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„Billy Elliot“ erstmals in Deutschland

Billy Elliot will lieber tanzen als boxen.
Alastair Muir
Billy Elliot will lieber tanzen als boxen.

Ob in London, Sydney oder New York – das anrührende Musical „Billy Elliot begeisterte Millionen. Nun hebt sich erstmals in Deutschland der Vorhang für den kleinen Balletttänzer, nachdem es jahrelang nicht geklappt hatte – aus Kinderschutzgründen.

In einer armen britischen Bergbaustadt in den 1980er Jahren träumt der kleine Billy Elliot davon, Balletttänzer zu werden. Sein Vater, ein einfacher Minenarbeiter, schickt ihn lieber zum Boxen. Gegen alle Widerstände schafft der Junge seinen Weg zur Royal Ballet School nach London. Schon im Jahr 2000 rührte diese Geschichte als Kinostreifen Millionen Menschen zu Tränen. Auch Popstar Elton John.

Er schlug Filmregisseur Stephen Daldry vor, daraus ein Musical zu machen. In zahlreichen Ländern war das Stück ein Hit, bekam mehr als 80 Auszeichnungen. Am 28. Juni kommt die englischsprachigeOriginalproduktion als Gastspiel für vier Wochen nach Hamburg ins Mehr Theater am Großmarkt.

Bereits 2005 feierte das Musical in London Uraufführung. Warum dauerte es so lange, bis es auch in Deutschland zu sehen ist? „Es gab viele Jahre den anstrengenden Versuch, es nach Deutschland zu bekommen in einer deutschen Version“, sagt Maik Klokow, Geschäftsführer von Mehr Entertainment. Doch eine ganzjährige Produktion sei wegen des Kinder- und Jugendarbeitsschutzgesetzes schwierig. „Man kam eigentlich immer wieder zu dem Punkt, dass eine deutsche Aufführung fast unmöglich ist, denn man bräuchte ungefähr 15 Billy Elliots in der Hauptrolle, weil die immer nur 30 Tage spielen dürfen.“

So viele Jungen zu finden, die die riesigen Ansprüche dieser Rolle erfüllten, sei in Deutschland schwer, betont Klokow. Das Kind müsse singen, schauspielern und sehr gut Ballett tanzen können. Zudem ist Billy nicht die einzige zu besetzende Kinderrolle. Mehr Entertainment entschied sich schließlich, die Originalversion für vier Wochen in die Hansestadt einzuladen. Vier Jungen zwischen 12 und 14 Jahren spielen abwechselnd die Billy-Rolle, insgesamt sind 23 Kinderdarsteller Teil der Produktion. Sie sind in Hotels untergebracht, werden betreut und bekommen auch während der Gastspiel-Zeit Schulunterricht.

Keine Kopie der Leinwand-Vorlage

Es ist nach Angaben der Veranstalter die größte Produktion, die bisher am Hamburger Standort von Mehr Entertainment zu sehen war. „23 Trucks kommen aus England“, berichtet Klokow. Das Musical will keine Kopie der Leinwand-Vorlage sein, weicht deshalb in einigen Punkten ab. „Es muss einen Mehrwert haben, es auf die Bühne zu bringen“, sagt der Geschäftsführer. Sonst könne man auch einfach den Film schauen.

Die deutsche Übersetzung der englischen Texte wird in Hamburg auf Monitoren eingeblendet. „Das Schauspiel und der Tanz sind aber so eindeutig und universell, dass man eigentlich keine Sprache braucht, um das zu verstehen, erklärt Klokow. Er betont, „Billy Elliot“ sei kein Kindermusical. „Es ist eine Aufführung für Erwachsene oder Familien mit Kindern ab acht Jahren.“

Der britische Import mit vielen humorvollen Momenten ist bis zum 23. Juli zu sehen. Das Mehr Theater bietet für dieses Stück 1750 Sitzplätze. Der Vorverkauf läuft so gut, dass es laut Geschäftsführung nur noch Restkarten gibt. Eine Tour durch Deutschland werde es nicht geben, es sei erst einmal als einmaliges Gastspiel geplant, sagt Klokow. „Aber das heißt ja nicht, dass wir es nicht noch mal zurückbringen können.“ (dpa)

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