Überraschendes Wachstum

Deutsche Wirtschaft trotzt der Energiekrise

Der Konsum in Deutschland – im Bild eine Fußgängerzone in München – stützt das Bruttoinlandsprodukt erheblich.
Imago/aal.photo
Der Konsum in Deutschland – im Bild eine Fußgängerzone in München – stützt das Bruttoinlandsprodukt erheblich.

Die hohe Inflation dämpft die Konsumlaune der Menschen. Stark gestiegene Energiepreise belasten auch Unternehmen. Dennoch wächst die deutsche Wirtschaft im Sommer – anders als erwartet.

Trotz Energiekrise und hoher Inflation ist die deutsche Wirtschaft im dritten Quartal überraschend gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg gegenüber dem Vorquartal um 0,3 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in einer ersten Schätzung mitteilt. Ökonomen hatten angesichts der wirtschaftlichen Folgen des Ukraine-Krieges im Schnitt dagegen mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung gerechnet. Sie erwarten, dass Europas größte Volkswirtschaft in den kommenden Quartalen schrumpft und damit in eine Rezession rutscht.

Nach dem leichten Anstieg im zweiten Quartal um 0,1 Prozent habe sich die deutsche Wirtschaft trotz schwieriger weltwirtschaftlicher Rahmenbedingungen mit anhaltender Corona-Pandemie, gestörten Lieferketten, steigenden Preisen und dem Krieg in der Ukraine behauptet, erläutert die Wiesbadener Behörde. Die Wirtschaftsleistung sei vor allem von den privaten Konsumausgaben getragen worden.

Gegenüber dem Vorjahreszeitraum wuchs das BIP preis- und kalenderbereinigt um 1,2 Prozent. Im Vergleich zum vierten Quartal 2019, dem Zeitraum vor Beginn der Corona-Krise, wurde erstmals das Vorkrisenniveau übertroffen.

Ökonomen gehen davon aus, dass der deutschen Wirtschaft ein harter Winter bevorsteht. Zwar stabilisierte sich die Stimmung der Verbraucher zuletzt etwas. Die Situation bleibt nach Einschätzung der GfK-Konsumforscher aber angespannt. "Solange die Inflation hoch bleibt und Zweifel an einer uneingeschränkten Energieversorgung bestehen, wird sich das Konsumklima nicht spürbar und nachhaltig erholen können", sagte GfK-Konsumexperte Rolf Bürkl.

Die hohen Energiepreise belasten auch viele Unternehmen in Deutschland in wachsendem Maß. Die Stimmung in der Wirtschaft verschlechterte sich im Oktober erneut. Der Ifo-Geschäftsklima-Index fiel zum Vormonat geringfügig um 0,1 Punkte auf 84,3 Punkte. "Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft bleibt düster", kommentierte Ifo-Präsident Clemens Fuest.

Für das Gesamtjahr 2022 sagen Prognosen noch ein Wachstum für die deutsche Wirtschaft voraus. Fürs kommende Jahr insgesamt rechnen Volkswirte mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung. Zwar dürfte der sich abzeichnende Konjunktureinbruch nach Einschätzung etlicher Ökonomen heftiger ausfallen als in vielen anderen Ländern Europas, aber bei weitem nicht so schlimm werden wie im Corona-Krisenjahr 2020. Damals war das Bruttoinlandsprodukt in Europas größter Volkswirtschaft um mehr als vier Prozent geschrumpft.

Die Bundesregierung erwartet für dieses Jahr noch ein Wirtschaftswachstum von 1,4 Prozent, im kommenden Jahr wird mit einem Rückgang um 0,4 Prozent gerechnet. Der Arbeitsmarkt sei aber nach wie vor robust. Die Ampelkoalition will Verbraucher und Unternehmen wegen der hohen Energiepreise mit einem "Abwehrschirm" in Höhe von bis zu 200 Mrd. Euro unterstützen.

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