Türkei

Experten fordern mehr Angebote abseits der Strände

Side in der Region Antalya gehört zu den beliebtesten Urlaubsorten an der Türkischen Riviera. Im Vordergrund: das Amphitheater am Rande der Altstadt.
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Side in der Region Antalya gehört zu den beliebtesten Urlaubsorten an der Türkischen Riviera. Im Vordergrund: das Amphitheater am Rande der Altstadt.

Die Türkei hat eine starke Sommersaison hinter sich – auch dank des deutschen Marktes. Doch Badeurlaub allein reicht künftig nicht mehr, meinen Türkei-Spezialisten.

Die Türkei gehört seit Langem zu den wichtigsten Urlaubszielen der Deutschen. Tourismusminister Mehmet Nuri Ersoy nannte beim fvw|TravelTalk Kongress in Antalya aktuelle Zahlen: Von Januar bis September 2022 haben 4,5 Mio. deutsche Touristen die Türkei besucht.


"Damit befindet sich Deutschland mit einem Anteil von 13,1 Prozent an den gesamten touristischen Ankünften auf dem ersten Platz. Deutsche Reiseveranstalter und Reisebüros spielen eine große Rolle bei der Vermarktung der Destination Türkei", sagte Ersoy.

Im Gesamtjahr werden wie vor Corona mehr als fünf Millionen deutsche Urlauber erwartet – zu höheren Preisen als 2019. Deutschland verdankt den Spitzenplatz allerdings auch der Tatsache, dass aus dem bisher größten Quellmarkt Russland deutlich weniger Gäste kommen. Experten gehen von drei bis vier Millionen Russen in diesem Jahr aus – vor dem Einmarsch in die Ukraine wurden noch doppelt so viele erwartet.
Tourismusminister Mehmet Nuri Ersoy sprach auf dem fvw|TravelTalk Kongress in Antalya. Hier begrüßt ihn Ingo Becker, Geschäftsführer von FVW Medien. Links Chefredakteur Klaus Hildebrandt, rechts DRV-Präsident Norbert Fiebig.
Christian Wyrwa
Tourismusminister Mehmet Nuri Ersoy sprach auf dem fvw|TravelTalk Kongress in Antalya. Hier begrüßt ihn Ingo Becker, Geschäftsführer von FVW Medien. Links Chefredakteur Klaus Hildebrandt, rechts DRV-Präsident Norbert Fiebig.

Bei den Deutschen rangiert die Region Antalya an der Spitze, wenngleich in diesem Sommer das prozentuale Wachstum nach den Zahlen von Travel Data + Analytics (TDA) an der Ägäis-Küste deutlich höher war.

Bis Ende des Jahres rechnet Erkan Yagcı, Präsident des Hotelverbands der Region Antalya (Aktob), mit drei Millionen deutschen Gästen an der Riviera. "Der deutsche Markt leistet sowohl im Winter als auch im Sommer einen großen Beitrag für den türkischen Tourismus", sagte Yagcı. Viele Hotels werben mit günstigen Preisen um Winterurlauber.

TUI Marktführer vor FTI und DER Touristik

Spannende Zahlen zum deutschen Quellmarkt lieferte TDA-Chef Markus Heller beim Kongress. Aus seinen im Vertrieb erhobenen Daten geht hervor, dass TUI für den Zeitraum Januar bis September 2022 einen 28-prozentigen Marktanteil in der Türkei aufweist, gefolgt von FTI (15 Prozent), DER Touristik (13 Prozent) Alltours (elf Prozent) und Schauinsland-Reisen (zehn Prozent).

Der verbleibende Anteil von 23 Prozent verteilt sich auf alle übrigen Anbieter. Das Spitzentrio kommt somit auf mehr als die Hälfte aller Veranstalter-Buchungen.

Antalya wichtigste Hotelregion

Auch im Vergleich zu anderen Zielen ist die Türkische Riviera laut Heller ein Schwergewicht: Mit einem Anteil von 20 Prozent ist die Destination die Nummer eins der Top-15-Hotelregionen deutscher Reiseveranstalter, vor Mallorca mit 15 Prozent und Kreta mit acht Prozent.

Die Chefs der Veranstalter bestätigten beim Kongress die Wichtigkeit der Türkei für ihr Geschäft. Ingo Burmester, CEO der DER Touristik Zentraleuropa, lobte den Erfolg nach der Pandemie: "Der Sommer hat sehr viel Spaß gemacht. Wir waren noch nie so stark in der Türkei wie im letzten Sommer."

TUI hat nach eigenen Angaben in der Türkei deutlich über den Planungen abgeschlossen. "Der Sommer 2022 verlief insgesamt sehr gut. Das macht uns zuversichtlich", sagte Stefan Baumert, Chef von TUI Deutschland. Das Fazit von Ralph Schiller, CEO der FTI Group: "Wir haben uns in Griechenland gut entwickelt und unsere Position in der Türkei stabil halten können."

Viel Potenzial im Bereich Kulturtourismus

Bislang dominiert im Türkei-Geschäft der Badeurlaub. Doch seit einigen Jahren gibt es verstärkt Bemühungen, das Land touristisch wieder breiter aufzustellen. Viel Potenzial sieht man etwa im Thermal- und Gesundheitstourismus, bei Aktivurlaub von Wandern bis Mountainbiking sowie bei Kulturreisen.
Diskutierten über die Türkei-Potenziale: Altan Tarakci (Öger Tours), Reisebüro-Inhaber Önder Sancarbarlaz und Bentour-Chef Deniz Ugur mit Moderator Klaus Hildebrandt (fvw|TravelTalk).
Christian Wyrwa
Diskutierten über die Türkei-Potenziale: Altan Tarakci (Öger Tours), Reisebüro-Inhaber Önder Sancarbarlaz und Bentour-Chef Deniz Ugur mit Moderator Klaus Hildebrandt (fvw|TravelTalk).

Der Osnabrücker Reisebüro-Inhaber Önder Sancarbarlaz, der sich in der Arbeitsgruppe Kulturtourismus des Deutschen Reiseverbands (DRV) engagiert, betonte, dass die Türkei noch sehr viel Potenzial besitze, um ihre Angebote im Bereich des Kulturtourismus zu erweitern. Ein Problem aus seiner Sicht ist, dass in diesem Bereich teilweise immer wieder dieselben Ausflugs- und Rundreiseangebote vorzufinden seien.

Die Generation Z zurückholen

Hier gelte es, neue und innovative Reisepakete zu schnüren – auch mit Blick auf junge Kunden: "Wir müssen zusehen, dass wir die Generation Z durch interessante Pakete zurückholen", sagte Sancarbarlaz. Er appellierte an die Veranstalter, mehr Fam Trips im Bereich Kulturtourismus aufzulegen.

"Für Reiseverkäuferinnen und Reiseverkäufer ist es zwar interessant, sich 30 Hotels anzuschauen. Doch wir müssen sie für den Kulturtourismus begeistern. Wir müssen dafür sorgen, dass die Urlauber aus den Hotels rauskommen", forderte Sancarbarlaz.
Erkan Yagci, Präsident des Hotelverbands der Region Antalya, war einer der Speaker beim fvw|TravelTalk Kongress.
Christian Wyrwa
Erkan Yagci, Präsident des Hotelverbands der Region Antalya, war einer der Speaker beim fvw|TravelTalk Kongress.

Deniz Ugur, Chef des Türkei-Spezialisten Bentour Reisen, hob die Vielfalt des Landes hervor. "Wir haben mehr als nur Sun and Beach. Bei uns etwa gibt es einen extra Magalog 'Türkei erleben'." Ugur verwies auf viele Kulturschätze im Landesinneren. Als Beispiel nannte der Touristiker Göbekli Tepe, einen prähistorischen Fundort 15 Kilometer nordöstlich der südostanatolischen Stadt Sanliurfa.

Saison durch neue Themen verlängern

Durch Kultur- und Aktivurlaub lasse sich die Saison verlängern. "Wir haben das Sommergeschäft. Doch wir brauchen auch im Winter Themen, die darüber hinausgehen", sagte Ugur.

Mehr als Badeurlaub bietet seit jeher Spezialist Öger Tours. Produktchef Altan Tarakci verwies auf Kombinationen mit Kappadokien. Und auch Städtereisen nach Istanbul seien in diesem Sommer so stark gefragt gewesen wie vor Corona. Nun hoffen die Touristiker, dass der touristische Aufschwung für die Metropole am Bosporus durch den Anschlag in der Fußgängerzone am 13. November nicht gestoppt wird.

FVW Traveltalk Kongress 2022

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