Kehrtwende von Lauterbach

Minister will doch keine freiwillige Corona-Isolation

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) will nun doch an einer angeordneten Isolation von Corona-Erkrankten festhalten. Bei der Quarantäne von Kontaktpersonen solle die Freiwilligkeit hingegen kommen.
BMG/Thomas Ecke
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) will nun doch an einer angeordneten Isolation von Corona-Erkrankten festhalten. Bei der Quarantäne von Kontaktpersonen solle die Freiwilligkeit hingegen kommen.

Nach heftiger Kritik kassiert Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach seinen Vorstoß: Die Isolation von Corona-Infizierten soll auch künftig angeordnet werden und nicht freiwillig erfolgen.

"Die Beendigung der Anordnung der Isolation nach Corona-Infektion durch die Gesundheitsämter zugunsten von Freiwilligkeit wäre falsch und wird nicht kommen", schrieb Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) nun auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. "Hier habe ich einen Fehler gemacht. Das entlastet zwar die Gesundheitsämter. Aber das Signal ist falsch und schädlich."



Lauterbach erklärte weiter: "Corona ist keine Erkältung. Daher muss es weiter eine Isolation nach Infektion geben. Angeordnet und kontrolliert durch die Gesundheitsämter." Er betonte: "Der Fehler lag bei mir und hat nichts mit der FDP oder Lockerung zu tun. Es ging um Entlastung der Gesundheitsämter".

Am Vorabend hatte der Minister seine Kehrtwende bereits in der ZDF-Talkshow Markus Lanz angekündigt: "Diesen Punkt, dass die Infizierten, dass die sich selbst isolieren und nicht mehr durch das Gesundheitsamt aufgefordert werden, den werde ich wieder einkassieren", sagte der SPD-Politiker. Vom kommenden Monat an werde es aber eine verkürzte Isolationszeit von fünf Tagen geben.

Lauterbach: "Verheerendes Signal"

Die Gesundheitsämter sollen also laut Lauterbach auch nach dem 1. Mai weiter Isolationsbescheide ausstellen – obwohl "das nicht kontrolliert werden kann" und die Gesundheitsämter ohne den bürokratischen Aufwand "mehr Zeit hätten, was anderes zu machen". Gesundheitsämter haben sich laut Lauterbach die Freiwilligkeit gewünscht.



"Das Signal, das davon ausgeht, dass jemand, der isoliert ist, das dann selbst entscheidet, ob er zu Hause bleibt oder nicht – das ist so negativ, so verheerend, dass man an diesem Punkt eine Veränderung machen muss", betonte Lauterbach. "Man muss in der Lage sein, Dinge, die nicht gut gelaufen sind, zu korrigieren", erklärte er. Bei der Quarantäne von Kontaktpersonen solle die Freiwilligkeit hingegen erhalten bleiben.

Noch am Montag hatte Lauterbach nach Beratungen mit den Gesundheitsministern der Bundesländer verkündet, Corona-Infizierte müssten sich von Mai an nicht mehr verpflichtend in Isolation begeben – es werde ihnen nur noch "dringend empfohlen". Opposition und Sozialverbände hatten die Pläne scharf kritisiert. Auch in den sozialen Medien zeigten viele Nutzer ihr Unverständnis.
1 Kommentar

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1.
Waldi Werle
Erstellt 6. April 2022 15:32 | Permanent-Link

Die Überschrift müsste lauten: Viele sind nicht in der Lage Eigenverantwortung zu übernehmen.
Genau diejenigen, die über die Bestimmungen die der Staat anordnet schimpfen, sind sich ihrer Eigenverantwortung nicht bewusst. Es ist immer gut wenn man die Verantwortung auf andere abschieben kann, denn dadurch muss man nicht selbst mitdenken und kann seine Zeit mit Schimpftiraden verbringen.
Wo bleibt der mündige und und sich seines Tun und Handeln bewusste Bürger? Sie alle müssen sich nun den Bestimmungen des Staates unterordnen nur weil einige nicht in der Lage sind,
eigenverantwortlich zu handeln.

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