Nach Quartalszahlen

Carnival-Aktie stürzt auf 30-Jahres-Tief

Die Entwicklung der Carnival-Aktie im Verlauf der Jahre.
Nasdaq
Die Entwicklung der Carnival-Aktie im Verlauf der Jahre.

Nach der Veröffentlichung der jüngsten Quartalszahlen ist der Aktienkurs des Konzerns Carnival Corporation auf ein 30-Jahres-Tief abgestürzt. Doch der CEO des Konzerns, Josh Weinstein, bewahrt sich seinen Optimismus.

Die Carnival Corporation verzeichnete im dritten Geschäftsquartal – bis zum 31. August 2022 – einen bereinigten Nettoverlust von 688 Mio. US-Dollar (rund 690 Mio Euro). Das bereinigte Ebitda betrug umgerechnet 300 Mio. US-Dollar, während der Umsatz bei 4,31 Mrd. Dollar lag. Doch früheren Prognosen zufolge wurde ein Umsatz von 4,9 Mrd. Dollar erwartet.

Als Reaktion auf die Quartalszahlen stürzte der Aktienkurs des Unternehmens am vergangenen Freitag im Schlusshandel um über 20 Prozent auf 7,03 Dollar pro Aktie ab und fiel damit auf ein 30-Jahres-Tief.

Am Montag fiel der Aktienkurs des Kreuzfahrt-Marktführers, zu dem auch Aida, Costa, Holland-America Line und Cunard gehören, um weitere 2,6 Prozent, was nicht viel erscheinen mag. Wenn man jedoch bedenkt, dass am selben Tag, der S&P-500-Index, der der wichtigste Index der USA ist, um etwa 2,6 Prozent gestiegen ist, lässt sich erkennen, dass die Aktie unterdurchschnittlich abgeschnitten hat. Somit entwickelt sich die Aktie auffällig schlechter als der Markt.

Carnival erwartet für das vierte Quartal, das am 30. November endet, einen ausgeglichenen bis leicht negativen bereinigten Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen.

Der Reise- und Freizeitanalyst von Similarweb, Jim Corridore, sagte gegenüber dem englischsprachigen Dienst der Nachrichtenagentur Reuters, dass die Abwärtskorrektur zum vierten Quartal mit steigenden Kosten für die Wiederaufnahme des Betriebs, Lieferkettenproblemen und wahrscheinlich höheren Arbeits-, Lebensmittel- und Kraftstoffkosten zusammenhängt.
Die neun Reedereien der Carnival Corporation

Zu Carnival gehören Aida Cruises, Carnival Cruise Line, Cunard, Costa Crociere, Holland America Line, P&O Cruises, P&O Cruises Australia, Princess Cruises und Seabourn Cruises.


Ende August berichtete "Seeking Alpha", dass das Unternehmen trotz steigender Einnahmen an einer "ständigen Verschlechterung" leidee und seine Finanzstruktur nun "nach zwei Jahren mit enormen Verlusten vollständig beeinträchtigt" ist. In dem Bericht wird darauf hingewiesen, dass sich die Schulden von Carnival mehr als verdreifacht haben und es strenge Auflagen gibt, die die Handlungsfähigkeit des Unternehmens einschränken. Nach Informationen von "Cruise Critic" betragen die Verbindlichkeiten 35,1 Mrd. Dollar.

In einem Worst-Case-Szenario hatte der Morgan-Stanley-Analyst Jamie Rollo ausgeführt, dass der Wert der Carnival-Aktie sogar auf Null fallen könnte. Dies wäre beispielsweise im Falle eines Nachfrageschocks möglich, der Reisestornierungen oder schwache Buchungen (und damit Abflüsse von Kundeneinlagen) voraussetzen würde. Das Ergebnis wäre ein Liquiditätsmangel.

CEO Weinstein ist optimistisch und entschlossen

Der neue Carnival-CEO Josh Weinstein gibt sich trotzdem optimistisch. Mit der Beseitigung der Covid-19-Beschränkungen, die eine vollständige Rückkehr der Kreuzfahrt über einen Zeitraum von zwei Jahren verhinderten, glaubt Weinstein, dass das Unternehmen künftig rentabel sein wird. "Seit der Ankündigung der Lockerung unserer Protokolle im letzten Monat haben wir eine deutliche Verbesserung des Buchungsvolumens festgestellt und liegen nun deutlich über dem starken Niveau von 2019", so Weinstein.

Carnival führt in seinem Quartalsbericht aus, dass die kumulierten Vorausbuchungen für das vierte Quartal 2022 unter den historischen Durchschnittswerten liegen und sich im Vergleich zu 2019 auf einem niedrigeren Preisniveau bewegen. Das sei in erster Linie eine Folge der Future Cruise Credit (FCC), die als Guthaben für künftige Kreuzfahrten geführt werden.

Für das Gesamtjahr 2023 liegen die kumulierten Vorausbuchungen Carnival zufolge leicht über ihrem langfristigen Durchschnitt. Das Preisniveau sei deutlich höher als bei den um die FCCs bereinigten Fahrten für das Vor-Corona-Jahr 2019.

Sie müssen sich einloggen oder registrieren, um kommentieren zu können.



stats