Dunkle Denkmäler

So wird im Tourismus Energie gespart

Das Brandenburger Tor sollte man sich besser bei Tage besehen.
Imago / Jürgen Ritter
Das Brandenburger Tor sollte man sich besser bei Tage besehen.

Genau 15 Prozent Gas wollen die EU-Mitgliedsstaaten einsparen – als Reaktion auf einen möglichen Gasnotstand im Herbst und Winter. Dabei gerät auch der Tourismus in den Fokus.

Obwohl nicht alle Mitgliedstaaten der Europäischen Union ihr Gas aus Russland bekommen, wollen sich die Länder solidarisch zeigen. Um solchen Partnern beistehen zu können, die unter einer Gasabschaltung Putins am meisten leiden würden (darunter Deutschland), wollen sie sowohl Gas als auch Energie sparen. Letzteres vor allem deshalb, da mit Hilfe von Gas oftmals auch Strom erzeugt wird. Zu diesem Zweck aber soll der in Europa knappe Rohstoff möglichst nicht mehr genutzt werden.

So hat heute erst Spanien verkündet, dass neben öffentlichen Gebäuden und Büros im Sommer auch Hotels, Kinos, Bahnhöfe und Flughäfen an heißen Tagen nicht unter 27 Grad Celsius abgekühlt werden dürfen. Umgekehrt soll es im Winter in diesen Locations maximal 19 Grad warm sein – falls die Heizung überhaupt benötigt wird. Und: Nach 22 Uhr dürfen keine Denkmäler mehr angestrahlt werden. Das gilt auch für Schaufenster. Spanien-Touristen ist daher nicht unbedingt ein nächtlicher Stadtbummel zu empfehlen.



Ähnlich streng will auch Deutschland vorgehen. So will die Bundesregierung von Unternehmen verlangen, dass nicht benötigte Räume im Winter auch nicht beheizt werden. Was die Maximaltemperatur in öffentlichen Gebäuden angeht, sind einige Städte bereits vorgeprescht. So darf Hannover von Oktober an nur noch auf höchstens 20 Grad aufdrehen, Kaiserslautern sogar nur auf 17 Grad. Zudem fällt mancherorts die Dusche nach dem Schwimmbadbesuch nicht mehr ganz so heiß aus.

Und genau wie in Spanien strahlen manche Städte ihre touristischen Wahrzeichen nicht mehr an. Allein in der Hauptstadt Berlin soll es an 200 Stellen künftig dunkel bleiben – darunter an der Siegessäule, am Brandenburger Tor und an der Gedächsniskirche. Auch hier gilt also: Sehenswürdigkeiten besser bei Tage betrachten.

Dasselbe gilt für Österreich. So hat Salzburg gerade verkündet, die Beleuchtung seiner Sehenswürdigkeiten einzuschränken. Statt um 1.00 Uhr werden sie nun schon um Mitternacht abgeschaltet. Besonders bei der mit etwa 13.000 Watt angestrahlten Festung über der österreichischen Stadt werde sich das bemerkbar machen, hieß es. Linz schaltet die Beleuchtung von Brücken und anderen öffentlichen Bauten schon um 23.00 Uhr ab. Auch Feldkirch will sein historisches Stadtzentrum in der Nacht künftig nicht mehr anstrahlen.

Leuchtreklame ausschalten

Frankreich will ebenfalls seine Klimaanlagen hoch- und die Heizungen herunterregeln. Genaue Werte werden aber bislang nicht genannt. Immerhin bezeichnet der französische Präsident Emmanuel Macron den nationalen Energiesparplan als "Generalmobilmachung". Außer an Flughäfen und Bahnhöfen muss zwischen ein Uhr nachts und sechs Uhr morgens die Leuchtreklame aus bleiben. Frankreich leidet derzeit unter starker Energieknappheit, da zahlreiche Atomkraftwerke veraltet sind und gewartet werden müssen.

Angesichts der unklaren politischen Lage in Italien, wo kürzlich Premierminister Mario Draghi zurückgetreten ist, gibt es derzeit noch keine umfassenden Beschlüsse zum Thema Energie- und Gassparen. Noch vor seinem Rücktritt hatte Draghi jedoch gefordert, dass die Beleuchtung an den touristischen Sehenswürdigkeiten abgeschaltet werden soll. Bereits im Mai hatte Italien allerdings entschieden, dass Klimaanlagen in öffentlichen Gebäuden nicht mehr unter 27 Grad kühlen dürfen. Im Winter darf auf höchstens 19 Grad geheizt werden.



Ähnliche Regeln in Bezug auf Klimaanlagen gelten auch in Griechenland. In touristischer Hinsicht gibt es bislang keine Beschlüsse. Kürzlich erst hatte die griechische Regierung deutschen Rentnern den Vorschlag unterbreitet, den Winter in dem Mittelmeerland zu verbringen, um damit zu Hause Gas zu sparen. In manchen Gegenden des Landes kann es zu dieser Jahreszeit jedoch auch kalt werden.

Die meisten anderen EU-Mitgliedstaaten haben derzeit noch nicht entschieden, wie genau sie Gas und Energie sparen wollen. Derzeit setzt die Union auf das Prinzip der Freiwilligkeit, um das 15-Prozent-Ziel zu erreichen. Sollte es jedoch zu einem wirklichen Gasnotstand kommen, könnte auch über Zwangsmaßnahmen diskutiert werden.

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