Pablo Llinares, Gran Canaria

"Die ganze Branche ist näher zusammengerückt"

"Wir verbessern die Insel jedes Jahr aufs Neue", sagt Pablo Llinares, Tourismusdirektor der Kanareninsel Gran Canaria im Interview mit Redakteurin Bianca Wilkens.
Carsten Milbret
"Wir verbessern die Insel jedes Jahr aufs Neue", sagt Pablo Llinares, Tourismusdirektor der Kanareninsel Gran Canaria im Interview mit Redakteurin Bianca Wilkens.

Der Herbst und der Winter sind für die Kanaren besonders wichtig. Pablo Llinares, Tourismusdirektor von Gran Canaria, erklärt, wie sich der Markt infolge der Corona-Krise verändert hat, warum es schwierig ist, junge Gäste anzuziehen, und wie seine Erwartungen für die nächsten Monate sind.

Gran Canaria zählt touristisch zu den bedeutendsten Inseln der Kanaren und ist so etwas wie ein Indikator für die Entwicklung auf allen Kanarischen Inseln. Pablo Llinares, Tourismusdirektor von Gran Canaria, erklärte beim fvw|TravelTalk Workshop unter anderem die Marktlage und wie die Insel auf das veränderte Buchungsverhalten infolge der Corona-Pandemie reagiert.

Spanien inklusive der Kanaren ist seit einigen Wochen kein Hochrisikogebiet mehr. Wie profitiert Gran Canaria davon?

Pablo Llinares: Die Buchungen haben enorm angezogen. Wir haben jede Woche weitere Zuwächse. Es zeigt sich schon jetzt, dass sich der deutsche Markt signifikant erholt hat. Der Marktanteil unter allen Besuchern ist sogar von 20,5 Prozent im Jahr 2019 auf jetzt 26 Prozent angewachsen.

Was erwarten Sie für die Herbst- und Wintersaison?

Wir werden einen guten Winter haben. Die Kanaren gehören zu den Destinationen, die sich als Erstes erholen. Hier fühlen sich die deutschen Kunden sicher. Sie kennen das Reiseziel seit Jahren, wissen, wie wir arbeiten und dass wir die Pandemie gut bewältigt haben. Außerdem haben wir die Zeit der Krise gut genutzt.

Inwiefern?

Viele Hotels und Apartmenthäuser wurden renoviert, vor allem im Süden in Playa del Inglés, San Augustín, Puerto Rico und Mogán. Auch die Verkehrsinfrastruktur wurde verbessert. 

Die Bedürfnisse der Reisenden haben sich infolge der Krise verändert. Sie wollen raus in die Natur, aktiv sein. Wie reagiert Gran Canaria darauf als klassische Sun-&-Beach-Destination?

Der Hauptanziehungspunkt, der Gran Canaria ausmacht, ist immer noch der Strand und das Meer. Aber auch für diejenigen, die auf Sport und Aktivitäten in der Natur Wert legen, sind wir das richtige Urlaubsziel. Das promoten wir gerade sehr und stellen alles heraus, was Gran Canaria für Radfahrer, Wassersportler, Läufer und Naturfreunde zu bieten hat. Es gibt auch viele neue Kooperationen zwischen Hotels sowie Surf-Schulen oder Anbietern von Radtourismus.

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Viele Urlauber sind Wiederholer. Wie vermeiden Sie es, dass es für diese treuen Kunden nicht immer derselbe Urlaub wird?

Ja, die Loyalitätsrate bei den deutschen Besuchern liegt bei 68 Prozent. Aber der Grund für diese Treue ist vor allem, dass die Destination so viele unterschiedliche Dinge zu bieten hat. Wir verbessern die Insel jedes Jahr und bieten den Kunden immer wieder neue Aktivitäten an. Am Ende kommen sie auf dieselbe Insel, die aber nicht wirklich dieselbe ist. 


Für viele junge Reisende steht die Insel als Destination nicht unbedingt an erster Stelle, da sie zu den touristisch älteren Reisezielen zählt. Wie versuchen Sie, jüngere Reisende anzuziehen?

Viele junge Gäste betrachten die Insel nicht als coole Destination, weil sie in einem anderen Teil der Welt Urlaub machen wollen als dort, wohin ihre Eltern oder Großeltern gern gereist sind. Dabei haben wir ein tolles Nachtleben in Las Palmas und bieten viele Sportmöglichkeiten auf der ganzen Insel. Das sowie andere spezielle Dinge wie die Gastronomie, die Bergwelt und den Norden der Insel mit kleinen Dörfern, den Kaffee- und Bananenplantagen sowie die Weinproduktion bewerben wir jetzt mehr.

Es gibt ja sogar einen Jakobsweg auf Gran Canaria, was viele nicht wissen …

Der Jakobsweg gehört zu den vielen kleinen Dingen, die einzigartig sind und die andere Destinationen nicht haben. Das Angebot wird keinen massiven Einfluss auf die Besucherzahlen haben. Aber es ist ein weiterer Grund, um die Insel zu besuchen. 

Was sind Ihre Erwartungen für dieses Jahr?

Ich bin sehr glücklich über die gestiegene Nachfrage. Ich denke, wir kommen am Ende in diesem Jahr auf 70 Prozent des Besuchervolumens von 2019. In sechs bis acht Monaten werden wir uns auf einem ähnlichen Niveau wie in den Jahren vor der Pandemie bewegen. Die Menschen wollen reisen, davon profitieren wir. 

Gibt es irgendetwas Positives, was Sie der Krise abgewinnen können?

Wir sind stärker zusammengerückt, arbeiten zum Beispiel jetzt enger mit dem privaten Sektor zusammen und haben mehrere Kampagnen aufgesetzt. Die ganze Branche ist sich näher gekommen. Es ist wie bei einem Paar, das wieder zusammenkommt und merkt, das es sich sehr vermisst hat (lacht). Wir lieben uns jetzt mehr.

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