Events und Städtereisen

So will Wien die Krise überwinden

Auch Wien steckt seit dem 2. November 2020 in einem neuen Lockdown. Doch danach sollen auch die Weihnachtsmärkte wieder stattfinden.
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Auch Wien steckt seit dem 2. November 2020 in einem neuen Lockdown. Doch danach sollen auch die Weihnachtsmärkte wieder stattfinden.

Mit Schnelltests, Teststraßen und strenger Hygiene will Wien Events trotz Corona ermöglichen. Nach dem Lockdown sollen auch die Weihnachtsmärkte starten.

Wien gehört zu den Städten, die europaweit mit am stärksten unter den Folgen der Corona-Krise leiden: Gut 83 Prozent aller Besucher kommen aus dem Ausland. Sie bleiben nun fast vollständig aus.

Für 2020 rechnet das Fremdenverkehrsamt denn auch mit einem Minus von insgesamt 70 Prozent bei den Ankünften und beim touristischen Hotelumsatz. Der betrug 2019 eine Milliarde Euro – ein Rekordwert.

Mehr Europa statt Reisewarnungen

Trübsal blasen will Wiens Tourismuschef Norbert Kettner dennoch nicht – obwohl Österreichs Hauptstadt erneut Risikogebiet ist. "Wir sind gefasst", sagt er, "immerhin hatten wir Zeit, uns an die Situation zu gewöhnen."

Für den Tourismuswerber steht fest: Innerhalb des Binnenmarktes der Europäischen Union (EU) muss es eine einheitliche Anti-Corona-Politik geben – samt freiem Reisen auf dem Kontinent. "Wir brauchen mehr Europa und müssen die Reisewarnungen mittelfristig stoppen", sagt Kettner. "Sonst kommen wir aus der Sackgasse nicht heraus."

Bis es ein solches EU-Regime gibt, will Wien mit eigenen Mitteln aus der Krise finden – und Vorbild für einen kreativen Umgang mit der Bedrohung sein. "Wir sind keine Angsthasen", formuliert es Kettner, "aber natürlich sind wir auch keine Idioten, die Unverantwortliches riskieren."

So hat die Stadt jüngst trotz Corona ihre Tourismuskonferenz physisch abgehalten. Statt der üblichen 500 durften zwar nur 200 Gäste teilnehmen. Ein eigens für den Kongress entworfenes Präventionskonzept sollte auch den 1000 digital zugeschalteten Teilnehmern zeigen, dass größere Konferenzen durchaus auch in Covid-19-Zeiten möglich sind.

Ketten wollen Luxushotels eröffnen

Dabei sieht Kettner Wien in einer paradoxen Lage. "Touristisch sind wir zwar am Nullpunkt", sagt er. "Zugleich aber haben wir Projekte am Start, nach denen sich Mitbewerber die Finger lecken würden." Mitten in der Krise haben die Mandarin-Oriental-Hotels angekündigt, in der Stadt ein Haus zu eröffnen.

Auch ein Luxushotel von Rosewood kommt. "Dass solche Konzerne jetzt investieren, ist ein extrem positiver Indikator. Final trösten kann es uns natürlich nicht."
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Daher gehe es nun ums "Überleben in der Eiszeit". Wien müsse Konzepte bereithalten, "wie wir am besten gefrieren, um danach so schnell wie möglich wieder aufzutauen", so Kettner. Ein wesentlicher Bestandteil solcher Konzepte sind für ihn Antigen-Schnelltests, wie sie Austrian am Flughafen Wien erprobt.

Genau diese Tests sieht Kettner auch als Lösung für Mice-Events. Für ihre Tourismuskonferenz richteten die Wiener Teststraßen vor dem Kongresszentrum ein. "Innerhalb von drei Stunden waren alle 200 Gäste getestet", so Kettner.

Hoffen auf die schnelle Impfung

Klassische Hygienekonzepte gelten hingegen für die Weihnachtsmärkte, die nach dem November-Lockdown im Dezember starten sollen, so es die Corona-Lage zulässt. So soll nur jeder zweite Stand besetzt werden. "Auch wenn das weniger Umsatz bedeutet, sind solche Bilder wichtig", sagt Kettner. "Sie zeigen, dass Wien lebendig ist."

Und schon im kommenden Jahr soll das Städtetourismus- und Mice-Geschäft zumindest teilweise wieder Einzug halten. Vorausgesetzt, die Covid-19-Impfung kommt wie derzeit vermutet bis Februar 2021. Dann, sagt Kettner, könne es mit dem Aufschwung in der Stadt sogar recht schnell vonstatten gehen. Denn, so glaubt er: "Kongressbesucher und Städteurlauber werden zu den Ersten gehören, die sich gegen das Virus impfen lassen!"

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