Namensstreit auf Sylt

Hotel darf nicht wie Kirche heißen

Das idyllisch gelegene Severin*s Resort und Spa muss sich einen neuen Namen suchen.
Landhaus Severins
Das idyllisch gelegene Severin*s Resort und Spa muss sich einen neuen Namen suchen.

Schlappe für ein Sylter Luxushotel: Das Resort darf seinen Namen nicht mehr nutzen. Geklagt hatte eine benachbarte Kirchengemeinde.

Weil eine Kirche auf Sylt schon nach dem heiligen Severin von Köln benannt ist, darf ein benachbartes Fünf-Sterne-Hotel nicht den gleichen Namen tragen. Das stelle eine „unbefugte Namensanmaßung“ dar, entschied das Oberlandesgericht Schleswig, wie eine Sprecherin mitteilte.

Geklagt hatte die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde St. Severin, deren Ursprünge mindestens bis ins Jahr 1240 reichen. Sie hatte sich darüber beschwert, dass das Severin*s Resort und Spa – in eigener Schreibweise mit Sternchen – mit dem Namen beworben wird. Durch die Verwendung des gleichen Namens trete eine „Zuordnungsverwirrung“ ein, urteilten die Richter. Es könne der Eindruck entstehen, dass Kirche und Hotel miteinander in Beziehung stehen. Schließlich lägen beide in Keitum – und nur ein paar Schritte voneinander entfernt.

„Auch die rein religiösen Feierlichkeiten wie Taufe, Konfirmation, Trauung oder Beerdigung sind in einen weltlichen Rahmen eingebettet“, argumentierten die Richter in dem Berufungsverfahren und hoben eine Entscheidung des Landgerichts Flensburg auf. So seien sie fast immer mit einer Feier mit Essen und Trinken verbunden, die häufig in einer Gaststätte wie dem Severins stattfindet.

Durch den Namen werde das Interesse der Kirchengemeinde verletzt, neutral zu erscheinen, entschied das Gericht. Im Internet dagegen darf das Hotel weiterhin als Severins-sylt.de werben, da sich die Gemeinde etwa noch eine Adresse mit den Bestandteilen Severin und Sylt registrieren lassen könne – ohne Sternchen und Genitiv-S.

Eigentlich sei es unüblich, dass Kirchengemeinden vor Gericht ziehen, sagte Susanne Zingel, Pastorin der Sylter Gemeinde der „Sylter Rundschau“. Als das Hotel im Jahr 2014 errichtet wurde, bat die Kirchengemeinde den Investor, die Bremer Atlantic Gruppe, um ein Gespräch. Der lehnte jedoch mit der Begründung ab, es gebe keinen Grund noch einmal über den Namen nachzudenken. „Wir wollten geklärt wissen, ob man sich so eines Namens bemächtigen und ihn für kommerzielle Zwecke nutzen darf“, so die Pastorin. (dpa/HD)

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