Kanadas Prärieprovinz (Bildergalerie)

Wie sich Manitoba erfolgreich im Markt positioniert

Kein Photoshop, nicht mal ein Teleobjektiv: In Churchill kommt man Eisbären in freier Wildbahn näher als im Zoo – ein exklusives Erlebnis, das seinen Preis hat.
FVW Medien/HMJ
Kein Photoshop, nicht mal ein Teleobjektiv: In Churchill kommt man Eisbären in freier Wildbahn näher als im Zoo – ein exklusives Erlebnis, das seinen Preis hat.

Manitoba gehört zu den Destinationen, die vor allem Kanada-Wiederholer ansprechen. Dabei hat die Provinz ein echtes Bucketlist-Erlebnis im Repertoire. Und auch die eher unscheinbare Hauptstadt Winnipeg mausert sich dank neuer Attraktionen zum Touristenziel.

"Ich wehre mich gegen den Begriff Nischenziele", sagte Barbara Ackermann energisch beim Wissenstag Kanada auf dem Counter Place Ende November. Der Begriff werde den zahlreichen Alternativen abseits von Hotspots wie Vancouver und den Rockies nicht gerecht, findet die Deutschland-Chefin von Destination Canada. Gerade für die Social-Media-Generation, die "alles schon gesehen" hat, biete Kanada noch viele einmalige Erlebnisse.

Ganz oben auf der Bucketlist dürfte dabei Churchill stehen: Der kleine Ort an der Hudson Bay im Norden von Manitoba, erst Pelzjägerstation, dann Luftwaffenbasis, nennt sich heute selbstbewusst "Polar Bear Capital of the World" – kaum irgendwo kommt man Eisbären in freier Wildbahn so nahe wie hier.

Exklusives Erlebnis hat seinen Preis

Die Gelegenheit, die vom Klimawandel bedrohten Tiere aus nächster Nähe zu beobachten, lassen sich Urlauber einiges kosten: Sechs-Tage-Packages mit Flug ab/bis Winnipeg (darunter zwei Nächte in Churchill) werden von deutschen Veranstaltern für etwa 6500 Euro angeboten, selbst Tagesausflüge ab der Hauptstadt von Manitoba schlagen mit 1300 Euro zu Buche.

Dafür erwarten Besucher unvergessliche Tierbegegnungen – und das Ganze eingebettet in ein Netzwerk, das sich Nachhaltigkeit, Umwelt- und Tierschutz verschrieben hat. So unterstützt Frontiers North, marktführender Tour- und Lodge-Anbieter in Churchill, Polar Bears International, die einzige Nichtregierungsorganisation, die sich dem Schutz der Eisbären verschrieben hat, aber auch Indigenous Knowledge Keepers, eine Initiative, die sich um die Bewahrung der Kultur der Ureinwohner kümmert.

Winnipeg ist mehr als nur Tor zum Norden

Auch die Hauptstadt Winnipeg profitiert vom legendären Ruf ihres nördlichen Nachbarn Churchill – und das nicht nur als Gateway. So sind sieben Eisbären aus dem hohen Norden im Rahmen von Journey to Churchill im Zoo des Assiniboine Park zu sehen – man ist nur durch eine Glasscheibe getrennt, wenn sie durch ihr Becken schwimmen oder einem beim Frühstück im Tagungsraum zuschauen.

Aber auch wer weniger Begeisterung für Flora und Fauna, also vor allem für Eisbären und das riesige neue Gartenbauprojekt The Leaf, aufbringt, sollte Winnipeg nicht nur als Zwischenstation nutzen. Die Winnipeg Art Gallery – Hingucker ist ein dreistöckiges, gläsernes Regal mit 5000 indigenen Plastiken und Skulpturen – ist ebenso einen Besuch wert wie das Royal Aviation Museum: Im lichtdurchfluteten Neubau direkt am Airport werden nicht einfach 35 historische Flugzeuge ausgestellt, sondern dazu die Geschichten von Pionieren, Produzenten, Busch- und Bruchpiloten erzählt.

Menschenrechte multimedial in Szene gesetzt

Höhepunkt eines Winnipeg-Besuchs ist jedoch das Canadian Museum of Human Rights: 2014 eröffnet, präsentiert es multimedial auf acht Etagen das Thema Menschenrechte – mit einer Welcome Wall in 36 Sprachen, virtuellen Abstimmungen, 360-Grad-Filmen und indigener Kunst. Innen wie außen beeindruckt das Museum zudem durch seine architektonischen Feinheiten – so symbolisiert die Fassade Baumwurzeln, den Präriehimmel und die Rocky Mountains.
Außen hui, innen auch hui: Das Canadian Museum for Human Rights besticht nicht nur durch seine spannenden Inhalte, sondern auch durch sein avantgardistisches Design.
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Außen hui, innen auch hui: Das Canadian Museum for Human Rights besticht nicht nur durch seine spannenden Inhalte, sondern auch durch sein avantgardistisches Design.

Bei einer VIP-Tour europäischer Veranstalter im Rahmen eines Strategie-Meetings von Destination Canada (siehe Bildergalerie unten) wurde daher schnell klar: Auch wenn Winnipeg erwartungsgemäß nicht mit urbanen Bestsellern wie Toronto, Vancouver und Montréal mithalten kann, lässt es sich gut einbinden in Rundreisen in Kombination mit den Nachbarprovinzen Saskatchewan und Ontario oder sogar grenzüberschreitend mit den US-Bundesstaaten North Dakota und Minnesota.

Und das gilt auch für Urlauber, bei denen Zeit, Budget oder Begeisterung nicht für einen Abstecher zu den Eisbären im hohen Norden reichen.

Churchill und Winnipeg: Bärige Zeiten für Kanada-Touristiker


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