Griechenland

Hoteliers fehlen Veranstalter-Vorauszahlungen

Grigoris Tassios ist Vorsitzender des Hotelverbands von Chalkidiki, Präsident des griechischen Hotelverbands HHF und stellvertretender Vorsitzender des Verbandes der Tourismuswirtschaft, Sete.
Christian Wyrwa
Grigoris Tassios ist Vorsitzender des Hotelverbands von Chalkidiki, Präsident des griechischen Hotelverbands HHF und stellvertretender Vorsitzender des Verbandes der Tourismuswirtschaft, Sete.

Die Sommersaison brachte zwar noch Touristen nach Griechenland. Aber 2021 muss eine gute Saison werden, sagt Grigoris Tassios, Präsident des Hotelverbands. Denn die Hoteliers haben teilweise die Vorauszahlungen der Veranstalter für diesen Sommer noch nicht wieder erwirtschaftet.

Erst am 1. Juli begann in diesem Jahr die Sommersaison in Griechenland, und nur gut die Hälfte aller 10.000 Hotels im Land öffnete überhaupt. Trotzdem ist Grigoris Tassios, Vorsitzender des Hotelverbands von Chalkidiki und der Hellenic Hotel Federation, nicht unzufrieden: "Dieses Jahr war ein Test. Wir haben gezeigt, dass die neuen Sicherheits- und Hygieneoprotokolle funktionieren." Es habe fast keine Corona-Infektionen in Hotels gegeben, Urlauber hätten sich eher in Apartments und bei Airbnb-Vermietungen angesteckt.

Wirtschaftlich allerdings war es eine schwierige Saison. Viele Hoteliers hätten von den großen Veranstaltern im vergangenen Winter Vorauszahlungen erhalten, weil in diesem Jahr eine Rekordsaison erwartet wurde. Als im März die Corona-Pandemie hereinbrach, forderten Veranstalter Vorauszahlungen zurück, um die eigene Liquidität zu stützen.

Workshop Griechenland


"Die Hoteliers hatten das Geld aber inzwischen genutzt, um Renovierungen vorzunehmen und ihr Produkt zu verbessern", so Tassios im Gespräch am Rande des fvw Workshops in Thessaloniki und Chalkidiki. Viele kleinere Hotels mit bis zu 100 Zimmern hätten zudem diese Saison nicht geöffnet, weil bei ihnen Unsicherheit bestanden habe, ob sie die neuen Hygieneprotokolle ausreichend umsetzen können und ob überhaupt Gäste kommen.

Da auch bei den Hotels, die im Sommer öffneten, viel weniger Gäste als sonst kamen und die Saison zumeist früher endete, bleibe nach der Verrechnung mit den Vorauszahlungen häufig nichts in der Kasse, berichtet Thassios. Bei Hotels, die nur wenige oder gar keine Gäste empfingen, würden diese Vorauszahlungen von den Veranstaltern auf 2021 übertragen. Lediglich größeren Hotels auf Inseln mit weiter guten Flugverbindungen wie Kreta, Kos und Rhodos sei es gelungen, die Deposits in diesem Sommer abzuarbeiten.

fvw Workshop: Die Bilder aus Thessaloniki und Chalkidiki



"Nächstes Jahr muss also gut werden, um zumindest unsere Personalkosten zu decken", sagt Thassios. Die Vertreter von Veranstaltern wie TUI und FTI beteuerten dagegen bei einer Podiumsdiskussion auf dem Kongresstag des fvw Workshops in Thessaloniki, man habe sich mit den Hotelpartnern einvernehmlich über die Zahlungsmodalitäten geeinigt, so dass beide Seiten dieses Krisenjahr meistern könnten (die Diskussion sehen Sie im Video vom Kongresstag unten).

Die Hoteliers drücken aber nicht nur alte Verpflichtungen. Problematisch für die Betreiber sei, dass es für 2021 nur im Rahmen von Frühbucherangeboten Vorauszahlungen gebe und viele Veranstalter trotz gestiegener Hygienekosten Zweijahresverträge mit konstanten Preisen gefordert hätten. "Allein die Umsetzung der Covid-19-Schutzmaßnahmen erhöht bei den Hotels die Kosten im Schnitt um zehn Prozent", so Thassios, der in Psakoudia (Chalkidiki) zusammen mit seinem Bruder das Vier-Sterne-Hotel Philoxenia betreibt. Dabei gehe es nicht nur um erweiterte Desinfektionen, sondern auch um mehr Personaleinsatz etwa in Büffet-Restaurants.

Ein weiteres Problem sei, dass viele Veranstalter angesichts der angespannten Lage ihre Zahlungsmodalitäten verändert hätten und nun erst 30 bis 60 Tage nach Abreise der Kunden zahlten.
So habe etwa Griechenland-Marktführer TUI das Zahlungsziel nach hinten geschoben. Viele Hoteliers hätten jedoch in der Krise zusätzliche Kredite aufgenommen, die nun getilgt werden müssen. Dabei hatten die griechischen Hoteliers, wie ihre Kollegen aus anderen Destinationen, nach der Pleite von Thomas Cook eine frühere Bezahlung, spätestens bei Abreise der Gäste, gefordert.

Kongresstag fvw Workshop Griechenland


Auch wenn Griechenland und die Hoteliers bislang die Krise gut gemeistert hätten – mit einer vollständigen Normalisierung rechnet der Verbandschef, der auch stellvertretender Vorsitzender des gesamtgriechischen Tourismusverbands Sete ist, erst im Jahr 2023. Vor allem müsse 2021 wieder eine Saison mit normaler Dauer werden. "In den griechischen Hotels arbeiten 210.000 Menschen, davon nur 40.000 in Häusern, die ganzjährig geöffnet haben", berichtet Thassios. Für die griechische Wirtschaft sei der Tourismus von elementarer Bedeutung.

Noch schlechter als in der Ferienhotellerie sei die Lage bei den Stadthotels, berichtet Thassios. In Athen etwa liege die Auslastung nur bei etwa 15 Prozent, weil Gäste aus Übersee fehlen und wichtige Kongresse und Messen wegen Corona nicht stattfinden.
fvw Workshop Griechenland
Das Gespräch mit Hotelverbandschef Tassios fand am Rande des fvw Workshops Griechenland statt. Der fvw Workshop wurde von folgenden Organisationen unterstützt: GNTO, Hellenic Chamber of Hotels, Municipality of Thessaloniki, Tourism Organization of Thessaloniki, Halkidiki Tourism Organization, Hellenic Hotel Federation, Aegean Airlines, Grand Hotel Palace und Eagles Palace. Projektmanagement: Praxis Plus. Alle Berichte lesen sie im aktuellen fvw Magazin. Jetzt im E-Paper lesen!

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