Tourismus-Boom erwartet

Kroatien ist jetzt Euro- und Schengenland

Die Stadt Dubrovnik ist ein beliebtes Reiseziel.
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Die Stadt Dubrovnik ist ein beliebtes Reiseziel.

Mehr als drei Millionen Deutsche verbrachten im vorigen Jahr ihren Urlaub in Kroatien. Mit der Euro-Einführung und dem Schengen-Beitritt zum Jahreswechsel wird nun einiges leichter. Die Urlaubsbuchungen für die Destination Kroatien könnten einen Boom erleben.

Zum Jahreswechsel hat das EU-Land Kroatien den Euro anstelle der Landeswährung Kuna eingeführt. Zugleich trat das beliebte Urlaubsland an der Adria der grenzkontrollfreien Schengen-Zone bei. Für Millionen Touristen aus Deutschland bedeutet das eine doppelte Erleichterung: Sie müssen kein Geld mehr tauschen, ersparen sich Wechselkursverluste – und ihr Reiseziel erreichen sie nun ohne die früher oft stundenlangen Wartezeiten an den slowenisch-kroatischen Grenzübergängen.

Um Punkt Mitternacht stellten die Grenzbeamten an den Übergängen nach Slowenien und Ungarn die Kontrolle des Reiseverkehrs ein. Beide Nachbarländer gehören schon seit 2007 zur Schengen-Zone. Innenminister Davor Bozinovic und die slowenische Ministerin für öffentliche Verwaltung, Sanja Ajanovic Hovnik, beobachteten am Grenzübergang Bregana um Mitternacht die Beendigung der Grenzkontrollen.

Vor allem die Fremdenverkehrsbranche in Kroatien hat hohe Erwartungen. Das Land mit der langen Adriaküste und den vielen malerischen Buchten und Inseln lebt stark vom Tourismus. 16 Mio. ausländische Urlauber, darunter 3,4 Mio. Deutsche, weist die Statistik für die ersten elf Monate 2022 aus. Im Rekordjahr 2019, dem letzten Jahr vor Beginn der Corona-Pandemie, waren es 17,3 Mio. gewesen, davon 2,9 Mio. Deutsche.

Beliebt ist das Urlaubsland auch bei Österreichern, Slowenen und Polen (jeweils mehr als eine Million Reisende 2022) sowie Touristen aus Italien, Tschechien und Großbritannien (jeweils mehr als 700.000 Reisende). Die Regierung in Zagreb erwartet in der Sommersaison einen Tourismus-Boom.

Euro und Kuna bis zum 14. Januar parallel

Zuletzt hatte Litauen 2015 die Gemeinschaftswährung eingeführt, Kroatien ist das 20. Euro-Land. Der Euro löst die Landeswährung Kuna ab, die seit 1994 im Umlauf war. Die ehemalige jugoslawische Teilrepublik war 1991 unabhängig geworden, 2013 trat Kroatien dann der EU bei. Für die Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung musste das Land eine Reihe von Bedingungen erfüllen.

Der Wechselkurs ist festgelegt: ein Euro entspricht 7,5345 Kuna. Bis zum 14. Januar besteht eine Übergangsfrist, in der noch in beiden Währungen bezahlt werden kann. Kuna aus dem letzten Urlaub können bis Ende 2023 bei Banken in Kroatien gebührenfrei umgetauscht werden – bis zu jeweils 100 Münzen und Scheinen pro Transaktion.

Der Euro-Beitritt Kroatiens treibt die Produktion von Münzen im gemeinsamen Währungsraum in die Höhe. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den 19 Euro-Staaten sowie Kroatien für 2023 die Herstellung von Geldstücken im Gesamtvolumen von fast 2,6 Mrd. Euro genehmigt. Kroatien plant demnach die Prägung von Euro-Münzen im Gesamtumfang von rund 316 Mio. Euro.

Stabilitätsanker für die Wirtschaft

Was Urlauber mit dem Wegfall der Wechselgebühren gewinnen, verlieren Kroatiens Banken. Die Gewinneinbußen dürften nach Expertenschätzung rund 1,4 Mrd. Kuna (185 Mio. Euro) ausmachen, etwa 20 Prozent des vom Sektor erwirtschafteten Gewinns. Mittel- und langfristig überwiegen aus Sicht von Ökonomen aber Vorteile. 

Die Teilhabe am Euro bedeute mehr Widerstandskraft gegen äußere Schockwirkungen und besseren Zugang zu Finanzmärkten. Das Währungsrisiko für Kreditgeber reduziere sich, Kroatien komme an günstiger verzinste Darlehen.

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