Voice4Africa

Afrika-Initiative fordert entschärfte Reiseregeln

Social Distancing ist auf Safaris im afrikanischen Busch eher nicht das Problem.
South African Tourism
Social Distancing ist auf Safaris im afrikanischen Busch eher nicht das Problem.

Die neuen Reisewarnungen für das südliche Afrika stürzen die dortige Tourismusbranche erneut in eine tiefe Krise. Die Initiative Voice4Africa fordert schnellstens eine Neubewertung und vor allem ein Ende der Quarantäneregeln. Vorbild ist das Vorgehen der Schweiz.

Seit die Bundesregierung vor gut drei Wochen zahlreiche Länder im südlichen Afrika aufgrund des Auftauchens der neuen Omikron-Mutante zum Virusvariantengebiet erklärt hat und vor Reisen dorthin warnt, ist das Reisegeschäft in der Region weitgehend zusammengebrochen. Für die Veranstalter von Afrika-Reisen, insbesondere aber für die die Anbieter in Ländern wie Südafrika und Namibia eine Katastrophe, zumal sich die Branche erst langsam wieder von den Einbußen der vergangenen eineinhalb Jahren zu erholen begann.

"Es geht um Existenzen", betonte Matthias Lemcke, Deutschland-Chef des Namibia Tourism Board (NTB) bei einer virtuellen Gesprächsrunde der Initiative Voice4Africa. Aktuell gebe es wieder viele Stornierungen und das gerade in Namibia wichtige Geschäft um den Jahreswechsel herum, drohe vielfach wegzufallen.

Wie stark die Nachfrage leidet, zeigt sich am Beispiel von Diamir Erlebnisreisen. Bei dem Dresdener Veranstalter, der gerade auch im Afrika-Geschäft stark ist, hagelt es Absagen. Zwar würden ein Viertel bis ein Drittel der Kunden ihre Reisen trotz Reisewarnung und Quarantäneanordnung antreten, so Geschäftsführer Jörg Ehrlich, die Mehrheit jedoch würde eben nicht reisen.

Die Voice4Africa-Mitglieder machen sich daher für ein Ende der Einstufung von Südafrika & Co als Virusvariantengebiet stark. Denn die damit verbundene zweiwöchige Quarantäne für die Reiserückkehrer sei das Problem, so Hanna Kleber von der Agentur KPRN, die die Initiative angeschoben hat. Angesichts der im Vergleich zu Deutschland niedrigeren Inzidenzen in den Zielgebieten und den dortigen ausgezeichneten Hygienemaßnahmen im Tourismussektor, sollte ein PCR-Test bei der Rückreise eigentlich ausreichen.

Auch NTB-Vertreter Lemcke forderte eine Herabstufung der Länder im südlichen Afrika durch das Robert-Koch-Institut und das Auswärtige Amt. Die Verhältnismäßigkeit der Maßnahme sei nicht mehr gegeben, zumal die Omikron-Variante längst auch in Deutschland und anderen Ländern aufgetaucht sei. Vorbild für ihn ist die Schweiz: Dort wurde nach ersten Berichten über die neue Corona-Variante zwar auch eine Quarantäne für Reiserückkehrer aus Südafrika eingeführt, mittlerweile wurden die Einreiseregeln jedoch wieder entschärft. So gilt jetzt nur noch eine verschärfte Testpflicht: Reiserückkehrer müssen bei der Einreise in die Schweiz einen PCR-Test vorweisen. Zudem muss ein zweiter Test, PCR- oder Antigenschnelltest, zwischen dem vierten und dem siebten Tag nach der Einreise gemacht werden.

Wichtig bei dem Einsatz für das südliche Afrika sei jedoch eine ehrliche Kommunikation, mahnte Günter Ihlau, ehemaliger Krisenmanager der TUI an. "Man darf nicht abwiegeln", betonte Ihlau. Wichtig sei eine klare und strukturierte Kommunikation. Ausdauer ist dabei in jedem Fall gefragt, schließlich gilt es auch gegen manche, insbesondere Boulevard-Medien anzukommen, die einfach "Lust an der Krise" zeigten.

Marcel Klinge, bis September FDP-Bundestagsmitglied und Mitgründer der Union der Wirtschaft, empfahl der Afrika-Initiative, das direkt Gespräch mit der Politik, aber auch der Verwaltung zu suchen. Dabei hat er nicht allein die Mitglieder des Tourismus-Ausschusses des Parlaments im Blick. Auch Wirtschafts- und Entwicklungshilfepolitiker sollten kontaktiert werden.

Das alles allerdings kostet Zeit, Zeit, die gerade die Tourismusbranche in Afrika immer weniger hat.





3 Kommentare Kommentieren

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1.
Andrea Ludwig
Erstellt 14. Dezember 2021 09:52 | Permanent-Link

Aus eigener Erfahrung (= morgen endet meine 14 Tägige Quarantäne!) möchte ich gerne zu diesem Bericht ergänzend mitteilen: das Gesundheitsamt hat sich nicht einmal in den 14 Tagen bei mir gemeldet. Es gab lediglich eine Email bei Ankunft in Frankfurt. Unsere Politiker, das RKI und wer auch immer für diese Entscheidungen zuständige Personen sollten sich BITTE DIE ZEIT NEHMEN und die Reisebedingungen für das südliche Afrika entschärfen.
Einen PCR Test - egal aus welchem Land der Reisende zurück kehrt - halte ich sowieso für wichtig!

Frank Schulz
Erstellt 14. Dezember 2021 11:10 | Permanent-Link

@Andrea Ludwig: Die Schweizer Lösung ist aus meiner Sicht das wirklich beste Instrument: keine Langzeit-Quarantäne und bei Einreise und danach jeweils einen verläßlichen Test (bei Ungeimpften soundso, aber auch bei 2-fach-Geimpften)

Andrea Ludwig
Erstellt 14. Dezember 2021 11:21 | Permanent-Link

@Frank Schulz: Danke! Da bin ich ganz Ihrer Meinung.

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