Wegen hoher Temperaturen

Brände in Griechenland und der Türkei wüten weiter

Dichter Rauch, starker Wind und immer wieder neue Brandherde in Griechenland und der Türkei: Obwohl die Menschen kämpfen, lassen sich die Flammen nicht in den Griff kriegen. Stattdessen wird die Lage vielerorts sogar schlimmer.

Bei den verheerenden Waldbränden in Griechenland und der Türkei spitzt sich die Lage zu – vor allem in der Nähe von Athen. Starke Westwinde fachten die zahlreichen Feuer am Freitag erneut an.

In der Türkei sind mindestens schon acht Menschen ums Leben gekommen, darunter ein deutsch-türkisches Ehepaar. Dort waren am Freitag zwölf von ursprünglich mehr als 200 Bränden noch nicht unter Kontrolle. Die Küstenregionen Antalya, Marmaris und Milas sind besonders betroffen. Vor allem in Milas in der westtürkischen Provinz Mugla ist die Lage ernst. Dort wurden 19 Wohnviertel evakuiert, die Flammen rücken unvermindert vor. Eine Wetterbesserung oder gar Regen sind nicht in Sicht.

Wegen der unkontrollierten Waldbrände fiel in der griechischen Hauptstadt zunehmend der Strom aus. Der staatliche Netzbetreiber kündigte am Freitagmittag an, einzelne Athener Stadtteile vorübergehend und planmäßig vom Netz zu nehmen, um die Versorgung insgesamt aufrecht erhalten zu können. Der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis schwor die Bürger auf harte Tage ein.

Der griechische Zivilschutz-Chef Nikos Chardalias informierte über Dutzende aktive Brände im ganzen Land. Nördlich von Athen breitete sich das Feuer in Richtung der Gemeinde Marathon aus, die Evakuierung von weiteren 13 Siedlungen laufe. Selbst Dutzende Kilometer von den Bränden entfernt sahen die Menschen gewaltige gelbe Rauchwolken am Himmel, es roch verbrannt, Asche regnete vom Himmel. Viele Menschen litten an Atemwegsbeschwerden, sagte der Gesundheitsminister Wassilis Kikilias am Freitag im griechischen Staatsfernsehen.

Vor Gefahren wegen der Luftverschmutzung warnte die Chefin der Pneumologischen Klinik des Athener Krankenhauses Sotiria, Nina Gaga. "Gehen Sie nicht aus dem Haus", warnte sie. Normale Schutzmasken gegen Corona hülfen nicht. Wer ausgehe, müsse sich mit einer Maske vom Typ P95 und höher schützen, sagte die Ärztin.

Auch auf der Insel Euböa und auf dem Peloponnes wüten die Feuer teils unkontrolliert. Am Morgen sei es zunächst nur darum gegangen, die Ausbreitung der Brände zu verhindern, berichtete die griechische Nachrichtenagentur ANA. Von einer Kontrolle der Flammen könne angesichts der starken Winde vorerst keine Rede sein.

Regierungschef Mitsotakis warnte am Donnerstagabend vor einem «noch nie da gewesenen Zustand, weil die vergangenen Tage der Hitze und Trockenheit das Land in ein Pulverfass verwandelt haben». Bis mindestens Montag ist es untersagt, Wälder zu besuchen. Auch sind Arbeiten verboten, die Funken oder Flammen erzeugen könnten.

In der Türkei wurden nach offiziellen Angaben seit Beginn der Brände vor etwa zehn Tagen mehr als 36.000 Menschen aus 12.000 Häusern in Sicherheit gebracht. In Antalya flaute der Wind unterdessen ab, und die Behörden hofften, die im Bezirk Manavgat lodernden Brände bald unter Kontrolle zu bringen.

Die Zerstörungen in der Türkei sind schon jetzt immens. Schätzungen zufolge fielen mindestens 1000 Quadratkilometer Wald und Felder den Flammen zum Opfer – eine Fläche etwa doppelt so groß wie der Bodensee.

Deutschland hat bisher keine Hilfe in die von Waldbränden gebeutelten Länder geschickt – aktuell wird aber geprüft, ob ein Bundesland Einsatzkräfte der Feuerwehr nach Griechenland entsenden kann. Seit Beginn der Waldbrände in Südeuropa haben nach Angaben des Bundesinnenministeriums Griechenland, Albanien, Italien, Nordmazedonien und die Türkei über das EU-Verfahren zur Hilfe im Katastrophenschutz Unterstützung angefragt. Die Bundesregierung sei zudem direkt um Hilfe gebeten worden.

"Die genannten Staaten haben überwiegend um Unterstützung durch Löschflugzeuge gebeten, über die Deutschland nicht verfügt", teilte ein Sprecher des Ministeriums mit. Bisher können zur Brandbekämpfung aus der Luft in Deutschland Hubschrauber von Polizei und Bundeswehr eingesetzt werden, wobei die Hubschrauber der Polizei zum Teil nur eine relativ geringe Menge Wasser transportieren können.

Gesteuert wird die Unterstützung über die EU in Brüssel. Das Zentrum für die Koordination von Notfallmaßnahmen der EU arbeitet in diesen Tagen auf Hochtouren. Nach Angaben aus Brüssel vom Freitag waren in Griechenland zuletzt Löschflugzeuge aus Zypern, Schweden, Frankreich, Kroatien und Rumänien im Einsatz. Zudem unterstützen mehr als 200 von EU-Staaten gestellte Feuerwehrleute und Rettungskräfte die griechischen Einsatzkräfte. In der Türkei helfen drei Flugzeuge aus Kroatien und Spanien sowie ein Hubschrauber aus Polen bei der Brandbekämpfung.

"Das rund um die Uhr besetzte Zentrum für die Koordination von Notfallmaßnahmen steht in ständigem Kontakt mit den Katastrophenschutzbehörden der von den Bränden betroffenen Länder, um die Lage genau zu überwachen und die EU-Hilfe zielgerichtet zu verteilen", heißt es aus der EU-Kommission. Bei der Koordinierung der Notfalldienste kämen auch Satellitenbilder des europäischen Copernicus-Dienstes zum Einsatz. Neben der Türkei und Griechenland werden derzeit auch Italien, Nordmazedonien und Albanien von der EU bei der Bekämpfung verheerender Brände unterstützt.

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