Interview mit Arthur Hsieh

Für wen sich Taiwan als Urlaubsziel eignet

Voller Tempel und sehr hübsch: Taiwans älteste Stadt Tainan.
Getty Images
Voller Tempel und sehr hübsch: Taiwans älteste Stadt Tainan.

Corona ist kaum existent in dem fernöstlichen Staat, der sich in den vergangenen 50 Jahren zum demokratischen und wirtschaftlichen Musterland gemausert hat. Auch bei Touristen wird Taiwan immer beliebter.

Kaum ein Staat ist im Umgang mit Corona so erfolgreich wie Taiwan. Ganze 16.000 Erkrankungen zählte das 23,5-Mio.-Einwohner-Land seit dem Ausbruch der Pandemie, die Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei 0,5. Enormes Wachstum wiederum verzeichnete Taiwan im Tourismus vor dem Jahre 2020: Die Besucherzahlen aus aller Welt stiegen deutlich an, überproportional aus Deutschland. Wie das Land nach Öffnung der Grenzen an diese Entwicklung anknüpfen will, darüber sprach fvw|TravelTalk mit Arthur Hsieh, Chef des Taipei Tourism Office in Frankfurt.

fvw|TravelTalk: Wie hat es Taiwan geschafft, die Corona-Zahlen so niedrig zu halten?
Arthur Hsieh: Zum einen spielt natürlich die Insellage eine Rolle. Zum anderen haben wir vom ersten Tag an alles getan, um die Ausbreitung der Seuche zu verhindern. So hat Taiwan seine Grenzen sofort geschlossen, innerhalb des Landes aber weiterhin fast alle Freiheiten gewährt. Hinzu kommt, dass wir es gewohnt sind, Maske zu tragen, um uns und andere vor Infektionen zu schützten.

Wann wird das Land seine Grenzen für Urlauber wieder öffnen?
Als Touristiker würden wir selbstverständlich so schnell wie möglich wieder loslegen. Aber Sicherheit geht vor. Und wir nutzen die Zwangspause, um unsere Angebote zu verbessern.

Zum Beispiel?
Die für uns beste Nachricht ist, dass wir aufgrund eines neuen Luftfahrtabkommens künftig elfmal pro Woche von Deutschland direkt nach Taiwan fliegen können – statt wie bisher nur siebenmal. Damit können wir gut auf die steigende touristische Nachfrage reagieren. Derzeit wird eruiert, welche Fluggesellschaft die neuen Slots erhält.

Wie steht es um die touristischen Angebote im Land selbst?
Taiwan gilt immer schon als eines der sichersten Länder der Welt. Kriminalität gibt es fast gar nicht, und nach den Erfahrungen der Pandemie sollen Urlauber auch im Gesundheitssektor maximale Sicherheit genießen. Dafür sorgen entsprechende Hygieneprogramme.

Zudem haben wir unsere Angebote im Outdoor-Bereich ausgebaut: In unseren Gebirgen, die zwei Drittel der Inselfläche ausmachen, lässt es sich wunderbar wandern, rund um unsere Insel führen Radwege, und auf Little Liuqiu Island beispielsweise lassen sich Meeresschildkröten beobachten.

Für wen eignet sich Taiwan als Ziel?
Für alle, die das Erlebnis fernöstlicher Kultur mit Naturgenuss verbinden wollen. Die Großstädte wie Taipeh, Kaoshiung oder Tainan bieten etliche Sehenswürdigkeiten, Nachtmärkte mit leckerem Seafood und zahlreiche prunkvolle Tempel. Zugleich bietet das Gebirge im Landesinnern Naturschauspiele, etwa die Taroko-Schlucht im Osten, die sich kilometerweit in die Berge zieht.

Setzen Sie als Tourismusbüro auf bestimmte Zielgruppen?
Im Fokus stehen bei uns zum einen die jüngeren Menschen, vor allem die Millennials, die auf Outdoor-Erlebnisse wie Wandern, Radfahren oder Wassersport setzen. Einen zweiten Schwerpunkt setzen wir bei den über 50-Jährigen. Sie sind ganz besonders an der fremden Kultur interessiert. Wir sind realistisch: Als Langstreckenziel sind wir sicher keine typische Destination für Familien.
Taiwan – eine Insel mit Hunderten Bergen
Nach der Niederlage gegen die Kommunisten im Bürgerkrieg 1949 hatten sich Regierung, Eliten und Streitkräfte der damaligen Republik China auf die Insel Taiwan zurückgezogen. Dort etablierte sich ein bis heute wirtschaftlich sehr erfolgreicher, technisch hoch entwickelter und demokratisch verfasster Staat. Taiwan zählt 23,5 Mio. Einwohner, die auf einer Fläche so groß wie Baden-Württemberg leben. Eine wichtige Rolle spielt inzwischen der Tourismus: Fast zwölf Millionen Urlauber kamen 2019 ins Land, davon knapp elf Millionen aus Asien. Etwa 390.000 Besucher reisten aus Europa an, die meisten aus Deutschland (73.000). Taiwan besteht zu zwei Drittel aus Gebirge. Gut 250 Berge sind höher als 2000 Meter.

Wie erfolgreich sind Sie touristisch?
Das Vor-Pandemie-Jahr 2019 war für uns ein Rekordjahr: Mehr als zwölf Millionen Gäste kamen zu uns. Für einen Staat mit gerade mal 23,5 Mio. Einwohnern ist das ein tolles Ergebnis. Daran wollen wir natürlich anknüpfen.

Wie wichtig ist der deutsche Markt?
2019 reisten fast 73.000 Deutsche nach Taiwan. Damit ist Deutschland unser größter Quellmarkt in Europa. Und mit über 80 Prozent sind die Direktflüge sehr gut ausgelastet. Wir sind optimistisch, dass wir nach Öffnung der Grenzen wieder sehr viele Deutsche bei uns begrüßen können: Die Zahl der Menschen, die in den vergangenen Monaten bei uns im Tourismusbüro angerufen und sich nach dem Stand der Dinge erkundigt haben, war enorm hoch. Darüber freuen wir uns natürlich sehr.

Was unternehmen Sie im B2B-Bereich, um bekannter zu werden?
Wir arbeiten mit großen Veranstaltern zusammen, von DER Touristik bis FTI. Zugleich bieten wir den Reisebüro-Partnern Fam Trips und Webinare an. Sie sollen Taiwan auch von unbekannter Seite kennenlernen, um das Land zielgruppengerecht anbieten zu können. So sind wir 2019 mit den Agenturen zur LGBTQ Pride Parade gefahren. Viele wussten nicht, dass wir das LGBTQ-freundlichste Reiseziel Asiens ist.
Kommentar: Fernost im Vorteil
Südkorea plus 13 Prozent, Taiwan plus 38 Prozent, Japan plus 69 Prozent: Bereits von 2014 bis 2019 haben fernöstliche Destinationen in der Gunst deutscher Urlauber deutlich zugelegt. Nun spricht vieles dafür, dass sie ihren Aufschwung mittelfristig fortsetzen werden. Denn ihr konsequentes Handeln in der Krise hat das ohnehin schon positive Image dieser Staaten weiter verbessert: Im Vergleich zu anderen Teilen der Welt blieben die Infektionszahlen niedrig – dank strikter Regeln und eines verantwortungsbewussten Handelns der Menschen. Zwar werden viele Europäer – wie es Studien besagen – kurzfristig ihren Urlaub in der Nähe verbringen. Der Trend Richtung Fernost könnte danach aber umso deutlicher ausfallen.

Was sind Ihre persönlichen Tipps für einen Taiwan-Urlaub?
Ganz entspannt das taiwanesische Alltagsleben genießen – etwa in den Straßen der Großstädte. Die Tempel besuchen, aber auch das Palastmuseum mit der weltweit größten Sammlung chinesischer Kunstwerke aus 5000 Jahren. Zum Wandern empfehle ich die Taroko-Schlucht mit ihren Wasserfällen. Ausruhen kann man sich dann an den Stränden im Inselsüden.

Sie können diese Nachricht nicht mehr kommentieren.

stats