Saisonstart verschoben

Freizeitparks bleibt nur Warten

In Schieflage: Deutschlands Freizeitparks, hier der Wasserpark Rulantica des Europa-Parks.
Europa-Park/Mack
In Schieflage: Deutschlands Freizeitparks, hier der Wasserpark Rulantica des Europa-Parks.

Wegen der Corona-Pandemie bleiben die Freizeitparks in Deutschland geschlossen – vorerst bis zum 20. April. Ob die Behörden bis dahin den Saisonstart erlauben, ist fraglich.

Eine schlechte Konjunktur und Schmuddelwetter – das waren bislang die Achillesfersen der Freizeitparks. Dann kam das Coronavirus.

Weltweit stehen in fast allen Freizeitparks die Achterbahnen still. In einigen ganzjährig geöffneten Parks wie etwa den Disneylands in Hongkong und Schanghai tun sie das schon seit Ende Januar. Mitte März hatte Disney noch mitgeteilt, zumindest die Parks in Florida, Kalifornien und Paris zum Ende des Monats wieder öffnen zu wollen. Vor wenigen Tagen kam dann die Nachricht, dass die Parks bis auf Weiteres geschlossen bleiben.


So weit ist man in Deutschland noch nicht.

Noch vor wenigen Wochen wollten die Freizeitparks pünktlich Ende März oder Anfang April die Tore wieder öffnen. Man hatte sich für das wichtige Ostergeschäft nach der Winterpause herausgeputzt und stand – trotz Corona – in den Startlöchern.

Dafür wurden die Hygienestandards erhöht. Im Europa-Park bedeutete dies zum Beispiel: überdurchschnittliche Säuberung sensibler Bereiche mit geeigneten Reinigungsmitteln, regelmäßige Schulung der Mitarbeiter, Desinfektionsstationen an neuralgischen Punkten und hauseigene Sanitätsstation mit Rettungsleitstelle. Und der niederländische Park Efteling "entwickelt aktuell Lösungen für verschiedenste Szenarien. Natürlich stehen wir dabei in engem Kontakt mit Behörden und Fachleuten."

Neuheiten 2020: Action, Abenteuer, Traumwelten


Bund und Länder schließen Freizeitparks

Nach und nach gaben die Parks dann ab Mitte März die Verschiebung des Saisonstarts bekannt. "Schweren Herzens und mit vollstem Verständnis für die aktuelle Lage blicken wir auf die notwendig gewordene Verschiebung des Saisonstarts", sagte etwa Bazil El Atassi, Geschäftsführer von Belantis.

Durch die von Bund und Ländern am 16. März beschlossenen Schutzmaßnahmen hätten die Freizeitanlagen ohnehin nicht mehr öffnen können. Für sie bleibt bis dahin nur: abwarten, wie sich die Coronavirus-Krise in Deutschland entwickelt.

Die Freizeitpark-Branche ist ein Schwergewicht
Laut der International Association of Amusement Parks and Attractions (IAAPA) stellt die Branche mehr als 50.000 Arbeitsplätze in Europa und verkauft dort pro Jahr mehr als 150 Mio. Tickets.
Kleine Parks trifft das Öffnungsverbot hart. Um den Einnahmeverlust aufzufangen, hat zum Beispiel das Ravensburger Spieleland alle für das laufende Jahr geplanten Ruhetage gestrichen sowie die Saison – in Hoffnung auf einen sonnigen Herbst – bis zum 4. November verlängert.

Aber auch der Marktführer in Deutschland, der Europa-Park, sieht „sich in unvorhersehbarer Geschwindigkeit mit dieser Krise konfrontiert“, sagt Engelbert Gabriel, Sprecher der Geschäftsleitung. Erst vor Kurzem hatte die Inhaberfamilie Mack rund 200 Mio. Euro in einen neuen Wasserpark und ein neues Themenhotel investiert. Jetzt sah man sich – wie einige andere Parks inzwischen auch – gezwungen, Kurzarbeit für die Mitarbeiter anzumelden.

Für den niederländischen Märchenpark Efteling sind die Auswirkungen "sowohl emotional als auch finanziell", sagt Parksprecherin Karin Koppelmans. "Seit 2010 haben wir das ganze Jahr über geöffnet – mit dem Ziel, an keinem einzigen Tag mehr zu schließen. Leider ist das nun doch der Fall. Das stimmt uns, unsere Mitarbeiter und Gäste traurig. Doch die Sicherheit der Mitarbeiter und Gäste hat höchste Priorität."

Saisonstart: Im Raum steht der 20. April

In Deutschland gilt der Erlass der Bundesregierung zum Schutz des öffentlichen Lebens vorerst bis zum 19. April. Auf vielen Websites der Park-Betreiber wird der Zeitraum ab den 20. April darum als vorläufiger Starttermin angegeben. "Ob dieser Termin noch haltbar sein wird, hängt von der weiteren Entwicklung der Gesamtsituation ab", sagt Europa-Park-Sprecher Gabriel. "Die Entscheidung obliegt alleine dem Land beziehungsweise dem Bund."

Trotz Corona: Parks in China und Japan wieder geöffnet

Einige Freizeitparks in Japan und China empfangen – unter Einhaltung strikter Hygienemaßnahmen – wieder Gäste. Im Disneyland Shanghai etwa haben der Shopping District, das Hotel und der Naturpark geöffnet, der Themenpark bleibt geschlossen. Im Legoland Japan in Nagoya sind nur Freiluftattraktionen geöffnet. Alle Mitarbeiter müssen Atemschutzmasken tragen, und Gäste werden am Eingang auf Fieber getestet.

Bleibt fraglich, ob die Krisenzeit für die Betreiber mit der Eröffnung der Parks endet. Laut einer Umfrage von Freizeitparkdeals.de Mitte März planten 94 Prozent der Nutzer trotz des Coronavirus mindestens einen Freizeitparkbesuch für 2020, und nur 16 Prozent der Umfrageteilnehmer hatten Angst vor einer Infektion.

Allerdings stuften rund ein Drittel einen Besuch generell als potenzielles Risiko an. Und 88 Prozent der Befragten gingen davon aus, dass die Besucherzahlen in den Freizeitparks wegen der Corona-Krise sinken würden.

"Abhängig von den dann geltenden gesetzlichen Bestimmungen wird man sich aber über diese Themen Gedanken machen müssen", sagt Europa-Park-Sprecher Gabriel. "Einschränkungen – in welcher Art auch immer – sind aber sicherlich denkbar."

Klar ist auch: Familien, die einen Kurzurlaub im Freizeitpark verbringen wollten, werden Zeit brauchen, ihre lange im Voraus geplanten Trips neu zu organisieren und umzubuchen. Und wie viele Familien nach Ende der Krise sich die teuren Tickets in Kombination mit einem Hotelaufenthalt überhaupt noch leisten können oder wollen, bleibt abzuwarten. Viele Parks haben inzwischen ihre Umbuchungs- und Stornobedingungen angepasst.

Efteling-Sprecherin Karin Koppelmans ist zuversichtlich: "Seit gut 70 Jahren ermöglichen wir es Besuchern, in eine andere Welt einzutauchen und die Alltagssorgen zu vergessen. Genau danach werden sich viele auch nach der Corona-Krise sehnen."

Kommentare

Sie müssen sich einloggen oder registrieren, um kommentieren zu können.

Mehr zum Thema
stats