Einreisen

Was der PCR-Test-Mangel für Urlauber bedeutet

Auch Geimpfte benötigen für Einreisen in bestimmte Länder einen PCR-Test. Diese gelten als verlässlicher als Antigen-Schnelltests.
Imago Imges / Elbner
Auch Geimpfte benötigen für Einreisen in bestimmte Länder einen PCR-Test. Diese gelten als verlässlicher als Antigen-Schnelltests.

Die verlässlichen PCR-Tests soll es in Zukunft möglicherweise nur noch für bestimmte Gruppen gehen. Doch was machen Reisende, wenn sie einen solchen Test für die Einreise benötigen?

Die Omikron-Welle erfasst inzwischen auch Deutschland – mit mittlerweile mehr als 164.000 Neuinfektionen am Tag. Im Nachbarland Frankreich sind es sogar schon über 500.000 tägliche Ansteckungen.

Mögliche Folgen für Reisende

Folge: Das Laborpersonal, welches die PCR-Tests auswertet, kommt seiner Arbeit nicht mehr hinterher. Als Gegenmaßnahme wollen Bund und Länder PCR-Tests daher gezielter einsetzen. Das heißt: Getestet werden soll damit nur noch, wer älter ist, wer als Risikopatient gilt oder im Gesundheitswesen arbeitet. Umgesetzt ist das allerdings noch nicht. Bislang wurden in Deutschland alle positiven Ergebnisse eines Antigen-Schnelltests durch einen PCR-Test überprüft.

Sollten die PCR-Tests tatsächlich nicht mehr allen zur Verfügung stehen, könnte dies im Umkehrschluss bedeuten, dass Urlauber oder Geschäftsreisende ihn ebenfalls nicht mehr in Anspruch nehmen können, jedenfalls nicht in den öffentlichen Teststellen. Zumindest bestimmte Reiseziele würden damit ausscheiden: Bulgarien, Dänemark und Österreich etwa verlangen selbst von Geimpften, zusätzlich einen negativen PCR-Test vorzulegen.

"Die Reisewirtschaft muss durch die Pandemie schon sehr viele Einschränkungen verkraften. Die Politik muss deshalb dafür Sorge tragen, dass mangelnde PCR-Testkapazitäten nicht zu einem weiteren Reisehindernis werden", reagiert der Deutsche Reiseverband (DRV) auf die Pläne zu einer möglichen Priorisierung. Der Wunsch zu reisen, werde nach Omikron weiter wachsen. "Da dürfen PCR-Test-Engpässe nicht zu einer Wachstumsbremse für Reisebüros und Reiseveranstalter werden."

Zwar sei in den meisten Ländern Europas die Einreise für Geimpfte oder Genesene inzwischen auch ohne Test oder mit einem einfachen Antigen-Schnelltest möglich. "Aber insbesondere für zahlreiche Länder zum Beispiel in Afrika, Asien oder der Karibik ist ein PCR-Test für die Einreise notwendig", erklärt der DRV. "Das bedeutet, dass Reisende sich frühzeitig um einen Termin in einem privaten Testzentrum bemühen müssen, damit sie die für die Reise notwendigen Unterlagen vorweisen können." 

Der ASR fordert indes, dass auch die Urlaubsreisenden in die Liste der priorisierten gesellschaftlichen Gruppen aufgenommen werden, für die ein PCR-Test zur Verfügung stehen soll. "Der Urlauber hat seine Reise im Vertrauen darauf gebucht, dass er den für die Einreise benötigten negativen PCR-Test rechtzeitig vor Reisebeginn buchen kann und das Ergebnis fristgerecht vorliegen hat", sagt ASR-Vizepräsidentin Anke Budde. "Dies war Teil der Urlaubsentscheidung."

Auf Flughafen-Labore ausweichen

Grundsätzlich würde die Priorisierungsstrategie bei PCR-Tests nur für die kassenärztlichen Testzentren gelten – nicht aber für die privaten beispielsweise an den Flughäfen. Auf Nummer sicher gehen daher Reisende, die sich dort für einen vor Ort ausgewerteten PCR-Expresstest entscheiden. Dessen Ergebnis steht meist nach ein bis zwei Stunden fest. Mit um die 150 Euro ist dieser allerdings nicht gerade billig. Wobei Reisende aber auch bislang schon kein Recht auf einen kostenfreien PCR-Test haben.

Durch die Expresstests in privaten Laboren entstünden jedoch höhere Kosten, "was sich gerade bei Familien massiv auf das Urlaubsbudget auswirkt", sagt Winfried Schulze, der im ASR-Präsidium für die Reiseveranstalter und Reisebüros zuständig ist.

Zwar sind an Flughäfen und bei anderen Privatanbietern auch einfache und deutlich kostengünstigere PCR-Tests für Nicht-Priorisierte möglich, doch die werden zur Auswertung in aller Regel an die normalen Labore verschickt, die angesichts der hohen Nachfrage für die Auswertung derzeit länger brauchen. Der Tipp, sich frühzeitig um einen Termin zu bemühen, bringt aber nicht in jedem Fall weiter. Denn wertet das Labor den Test doch sehr schnell aus, könnte es sein, dass die maximal 72 Stunden überschritten sind, die ein PCR-Test bei Einreise höchstens alt sein darf.

Ausweg: Test über Veranstalter

Hinzu kommt jedoch, dass Reiseveranstalter teilweise schon vor über einem Jahr mit Testanbietern beziehungsweise Laboren Partnerschaften geschmiedet haben. Bei der DER Touristik und den DER Reisebüros nimmt das Thema sogar eine größere Dimension ein: Alle 500 Büros verkaufen die Tests an Interessierte. Auch können sich Kunden, die Reisen von Dertour, ITS, Jahn Reisen, Meiers Weltreisen und Travelix gebucht haben, einen PCR-Test nach Hause ordern, wenn ihr gebuchtes Reiseziel bei Einreise den Nachweis eines negativen Testergebnisses erfordert.

Klappt es mit dem PCR-Test dennoch nicht, bleibe "nur die kurzfristige Stornierung der Urlaubsreise, wobei sich dann die Frage stellt, wer die Kosten dafür trägt", sagt Schulze. So gebe es bereits Anfragen von Kunden für die Finanzierung der privaten PCR-Tests durch die Reisebüros und Reiseveranstalter.

Die Reiseveranstalter geben sich einer Umfrage des "Redaktionsnetzwerks Deutschland" kulant, was eine Änderung der Buchung angeht. In Fällen, in denen der vorgeschriebene PCR-Test nicht beigebracht werden kann, sei man um Umbuchungen bemüht, teilte etwa DER Touristik mit. FTI mache auch Stornierungen "im Rahmen unserer AGB" möglich.
14 Kommentare Kommentieren

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5.
Ingo Simandi
Erstellt 31. Januar 2022 13:22 | Permanent-Link

Ja, wir leben vom Reisen, das in den Urlaub fahren und Abschalten. Die Diskussion ist äußerst interessant, wird aber in dieser Art nichts bringen, leider. Alle bisher geschmiedeten Pläne werden verschoben oder erstmal aufs Eis gelegt. Da es sich um ein Virus handelt, werden wir mit diesem zu Leben lernen, einige Länder machen es uns vor.
Was mich aber erheblich mehr erschreckt, sind die Ereignisse im Osten Europas und die damit einhergehende Nachrichtensprache. Ich höre zur Zeit auf allen Kanälen und in fast allen Medien immer öfter das Wort Krieg. Das ist erschreckend, denn sollte hier etwas passieren, dann ist es mit der nächsten Saison vorbei und ob das dann überlebt werden kann ist fraglich, ich glaube nicht, dass in so einem Fall der Staat hilft. Aber hier hört man keine mahnenden Worte, egal von wem in der Reisebranche, diese Branche lebt vom Frieden.

4.
Yvonne Lehné
Erstellt 27. Januar 2022 12:24 | Permanent-Link

DIE Frage der Testkapazitäten stellte sich mir sofort, als diese unsägliche Diskussion losging. Bald ist März/April und das gesegnete Frühjahr winkt, wo doch alles besser oder sogar vorbei sein soll. Also der Bedarf an PCR-Tests dann auch wieder dramatisch sinken müsste, bis es soweit ist, dauert es dann wahrscheinlich auch mit der Proririsierung der Tests, dass heisst, passig zum Sommer erleben wir dann die Konsequenzen von Omikron, gut für die nächste Welle.
Doch hierzu bitte mal die letzte Sendung von Lanz mit Streek sehen, sehr, sehr spannend. Streek:"...aber wollen wir das?" Der PCR Test ertestet nämlich wohl jedes Bisschen, was noch da ist, auch wenn die Ansteckungsgefahr nicht oder nicht mehr da ist. Der Schnelltest soll, laut Streek, da für das Ansteckungsmoment, das viel genauere Instrument sein. "... wollen wir das" ist eine sehr gute Frage, wollen wir in einer Gesellschaft leben, die jedes"bisschen" Virus im PCR Testnachweis bewirkt, dass man solange in Quarantäne ist, bis dann endlich negativ erscheint? Das ist die Frage von Herrn Streek, darüber sollte man mal ernsthaft nachdenken, als Politik.

Jan Lehmann
Erstellt 27. Januar 2022 12:52 | Permanent-Link

@Yvonne Lehné: Alle, nicht nur die Politik, sollten langsam darüber nachdenken, ob ein klein wenig Hysterie und ein klein wenig mehr gesunder Menschenverstand nicht langsam mal angebracht wäre. Wollen wir dauerhaft in einer Gesellschaft leben, die sich von einer – relativ (!) harmlos gewordenen – Krankheit so einengen und spalten lässt. Einige Länder, wie Dänemark, fangen gottseidank an, das genau so zu sehen.
Hoffen wir, dass allmählich mehr Entscheider den Mut finden, solche destruktiven Worte wie Priorisierung, Triage oder Impfpflicht nicht mehr in den Mund zu nehmen.

Yvonne Lehné
Erstellt 27. Januar 2022 13:15 | Permanent-Link

@Jan Lehmann: Eine geänderte Teststrategie würde schon reichen.
Harmlos leider immer noch nicht, tatsächlich sind in unserem Krankenhaus vor Ort soviele Krankmeldung von tatsächlich erkranktem Personal, dass wir hier alle OP Programme, Dienstpläne usw. ständig anpassen müssen, aber es fallen natürlich auch die aus, bei denen Erstkontakte positiv sind und die sich mit einem PCR Test haben testen lassen, auch positiv, obwohl kein Kranheitsgeschehen, das heisst, hier heraus zu finden, ob die ansteckend sind, ist laut Herrn Streek nur mit dem Antigenschnelltest möglich, der das Geschehen viel differenzierter darstellt. Also, wie gesagt, wenn ich das richtig verstanden habe. fahren wir gerade eine völlig falsche Teststrategie, weltweit. Eigentlich müsste über eine höhere Testung der Antigenschnelltests entschieden werden und die sollten dann auch da und machbar sein.

3.
Jan Lehmann
Erstellt 27. Januar 2022 10:44 | Permanent-Link

Ich sehe das wie Herr Pundt: Ein Tourismusverband muss die Interessen der Touristik vertreten. Und die sind nun mal in erster Linie, ein sicheres, ungehindertes Reisen zu ermöglichen. Mögen die Argumente noch so schwach, die Erfolgsaussichten noch so gering sein – ein klarer Standpunkt für seine Interessen in dieser Sache sollte schon zum Ausdruck gebracht werden. Natürlich sieht das jeder aus seiner Richtung, aber es ist legitim, über die Priorisierung zu diskutieren. Leider ist es auch für unsere Branche typisch, daß sofort wieder BRANCHENINTERN darüber diskutiert wird und die – zugegeben vergleichsweise nicht sehr erfolgversprechenden – Argumente gleich wieder niedergemacht werden, ohne auch nur einen plausiblen Gegenvorschlag zu bringen.
Ich denke allerdings auch, daß sich dieses Thema schnell wieder erledigt hat - die Testkapazitäten werden gegenwärtig immens hochgefahren.

2.
Bettina Knisel
Erstellt 26. Januar 2022 16:56 | Permanent-Link
bearbeitet

oje, ernsthaft Herr Pundt..., mit welcher Begründung sollen Reisende priorisiert werden? Urlaub ist ein reines Freizeitvergnügen! Es gibt genügend Urlaubsregionen, wo man als dreifach geimpfter keinen PCR-Test braucht. Und es ist richtig, dass für die PCR-Tests bei Knappheit die Personen bevorzugt werden, die in den dem entsprechenden, relevanten Berufen wie Medizin, Pflege, als Lehrer und Polizei, Feuerwehr usw. arbeiten oder Risikopatienten sind.

Martin Pundt
Erstellt 26. Januar 2022 19:47 | Permanent-Link

@Bettina Knisel: Natürlich ist Urlaub Vergnügen - davon leben wir. Zu der Frage, wer zu priorisieren ist, kann man verschiedene Positionen haben. Ich habe da eben eine andere.

Stefan Horner
Erstellt 27. Januar 2022 15:51 | Permanent-Link

@Martin Pundt: Ja genau – dann lassen wir am Besten die PCR-Tests für akut Erkrankte und sogenannte systemrelevante Gruppen zugunsten der Urlauber sein. So kommen wir am Besten aus der Krise – Was brauchen wir schon Feuerwehr, Polizei, Krankenhauspersonal etc?

Lidwien Kuiphuis
Erstellt 31. Januar 2022 08:32 | Permanent-Link

@Martin Pundt: nicht nur wir leben davon. Was denken Sie von den Menschen vor Ort zum Beispiel in Uganda, Sri Lanka, Kolumbien! Und da gibt es keine Ü3 oder Ü4 usw. Das finde finde ich am schlimmsten.

Martin Pundt
Erstellt 31. Januar 2022 13:40 | Permanent-Link

@Lidwien Kuiphuis: Völlig richtig! Und vom PCR-Testmangel bis zu den Schwellenländern ist das dann doch thematisch ein recht weiter Bogen ... Man kann ja nicht immer in jedem Kommentar auf alle Herausforderungen hinweisen ... Aber zum Beispiel der asr hat völlig zurecht und immer wieder mahnend darauf verwiesen, welche katastrophalen Auswirkungen die Pandemie auf die wirtschaftliche und politische Stabilität in den Schwellen- und Entwicklungsländern hat.

1.
Martin Pundt
Erstellt 26. Januar 2022 16:29 | Permanent-Link

Oh je, wie mutlos ist doch wieder mal unsere Branche! Da wird über die Bekämpfung von Symptomen geredet (wo kriegt man jetzt teure Tests oder kostenfreie Umbuchungen her?), statt über die Ursachen.
Wo bleibt denn bitte die Forderung der touristischen Verbände, Urlaubsreisende bei den Testkapazitäten höher zu priorisieren als alle anderen Gruppen?
Ernsthaft? Ernsthaft!
Wer drei Wochen im Ausland Urlaub macht, kann in dieser Zeit absolut niemanden in Deutschland infizieren und beansprucht vor allem in dieser Zeit keinerlei weitere Testkapazitäten (anders als Nicht-Urlaubsreisende, die z.B. die Pflicht-Testkapazitäten der Arbeitgeber und der öffentlichen Hand mehrmals wöchentlich, teils sogar täglich nutzen und auslasten).
Zudem laufen Reisende bei den allermeisten Urlaubsformen deutlich weniger Gefahr, sich zu infizieren als daheim im Großraumbüro, in der U-Bahn etc. Hat das RKI ja schon 2020 nachgewiesen.
Stattdessen wird als Reaktion ausgewichen auf erwartbare Allgemeinplätze ("dürfen Engpässe nicht zur Wachstumsbremse werden") oder man äußert sich (noch) gar nicht dazu. Sorry, liebe Tourismus-Verbände: Das ist mir als Unternehmer zu wenig, da erwarte ich den lauten Aufschrei.

Michael Bringemeier
Erstellt 26. Januar 2022 17:02 | Permanent-Link

@Martin Pundt: ,Wer drei Wochen im Ausland Urlaub macht, kann in dieser Zeit absolut niemanden in Deutschland infizieren...'. Ja, klingt logisch, bzw. eher tautologisch.
Aber ist DAS Ihr Argument???

Martin Pundt
Erstellt 26. Januar 2022 19:46 | Permanent-Link

@Michael Bringemeier: Neben den anderen o.a. Argumenten: ja. Es geht der Politik darum, die (zu) knappen Testkapazitäten sinnvoll einzusetzen - da hilft Urlaub! Mathematisch ganz einfach...

Stefan Horner
Erstellt 27. Januar 2022 13:30 | Permanent-Link
bearbeitet

@Martin Pundt: Diese "Argumentation" hilft – aber nicht der Tourismus-/Reisebranche. Sie verweist darauf, dass das Reisen ein Pandemietreiber ist: ich reise mit einer ansteckenden Erkrankung ins Ausland, um in Deutschland niemanden zu infizieren. 1.) Ich infiziere Menschen im Ausland, wenn ich bereits infiziert bin. 2.) Wenn ich nicht infiziert bin, jemandem nach 1.) im Ausland treffe und dann aus dem Urlaub zurück komme (wandere ja nicht aus), dann bring' ich ein Mitbringsel mit, von dem noch andere zu knabbern haben.
Klar – wenn ich nicht ins Ausland reise, kann ich Menschen in Deutschland infizieren, nur stellt sich dann die Frage nach der Gefahr (Verbreitungsgrad, Inzidenzen, Virusvarianten)

Ernsthaft? Ernsthaft!

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