Großbritannien nach dem Brexit

Incoming könnte zulegen

Touristen in London. Der Sinkflug vom britischen Pfund macht den Aufenthalt dort billiger.
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Touristen in London. Der Sinkflug vom britischen Pfund macht den Aufenthalt dort billiger.

Im Riesenrad London Eye auf die Themse blicken oder durch blühende Gärten im Süden streifen – Großbritannien hat vielfältige Reize. Das Rekordtief vom Pfund könnte nun Folgen für den Tourismus haben.

Wer in diesem Sommer nach Großbritannien reist, kann sich die Hände reiben. Der Sinkflug vom britischen Pfund macht den Aufenthalt dort billiger. Ein Lichtblick trotz der düsteren Prognosen vieler Wirtschaftsexperten für die Zukunft des Landes? „Tourismus und Freizeit können unter einem Brexit weiter wachsen“, sagte Nick Varney, Chef des Branchenverbands British Hospitality Association, kürzlich auf einer Fachkonferenz in London.

Einerseits könnten die Briten Experten zufolge künftig mehr Urlaub im eigenen Land machen. Andererseits locke der Pfund-Kurssturz mehr Gäste aus dem Ausland an, meint Varney. Das Pfund als Krisenbarometer war nach der Entscheidung für einen Austritt aus der EU erstmals seit 1985 zeitweise unter die Marke von 1,28 US-Dollar gerutscht.

Ist denn in der Metropole an der Themse schon etwas von einem vermehrten Gästeansturm in den vergangenen Wochen zu spüren? Ein britischer Touristenführer winkt ab: „Hier in London wird sich nichts ändern, hier ist doch schon jede Menge los!“ Verwundert sei er aber, wie viele Fragen vor allem die Besucher aus den USA zum Brexit stellten. Auch eine Angestellte eines Budget-Hotels ist gelassen: „Wir sind in den Sommermonaten sowieso immer ausgebucht.“

Großbritannien sei kein klassisches Reiseland wie Spanien mit seinen Stränden, gibt Torsten Schäfer vom Deutschen Reiseverband zu bedenken. „Es ist eher ein Städte-, Studien- und Rundreiseziel.“ Mit einer Ausnahme: „Bei den Kurzreisen der Deutschen ins Ausland landete Großbritannien im vergangenen Jahr auf Platz 4 der Top Ten.“

London steht dabei hoch in der Gunst. 62 Prozent der Deutschen, die 2015 eine Kurzreise nach Großbritannien machten, wählten nach Angaben der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen die Multi-Kulti-Stadt an der Themse als Ziel. Niemand wisse, wie sich das britische Pfund weiter entwickle und den Tourismus im Vereinigten Königreich beeinflusse, betont Schäfer. „Letztlich ist das wie der Blick in die Glaskugel.“

Welche Destinationen die Pfund-Schwäche trifft

Und andersherum: Können sich künftig weniger Briten eine Reise nach Deutschland leisten? Im vergangenen Jahr wurden laut Statistischem Bundesamt 2,6 Mio. Ankünfte und 5,5 Mio. Übernachtungen britischer Touristen in Deutschland registriert. „Das bedeute den vierten Platz im Ranking der Top-Quellmärkte“, sagt die Vorstandsvorsitzende der Deutschen Zentrale für Tourismus, Petra Hedorfer.

Die ersten drei Plätze gingen an die Niederlande, Schweiz und USA. Die meisten Briten in Deutschland ziehe es nach Berlin – beliebt seien aber auch München, Frankfurt und Hamburg. Die Folgen eines Ausstiegs aus der EU seien noch nicht absehbar, meint Hedorfer.

Sollten die Briten tatsächlich in Zukunft genauer aufs Geld schauen müssen, dürfte das nach Einschätzung des weltgrößten Reisekonzern TUI vor allem die Branche auf den Balearen und Kanaren, in Griechenland, der Türkei und der Karibik zu spüren bekommen. Denn dorthin flögen die Briten bisher am liebsten. So sind sie nach Medienberichten die zweitgrößte Besuchergruppe in Griechenland und gaben dort binnen zehn Jahren gut 16 Mrd. Euro aus, wie ein griechischer Fernsehsender meldete. (dpa)

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