Tourismusministerin

Ägypten will 2019 das große Comeback fortsetzen

Tourismusministerin Rania Al-Mashat ist seit gut einem Jahr im Amt. Die promovierte Ökonomin arbeitete zuvor unter anderem bei der Bank of Egypt und beim Internationalen Währungsfonds in Washington.
Marco Limberg
Tourismusministerin Rania Al-Mashat ist seit gut einem Jahr im Amt. Die promovierte Ökonomin arbeitete zuvor unter anderem bei der Bank of Egypt und beim Internationalen Währungsfonds in Washington.

Das Land am Nil will in diesem Jahr erneut ein zweistelliges Plus erreichen. Tourismusministerin Rania Al-Mashat setzt dabei vor allem auf den deutschen Markt.

Ägypten hat ein fulminantes Comeback im Tourismus hingelegt, und so soll es weitergehen. "Im Januar hatten wir aus dem deutschen Markt im Buchungsplus von 15 Prozent und für das Gesamtjahr erwarte ich ein zweistelliges Wachstum", sagte Tourismusministerin Rania Al-Mashat der fvw.

Laut dem fvw Destination Ranking kamen 2018 1,7 Mio. deutsche Besucher, 40 Prozent mehr als im Vorjahr und ein Rekordwert. Damit war das Wachstum größer als aus dem internationalen Markt mit 35 Prozent auf 11,2 Mio. Ankünfte.

Die international erfahrene Ökonomin hat in ihrem ersten Amtsjahr zahlreiche Reformen angestoßen. Das reicht von einer neuen Hotelklassifizierung und der Verbesserung der Ausbildung bis hin zu neuen rechtlichen Rahmenbedinungen. "Wir wollen ein verlässlicher Partner für Investoren sein", sagt Al- Mashat. Viele Hotelgruppen wie die Jaz Hotels oder El-Gouna-Entwickler Orascom planen derzeit neue Projekte. Außerdem führt Ägypten die Flugsubventionen fort und hat eine Regelung bis 2020 aufgelegt. Dies soll die Planungssicherheit bei Veranstaltern und Ferienfliegern erhöhen.

Die Ministerin will durch eine Steuerung der Subventionen auch erreichen, dass das ganze Land mehr vom Tourismus profitiert. FTI hat die Nordküste neu aufgenommen, wenn auch nur mit Linienflügen. Ganz im Süden eröffnet der Flughafen Berenice neu. Neben dem Badeurlaubern kehren die Besucher an den Nil zurück. Für Kairo erwartet die Ministerin ab Ende 2020 einen großen Schub, denn dann eröffnet das neue Ägyptische Museum bei den Pyramiden. Direkt daneben gibt es den neuen Sphinx-Airport, der Kurztrips vom Roten Meer beflügeln soll.

Neben Kulturinteressierten sind junge Urlauber eine Zielgruppe, die die Ministerin stärker ansprechen will. Mit der Marketing-Agentur Beautiful Destinations startet eine Zusammenarbeit, die vor allem Content für soziale Medien erstellen soll. Offen ist derzeit allerdings noch, wie es mit dem Marketing im Berliner Büro weitergeht. Dessen Leitung ist seit dem vergangenen Sommer unbesetzt. Es werde eine Neubesetzung geben, doch dies sei Teil einer größer angelegten Neuausrichtung im Marketing, lässt sich die Ministerin zu diesem Thema nur entlocken.

Nach wie vor keine direkten russischen Charterflüge

Während der deutsche Markt einen weiteren Rekord erreichen könnte, gibt es weiter keine britischen Charterflüge nach Sharm El Sheikh und keine direkten russischen Charter ans Rote Meer. „Wir haben alle Sicherheitsstandards erfüllt und sind offen für die Rückkehr des Geschäfts“, sagt die Ministerin. Und fügt vielsagend hinzu, dass die britische Premierministerin Theresa May schließlich kürzlich Sharm El Sheikh beim Gipfeltreffen der EU mit der Arabischen Liga besucht habe. Einige russische Veranstalter behelfen sich inzwischen selbst und fliegen mit Umsteigeverbindungen ab Antalya mit türkischen Airlines wieder nach Sharm und Hurghada.

Die derzeitige Lage sei aber auch eine Chance gewesen, die Quellmärkte zu diversifizieren. "Wir haben es auch ohne die Restriktionen geschafft, mehr Urlauber als vor der Revolution in Ägypten zu begrüßen", sagt Al-Mashat.

Für Ägypten ist Tourismus ein zentraler Wirtschaftsfaktor. Rund drei Millionen Arbeitsplätze hängen davon ab. "Zudem kommen auf jeden Arbeitsplatz noch drei indirekt Beschäftigte, etwa in der Bauwirtschaft, bei Flughäfen, Behörden oder im Handel", erläutert die Minsterin. "Mein Ziel ist dass in jeder ägyptischen Familie jemand lebt, der im Tourismus arbeitet", sagt sie.

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