Landraub

Ist Tourismus keine unschuldige Branche?

Wo Touristen im Urlaub ihren Spaß haben, wurden zuvor vielleicht heimische Anwohner verdrängt, so mahnt Brot für die Welt.
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Wo Touristen im Urlaub ihren Spaß haben, wurden zuvor vielleicht heimische Anwohner verdrängt, so mahnt Brot für die Welt.

Mit deutlichen Worten weist Brot für die Welt anlässlich der ITB auf verheerende Folgen hin, die touristische Entwicklung nach sich ziehen kann. Tourismus solle nicht länger als "unschuldige Dienstleistungsbranche" betrachtet werden, sondern als Risikosektor.

"In der globalen Debatte um Landraub spielt der Tourismus bisher kaum eine Rolle." Mit diesen Worten beginnt Laura Jäger, Tourismusexpertin von Brot für die Welt, ihre Brandrede über die Rechte von Menschen, die in Regionen leben, die touristisch erschlossen werden. "Für die Menschen macht es keinen Unterschied, ob sie für Tourismus oder für den Rohstoffabbau von ihrem Land vertrieben werden. Es ist deshalb höchste Zeit, den Tourismus nicht länger als unschuldige Dienstleistungsbranche zu betrachten, denn sein Land- und Ressourcen-Verbrauch ist enorm", so Jäger.


Ganze Dörfer müssten dem Bau von Flughäfen weichen. Fischerfamilien verlören den Zugang zum Strand, weil dort Hotels gebaut werden, und steigende Mieten verdrängten Bewohnerinnen und Bewohner aus beliebten Urlaubsorten, zählt Jäger auf. "Landraub und Verdrängung durch Tourismus sind keine Einzelfälle, sondern ein ständiges Risiko der Tourismusentwicklung", sagt sie. Das bestätige auch eine aktuelle Untersuchung von Brot für die Welt, die 25 Fälle in Entwicklungs- und Schwellenländern beleuchtet.

Die Studie zeige auch, dass es Politik und Wirtschaft an klaren Richtlinien und langfristigen Strategien der nachhaltigen Tourismus-Entwicklung zum Wohle aller mangele. "Das Land der Menschen dient zumeist nur als Kulisse für das Urlaubsvergnügen. Ein grundlegender Paradigmenwandel im Tourismus ist notwendig", so die Expertin. Nur wenn Tourismus zur nachhaltigen Entwicklung beitrage und die Lebenssituation der Menschen verbessere, "wird er zum viel gepriesenen Entwicklungsmotor".

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