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Aserbaidschan hält sein üppiges Kulturerbe hoch

Der Entwurf des Ismailiyya-Palasts in Baku stammt von dem polnischen Architekten Jozef Plosko.
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Der Entwurf des Ismailiyya-Palasts in Baku stammt von dem polnischen Architekten Jozef Plosko.

Polnische Architektur, deutsche Kolonien und ein rein jüdisches Dorf: Aserbaidschan überrascht mit einem schillernden Kulturerbe. Im Zuge des Ölbooms avancierte Baku Anfang des 20. Jahrhunderts zu einer der reichsten Städte der Welt und zum Magneten für Einwanderer.

Es klingt wie ein Märchen aus 1001 Nacht und soll sich doch genau so zugetragen haben: Auf einer Europareise verguckte sich die Frau des Ölmagnaten Mukhtarov in ein prächtiges Pariser Stadthaus und seufzte: "Wie glücklich die Mieter dieses Gebäudes sein müssen."

Paris lässt grüßen: Den Palast des Glücks baute der Ölbaron Mukhtarov für seine Frau.
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Paris lässt grüßen: Den Palast des Glücks baute der Ölbaron Mukhtarov für seine Frau.

Statt ihr zu antworten ließ Mukhtarov heimlich Pläne des Hauses beschaffen und in seiner Heimatstadt Baku ein ähnliches Gebäude errichten. In nur neun Monaten Bauzeit entstand so der Palast des Glücks. Nach der Fertigstellung 1912 überraschte der Millionär seine geliebte Frau, indem er sie in einer Kutsche vorfuhr und ihr das neue Heim zum Geschenk machte.

Polnische Architekten prägten die Boomtown Baku

Ob die Geschichte wahr ist oder nicht – sie passt in die Zeit des großen Ölbooms, als Baku Anfang des 20. Jahrhunderts zu einer der reichsten Städte der Welt avancierte und zahllose Privatpaläste und öffentliche Prachtbauten aus dem Boden schossen. Entworfen wurden sie häufig von polnischen Architekten, die im Zuge der damaligen Immigrantenströme ins Land gekommen waren. Der erwähnte Palast des Glücks ist ein Entwurf des Architekten Jozef Plosko, der sich mit einer Vielzahl unterschiedlichster Bauten in Baku verewigt hat. Auch die Pläne für den Ismailiyya-Palast im venezianisch-gotischen Stil stammen aus seiner Feder. Das zwischen 1908 und 1913 für den Ölbaron Agha Musa Naghiyev errichtete Gebäude gilt als eines der wichtigsten und imposantesten Architekturdenkmäler von Baku.

Die muslimische Mädchenschule, die der Pole Jozef Goslawski für den Ölbaron Haji Zeynalabdin Taghiyev entwarf, beherbergt heute das Institut für Manuskripte von Aserbaidschan.
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Die muslimische Mädchenschule, die der Pole Jozef Goslawski für den Ölbaron Haji Zeynalabdin Taghiyev entwarf, beherbergt heute das Institut für Manuskripte von Aserbaidschan.

Paläste der Ölbarone von einst sind heute Museen

Nur einen Steinwurf vom Ismailiyya-Palast entfernt hat sich ein anderer bedeutender polnischer Architekt ein Denkmal gesetzt: Anfang des 20. Jahrhundert entwarf hier Jozef Goslawski für den Ölbaron und Philanthropen Haji Zeynalabdin Taghiyev die erste säkulare muslimische Mädchenschule der islamischen Welt – eine echte Herausforderung, denn seinem Zweck gemäß sollte das Bauwerk orientalischen Stil mit Bescheidenheit und Strenge verbinden. Schlichtheit und Harmonie wurden so zu den prägenden Stilprinzipien.

Weniger schlicht als die Mädchenschule geriet das ebenfalls von Goslawski entworfene Privathaus der Familie Taghiyev. Das gewaltige Bauwerk im italienischen Renaissance-Stil nimmt einen ganzen Straßenblock im prestigeträchtigsten Teil des Stadtzentrums von Baku ein. Im Inneren des doppelstöckigen Gebäudes vermischen sich orientalische und westliche Baustile zum Gesamtkunstwerk. Heute beherbergt das Gebäude Aserbaidschans Nationalmuseum für Geschichte. Ein Trakt dient außerdem als Hausmuseum und ermöglicht Besuchern einen Einblick in das Privatleben einer der reichsten und einflussreichsten Persönlichkeiten Bakus jener Zeit.

Palast für die Unterhaltung: Das Staatliche Puppentheater von Jozef Plosko in Baku diente früher als Kino.
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Palast für die Unterhaltung: Das Staatliche Puppentheater von Jozef Plosko in Baku diente früher als Kino.

Wo die Rothschilds ihre Geschäfte machten

Wer Zeit hat, kann in Baku noch viele weitere Perlen polnischer Architektur entdecken, vom neobarocken Staatlichen Puppentheater bis zum modernistisch anmutenden Lukoil-Bürogebäude von 1913, die beide von Jozef Plosko entworfen wurden. Letzteres bot als New Europe Hotel viele Jahrzehnte lang Gästen aus aller Welt feinsten Luxus und modernste Technik, etwa den ersten Fahrstuhl der Stadt.
Sehenswert ist auch das einstige Wohnhaus des Agha Bala Guliyev, das der polnische Architekt Eugeniusz Skibinski 1899 für den reichen Getreidehändler entwarf oder das von Kazimierz Skorewicz konzipierte neugotische Bürogebäude der Rothschilds, heute Residenz der Bakuer Staatsanwaltschaft.

Deutsches Erbe: Vor mehr als 200 Jahren gründeten schwäbische Auswanderer Helenendorf, das heutige Goygol.
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Deutsches Erbe: Vor mehr als 200 Jahren gründeten schwäbische Auswanderer Helenendorf, das heutige Goygol.

Deutsche Kolonien in Annenfeld und Helenendorf

Bakus Architektur der Jahrhundertwende war jedoch kein rein polnisches Phänomen. Auch deutsche Architekten prägten das Stadtbild mit. Bedeutendstes Beispiel deutscher Architektur in Baku ist die im neugotischen Stil erbaute Erlöserkirche. Das 1899 eingeweihte Gotteshaus war einst Hauptkirche einer größeren deutschen Gemeinde, die Ende des 19. Jahrhunderts in Baku bestand.

Wein & Bier nach deutschem Rezept
Haupteinnahmequelle der schwäbischen Siedler von Helenendorf und Annenfeld war der Weinanbau. Wein und Spirituosen aus den deutschen Kolonien wurden einst im gesamten russischen Reich verkauft. In Goygol ist heute noch die historische Weinkellerei in Betrieb. Und im Excelsior-Hotel von Shamkir wird wie anno dazumal Bier nach deutschem Rezept gebraut und ausgeschenkt.

Bereits 1819 hatten schwäbische Auswanderer mit Helenendorf (heute Goygol) und Annenfeld (heute Shamkir) zwei deutsche Kolonien in Aserbaidschan gegründet. In Helenendorf sind noch mehr als 300 der originalen Siedlungshäuser erhalten, und auch Shamkir mit seinen langen, geraden Straßen, gut erhaltenen Häusern, Plätzen und Kirchen hat sich sein historisch-deutsches Flair bewahrt.

Jüdische Siedlung mit jahrhundertealter Geschichte

Noch weiter zurück in die Geschichte reicht das jüdische Kulturerbe Aserbaidschans. An der Kreuzung von Kulturen und Kontinenten gelegen, beherbergte das Land seit jeher eine Vielzahl von Stämmen und Völkern, darunter auch große jüdische Gemeinden. Eine der interessantesten jüdischen Stätten im Land ist Girmizi Gasaba (Rote Siedlung) in der Stadt Guba.

Große Tradition: Die Synagoge in Girmizi Gasaba (Rote Siedlung), der einzigen rein jüdischen Siedlung außerhalb Israels und der Vereinigten Staaten.
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Große Tradition: Die Synagoge in Girmizi Gasaba (Rote Siedlung), der einzigen rein jüdischen Siedlung außerhalb Israels und der Vereinigten Staaten.

Das rund 3000 Einwohner zählende Girmizi Gasaba gilt als einzige rein jüdische Siedlung außerhalb Israels und der Vereinigten Staaten. Ihre Bewohner sind Bergjuden, deren Vorfahren seit Jahrhunderten in der Region Guba leben und bis heute ihre eigene Kultur und besondere Juhuri-Sprache pflegen. Der Name des Dorfes leitet sich von den charakteristischen roten Ziegeln und Fliesen her, die zum Bau der historischen Häuser und prächtigen Villen verwendet wurden. 2019 wurde im Ort ein Museum eröffnet, das Besuchern mit modernster Technik die digitale Reise in die jüdische Kultur in Aserbaidschan ermöglicht.

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