Wegen Corona

Nordkorea riegelt Großstadt ab

Nordkorea räumt den ersten Corona-Fall ein.
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Nordkorea räumt den ersten Corona-Fall ein.

Offiziell war das abgeschottete Land bislang coronafrei. Nun soll ein "Überläufer" das Virus nach Nordkorea gebracht haben. Die Grenzstadt Kaesong wurde abgeriegelt.

Den Aussagen der regierenden Kommunistischen Partei zufolge gab es das neuartige Coronavirus in Nordkorea bisher nicht, obwohl es sich in den angrenzenden Staaten China, Russland und Südkorea ausgebreitet hat.

Erstmals räumte nun Staatschef Kim Jong-Un ein, dass sich sein Land im "maximalen Alarmzustand" befinde. Die Großstadt Kaesong an der Grenze zu Südkorea, in der 200.000 Menschen leben sollen, sei abgesperrt worden, heißt es. Kaesong ist für seine Sonderwirtschaftszone bekannt, in der vor allem klein- und mittelständische Unternehmen aus Südkorea billig produzieren.

Der Machtapparat beschuldigt einen "Überläufer" aus Südkorea, das Virus ins Land geschleppt zu haben. Er habe die scharf bewachte Grenze "illegal überquert", hieß es in der Sitzung des Politbüros. Die Grenze ist mit Minenfeldern gespickt. Südkorea konnte bisherigen Feststellungen zufolge allerdings keinen Überlaufer feststellen.

Ein Abstrich auf Corona soll ergeben haben, dass der Mann erkrankt sei. Es drohe möglicherweise eine "tödliche und zerstörerische Katastrophe", warnte Kim. Nordkorea verfügt den Angaben der Weltgesundheitsorganisation zufolge über kein funktionierendes Gesundheitssystem.

Beobachter bezweifeln allerdings, dass das Land bisher – wie es selbst behauptet – coronafrei gewesen sein soll. Die 1400 Kilometer lange Grenze zu China wird zwar ebenfalls streng bewacht, gilt jedoch als stellenweise durchlässig.

So gelangen immer wieder chinesische Waren schwarz nach Nordkorea. Dass ein angeblicher "Überlaufer" aus dem demokratischen Südkorea nun erst das Virus eingeschleppt haben soll, halten Beobachter daher für Propaganda, die zeigen soll, dass alles Schlechte aus dem verfeindeten Nachbarstaat kommt.
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