Fünf runde Geburtstage

Polen feiert 2021 die Literatur

Derzeit sind Reisen ins östliche Nachbarland zwar so gut wie unmöglich, doch Polen bereitet sich schon jetzt auf das kommende Jahr vor. Das soll im Zeichen der Literatur stehen.

Polen feiert 2021 gleich fünf runde Geburtstage von bedeutenden Literaten des Landes. Zu ihnen gehört Stanisław Lem, einer der international bekanntesten polnischen Autoren des 20. Jahrhunderts.

Bücher, die durch Kristallbildschirme ersetzt werden, Quarzplatten als Datenspeicher oder "intelligente" Roboter – was heute längst Realität ist, beschrieb Stanisław Lem in den 1950er und 60er Jahren als Entwicklung ferner Zeiten. Dabei war dessen Lebensthema nur vordergründig "Science Fiction". Der Schriftsteller, dessen Geburtstag sich am 12. September 2021 zum 100. Mal jährt, interessierte sich vor allem für philosophische Grundsatzfragen, insbesondere die Fehlbarkeit von Mensch und Fortschritt.

Geboren im heute ukrainischen Lviv (Lemberg) überlebte er als Jude die deutsche Besatzung während des Zweiten Weltkrieges nur dank gefälschter Papiere. Nach der Ausrufung des Kriegszustandes 1981 lebte er in West-Berlin und bis 1988 in Wien. Sein wohl bekanntestes Werk ist "Solaris", die Geschichte von der Unfähigkeit des Menschen mit nicht-menschlichen Intelligenzformen umzugehen.

Zahlreiche Kulturinstitutionen, Verlage und die Unesco-Literaturstadt Krakau planen anlässlich des runden Geburtstages verschiedene Veranstaltungen sowie Neuauflagen seiner wichtigsten Werke. Alle Informationen zum Rahmenprogramm und den Einzelveranstaltungen des Lem-Jahres gibt es unter www.roklema.pl.

Fast zeitgleich mit Lem wurde am 9. Oktober 1921 der auch in Deutschland bekannte Dichter und Dramatiker Tadeusz Różewicz geboren. In seiner Heimatstadt, dem zentralpolnischen Radomsko, begann er während seiner Zeit als Untergrundkämpfer gegen die deutsche Besatzung mit dem Schreiben. Sein ältester Bruder Janusz wurde damals von der Gestapo hingerichtet.

Die Auseinandersetzung mit dem Grauen sowie mit den Zwangsideologien und -regimen der damaligen Zeit wurden zu bestimmenden Elementen seiner Gedichte. Sie gipfelte in seinen Bühnenstücken, die in der Tradition des Absurden Theaters stehen.

Mit Krzysztof Kamil Baczyński und Tymoteusz Karpowicz ehrt Polen zwei weitere 1921 geborene Schriftsteller. Baczyński, der in der polnischen "Heimatarmee" kämpfte und während des Warschauer Aufstandes 1944 erschossen wurde, hinterließ ein Werk von über 500 Gedichten und zahlreichen Erzählungen. Auch Karpowicz war Untergrundkämpfer und Literat zugleich. Bei Wilna, dem heutigen Vilnius, geboren, siedelte er 1945 nach Stettin um. Seine literarische Tätigkeit ließ er nach der Ausrufung der sozialistischen Doktrin ruhen und nahm sie erst wieder mit der einsetzenden Tauwetterperiode auf.

Das älteste unter den Geburtstagskindern des kommenden Jahres ist Cyprian Kamil Norwid. Der Adelsspross kam am 24. September 1821 im masowischen Laskowie-Głuchy zur Welt. Er gilt als der letzte der vier großen polnischen Romantiker. Schon früh verließ er 1842 seine Heimat, um nach Jahren des Umherreisens – unter anderem auch in die USA – seine letzten Lebensjahre arm und von Krankheit geplagt in Paris zu fristen.
Kommentare

Sie müssen sich einloggen oder registrieren, um kommentieren zu können.

Mehr zum Thema
stats