Einreise

Hongkong beendet Politik der Flugverbote

Hongkong könnte für das Regime in Peking eine Art Versuchsballon sein, was die Lockerung der coronabedingten Einreiseregeln angeht.
Imago / Zuma Wire
Hongkong könnte für das Regime in Peking eine Art Versuchsballon sein, was die Lockerung der coronabedingten Einreiseregeln angeht.

Wenn sich an Bord eines in Hongkong landenden Flugzeugs Covid-Infizierte befanden, wurde für die entsprechende Strecke bislang ein Flugverbot verhängt. Jetzt ist dies nicht mehr der Fall.

Diese Politik stieß bei den in der einstigen britischen Kronkolonie sitzenden Unternehmen auf starke Kritik. Vor allem dem Ruf Hongkongs als Finanzzentrum hat ihren Angaben zufolge die strikte Anti-Corona-Politik geschadet.

Dieser sogenannte Circuit-Breaker-Mechanismus sei nun bis auf weiteres eingestellt worden, teilte die vom pekingtreuen John Lee geleitete Regierung der chinesischen Sonderverwaltungszone mit. Die Stadt werde stattdessen zu einem strengeren Testsystem übergehen. Diese könne importierte Corona-Fälle besser aufspüren als die bisher verfolgte Politik der Flugverbote, begründete Lee den Sinneswandel.

Die Aktien der arg gebeutelten Hongkonger Cathay Pacific Airways legten nach dieser Nachricht um sechs Prozent zu. Insgesamt stiegen sie seit Jahresbeginn um 34 Prozent.



Da Lee nur in Absprache mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping handeln darf, gehen Beobachter davon aus, dass es sich bei der Entscheidung um einen Versuchsballon auch für Festland-China handeln könnte. China hat seine Einreiseregeln in den vergangenen Wochen zwar gelockert, offiziell verfolgt das kommunistische Regime aber immer noch eine radikale Null-Covid-Politik. Jüngst wurden wie berichtet die Zentral-Quarantäne-Zeiten auf eine Woche verkürzt, die Zahl der nötigen Tests von drei auf zwei reduziert und das bis dato nötige behördliche Erlaubnisschreiben abgeschafft.

Lee begründete den Wechsel in seiner Einreisepolitik offiziell mit Pekings Aufforderung, "mit minimalen Kosten ein Maximum an Prävention und Kontrolle zu erreichen". Experten gehen davon aus, dass nun weitere Schritte der Lockerung folgen werden, die in einem gewissen zeitlichen Abstand dann auch von Peking übernommen werden könnten.

Bis zu zwei Wochen Flugverbot

Das bisher geltende System der Flugverbote sah vor, dass Fluggesellschaften bis zu zwei Wochen nicht mehr in Hongkong landen durften, wenn entweder fünf oder fünf Prozent der ankommenden Passagiere positiv auf Corona getestet wurden – je nachdem, welcher Wert höher war. Mehr als 100 solcher Verbote wurden ausgesprochen. Die Fluggesellschaften protestierten dagegen, da sämtliche Passagiere vor Abreise mehrfach negativ auf Covid-19 getestet worden seien.

Stattdessen verlangt Hongkong nun von allen Einreisenden am dritten Tag, einen zusätzlichen PCR-Test zu absolvieren. Insgesamt müssen sie damit innerhalb von zwei Wochen sechs PCR-Tests vornehmen. Zudem müssen sie nach Ankunft in ein Quarantäne-Hotel gebracht werden. Dort müssen sie sich sieben Tage lang isolieren. Der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge will Hongkong diese Zwangsquarantäne demnächst auf fünf Tage verkürzen.

Sie müssen sich einloggen oder registrieren, um kommentieren zu können.

stats