Henley Passport Index 2022

Das sind die wertvollsten Reisepässe weltweit

Längst nicht jeder Reisepass hat denselben Wert, was visumsfreie Einreisen betrifft.
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Längst nicht jeder Reisepass hat denselben Wert, was visumsfreie Einreisen betrifft.

Die Kluft zwischen Nationen, denen fast alle Grenzen offen stehen, und denen, deren Reisepässe kaum anerkannt sind, wächst spürbar. Die Corona-Pandemie hat diese Schere weiter geöffnet.

Das jedenfalls legen die Ergebnisse des "Henley Passport Index" nahe, der jedes Jahr untersucht, mit welchen Reisepässen Urlauber in die meisten beziehungsweise wenigsten Länder kommen, ohne umständlich Visa beantragen zu müssen.

Dabei stechen zwei Faktoren aus der neuesten Untersuchung hervor. Zum einen haben die Spitzenreiter Japan und Singapur ihren Vorsprung weiter ausgebaut. Sie kommen nun auf rekordverdächtige 192 Länder, in die ihre Passinhaber visumfrei einreisen dürfen.

Zum anderen war der Unterschied zwischen den "guten" und den "schlechten" Pässen in den 17 Jahren des Bestehens des Index noch nie so groß wie heute. So bildet der Pass Afghanistans den absoluten Gegenpol zum japanischen und singapurischen: Er gilt für 166 Länder weniger und steht damit ganz am Ende.

Reisefreiheit deutlich gestiegen

Insgesamt habe die Reisefreiheit in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten deutlich zugenommen, wie das Unternehmen betont. So konnte ein Passinhaber im Jahre 2006 im Durchschnitt 57 Länder besuchen, ohne vorher ein Visum erwerben zu müssen. Heute hat sich diese Zahl fast verdoppelt und liegt bei 107.

Hinter dem Gesamtanstieg verberge sich jedoch die angesprochene wachsende Kluft zwischen den Ländern des globalen Nordens und denen des globalen Südens. So stünden Staatsangehörige aus Ländern wie Schweden und den USA mehr als 180 Staaten visumfrei offen, während Passinhaber aus Angola, Kamerun und Laos nur in etwa 50 Länder ohne vorherigen Antrag einreisen könnten.

Auf Platz zwei des Index liegen Deutschland und Südkorea. Passinhaber beider Länder können 190 visumfreie Reiseziele besuchen. Auf Platz 3 folgen – mit jeweils 189 Ländern – Finnland, Italien, Luxemburg und Spanien.

USA und England gewinnen

Rang 4 (188 Länder) belegen gemeinsam Österreich, Dänemark, Frankreich, die Niederlande und Schweden, gefolgt auf Rang 5 von Irland und Portugal (187).

Die Pässe der USA und Großbritanniens haben etwas von ihrer früheren Stärke zurückgewonnen, nachdem sie 2020 auf Rang acht zurückgefallen waren – der schlechteste Platz, den diese Länder in den vorigen 17 Jahren innehatten. Beide Länder liegen jetzt auf Rang 6 mit einem Wert von 186 für Visumfreiheit und Visum bei der Einreise. Diesen teilen sie sich mit der Schweiz, Norwegen, Belgien und Neuseeland.

Ihren Aufwärtstrend im Index haben die Vereinigten Arabischen Emirate fortgesetzt, nachdem sie ihr von den USA vermitteltes Abkommen mit Israel wieder in Kraft gesetzt haben. Das Land liegt nun auf Platz 15 der Rangliste, der höchste Platz, den ein arabischer Staat jemals erreicht hat: VAE-Bürger können visumfrei in 175 Länder reisen.

Erhebliche Fortschritte haben auch die Ukraine und Georgien gemacht: Beide sind in den vergangenen zehn Jahren um jeweils 25 Plätze in der Rangliste aufgestiegen und sind damit die größten Aufsteiger unter den ehemaligen Sowjetrepubliken.

Am Ende der Liste stehen mit weniger als 30 visumsfreien Ländern Syrien, Irak und Afghanistan.

Insgesamt werde deutlich, dass Bürger aus Ländern mit hohem und mittlerem Einkommen in die meisten Länder visumfrei einreisen könnten, während Bürger aus Staaten mit niedrigem Einkommen und hoher wirtschaftlicher wie politischer Unsicherheit weit weniger Reisefreiheit genössen. Grund sei vermutlich die Befürchtung vieler Staaten, dass Letztere eine Einreise zur Flucht aus ihrem Heimatstaat nutzen könnten.

Interessant sei, dass Bürger demokratischer Staaten zwar im Durchschnitt in mehr Ländern visumsfrei einreisen dürften, dass aber zugleich Demokratien wie autoritäre Regime seit 2006 in ähnlichem Maße von einer zunehmenden Visumsfreiheit profitierten. So wirke sich der Trend in Richtung "autoritärer Regierungsstil" nicht negativ auf die internationale Mobilität aus.

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