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Niagarafällen soll das Wasser abgedreht werden

Die Niagara Falls sind ein beliebtes Touristenziel.
NTCC
Die Niagara Falls sind ein beliebtes Touristenziel.

Die Niagarafälle gehören zu den größten Wasserfällen weltweit. Wegen veralteter Brücken sollen Baufahrzeuge anrücken und die Falls teils trockenlegen. Dem Tourismus drohen Einbußen – doch die Stadt preist das Vorhaben als einmalig.

2,6 Millionen Liter pro Sekunde. Die Wassermassen, die täglich über die Abbruchkante der Niagarafälle stürzen, sind gewaltig. Entsprechend groß sind auch die Massen an Touristen, die in die kanadisch-amerikanische Grenzstadt strömen. Zwölf Millionen sind es jährlich, schon lang zählen die Niagara Falls zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten in Nordamerika. Doch wenn alles nach Plan läuft, könnte dem Naturspektakel wegen Bauarbeiten in ein paar Jahren der Wasserhahn abgedreht werden.

Grund für das großangelegte Bauvorhaben: Schönheitskorrekturen. Die Fußgängerbrücken, die Besucher zur Insel Goat Island führen, seien „ästhetisch unattraktiv“, heißt es im Projektbericht der zuständigen Parkbehörde im Staat New York. Außerdem versperrten sie den Blick auf die Strömung. Mehr noch: Diese sogenannten Mabey Bridges waren nur gebaut worden, weil die 115 Jahre alten, längst verfallenen Brücken geschlossen werden mussten. Ihre Zementbögen bröckeln heute dahin. Doch kann eine Baufirma mehrere Brücken einreißen und neu bauen, wenn darunter eine reißende Strömung fließt und kurz darauf in die Tiefe donnert? Der Fluss soll trockengelegt werden.

Zwar wären nur die bis zu 30 Meter hohen American Falls auf US-Seite betroffen – einer der insgesamt drei Wasserfälle also, aus denen die Niagarafälle bestehen. Über die bekannteren, 57 Meter hohen Horseshoe Falls auf kanadischer Seite, die wegen ihrer Krümmung nach einem Hufeisen benannt sind, würde das Wasser weiter und dann sogar noch kräftiger strömen. Andrea Czopp spricht trotzdem von einer Gelegenheit, die für viele Touristen nur einmal im Leben käme.

Von den benötigten 26 Mio. Dollar (23 Mio. Euro) sei aber noch kein Geld gesichert, sagt die Sprecherin der Tourismusbehörde. Allein die Finanzierung werde vier bis fünf Jahre dauern, bevor mit Planung und Bau weitere zwei bis drei Jahre verstrichen. Sorgen, dass Touristen ausbleiben, dass Hotelbetten und Restaurants leer bleiben könnten, wischt sie beiseite. Entscheidend sei der Spin, das richtige Marketing. „Wir glauben, dass es eine sehr positive Sache wird“, sagt Czopp. Es wäre nicht das erste Mal. 1969 leiteten Bauingenieure der US-Armee das Wasser der American Falls um und studierten über fünf Monate die Folgen der Bodenerosion.

Schon damals habe das Projekt eine Menge Aufmerksamkeit erzeugt, samt Besuch des Gouverneurs von New York. Auch mit Bulldozern und Muldenkippern ist der Bau des sogenannten Kofferdamms an einer solchen Strömung kein Leichtes. Am oberen Ende der Strömung werden Erdmassen in den Fluss gepresst, nach und nach arbeiten sich die Maschinen zur anderen Uferseite. Der schwierigste Teil kommt zum Schluss. Denn wo eine bis zu 90 Meter breite Strömung auf wenige Meter reduziert und letztlich abgeschnitten wird, entwickelt das Wasser eine umso größere Kraft.

Was das Flussbett dann für Geheimnisse bergen könnte, zeigen Berichte von 1969: Millionen Münzen, die Besucher vermutlich als Glücksbringer in die Strömung geworfen hatten, fanden Bauarbeiter damals und trugen sie mit Eimern ans Ufer. Nach Angaben der ehemaligen Stadthistorikerin Michelle Kratts fanden Arbeiter auch sterbliche Überreste – womöglich von Menschen, die sich das Leben genommen oder waghalsige Stunts gewagt und nicht überlebt hatten. (dpa)

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