 2023 alle Nutzern der Plattform zur Verfügung stehen soll. Für 2025 ist ein über künstliche Intelligenz gesteuertes Empfehlungstool geplant.

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"Wallet-Marketing erfordert ein radikales Umdenken, aber wir meinen, es ist die Zukunft", betont Technikchef Hasler. Die Funktionsweise: Veranstalter sprechen Kunden direkt an, etwa per Push-Mitteilung auf dem Smartphone. Dank der Blockchain bleiben die Nutzer dabei anonym. Über individuelle Wallet-IDs werden dafür Profile ohne personenbezogene Daten angelegt.

Finanzierungsrunde startet im Sommer

Diese Profile lassen sich datenschutzkonform mit anderen Unternehmen und Organisationen teilen. So kann beispielsweise ein Veranstalter von Mountainbike-Touren die Wallet-IDs seiner Teilnehmer an einen Fahrradladen weitergeben, der in deren Wallets Rabattgutscheine für Fahrradbekleidung einstellt.

Wallet-Marketing gehört die Zukunft, diese Einschätzung teilen die Visitor-App-Macher mit Peakwork-Gründer Ralf Usbeck, der mit Chain4Travel gleichfalls eine touristische Blockchain angekündigt hat. Während Chain4Travel auf die klassische Touristik zielt, favorisieren die Macher der Visitor App den regionalen Ansatz und sehen darin eine Chance zur Entwicklung attraktiver Städte und Regionen.

Ende 2022 wollen sie Visitor App als eigene Firma ausgründen. Bislang finanziert sich das Projekt mit aktuell 15 Mitarbeitenden über Mittel der Carl Stahl Gruppe. Im Sommer sollen Gespräche mit Kapitalgebern starten, die die geplante Expansion finanzieren sollen. Ziel ist es, einen einstelligen Millionen-Euro-Betrag einzuwerben.

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