ASA-Arbeitsgemeinschaft

Afrika-Experten kritisieren deutsche Reisewarnungen

Unendliche Weiten – aber zum Hochinzidenzgebiet will das Auswärtige Amt Südafrika bisher nicht zurückstufen.
Singita Lebombo & Sweni Lodge
Unendliche Weiten – aber zum Hochinzidenzgebiet will das Auswärtige Amt Südafrika bisher nicht zurückstufen.

Die Arbeitsgemeinschaft südliches und östliches Afrika (ASA) wirft dem Auswärtigen Amt vor, Zielgebiete ungleich zu behandeln. Staaten wie Südafrika und Namibia würden überhart bewertet – im Vergleich etwa zu Indien oder Großbritannien.

Mit der Beibehaltung der Einstufung des südlichen Afrikas als Virusvariantengebiet, werde die Region "stigmatisiert", sagt ASA-Vorsitzender Werner Gordes. "Das kann so nicht weitergehen."

Zuvor hatte das Auswärtige Amt zahlreiche Länder wie Großbritannien, Indien und Portugal vom Virusvariantengebiet zum Hochinzidenzgebiet zurückgestuft. Die Begründung: Die Delta-Variante verbreitet sich inzwischen auch in Deutschland, sodass die Aufrechterhaltung der Einstufung als Virusvariantengebiet nicht mehr sinnvoll sei.



Die Delta-Variante herrsche inzwischen aber auch im südlichen Afrika erwiesenermaßen vor, teilte die ASA mit. Angaben des namibischen Gesundheitsministeriums zufolge sei bei 17 von 18 Genom-Sequenzierungen im Mai und Juni 2021 die Delta-Variante festgestellt worden. Die Tests seien in Zusammenarbeit mit dem RKI erfolgt.

Auch in Südafrika hat die Delta-Variante die Beta-Variante laut ASA verdrängt. Als Beispiel führt die Arbeitsgemeinschaft die Provinz Gauteng an: Im Mai habe die Beta-Variante noch 64 Prozent der sequenzierten Proben ausgemacht, im Juni seien es nur noch 37 gewesen. Im gleichen Monat sei der Anteil der Delta-Variante in der Provinz auf 53 Prozent gestiegen.  

"Wo bleibt die Gleichbehandlung der Länder?", fragt Gordes. "Die ASA fördert seit über 30 Jahren den Tourismus in diese Region und fordert von den Verantwortlichen, dass hier endlich eine Gleichbehandlung in der Bewertung erfolgt. Wenn es um sicheres Reisen im Sinne von Abstand geht, gibt es wohl keine andere Region, die sicherer ist."

Heimische Bevölkerung leidet schwer

Ohne Touristen steige zudem die Arbeitslosigkeit im südlichen Afrika weiter und der Naturschutz sei gefährdet. Eine Zurückstufung sei insofern auch kostenlose Entwicklungshilfe für die Region.

Jörg Ehrlich, Geschäftsführer des Reiseveranstalters Diamir Erlebnisreisen und ASA-Vorstandsmitglied sagt: "Es ist völlig unerklärlich, wie man vollständig geimpfte Personen mit einer Rückreisequarantäne-Pflicht abstraft und so das Reisen in sogenannte Virusvariantengebiete komplett zum Erliegen kommt. Ich kann es keinem Kunden erklären, wieso jetzt plötzlich Reisen nach Indien und Großbritannien sicher möglich sind und nach Namibia oder Südafrika nicht."

Eine Herunterstufung Namibias fordert auch Matthias Lemcke, ASA-Vizepräsident und Marketing-Manager für Europa für das Namibia Tourism Board in Frankfurt. "Da wie in Deutschland, England oder Indien nun auch in Namibia nachweislich die Delta-Variante des Coronavirus dominant ist, muss auch für dieses Reiseland ein solches Herunterstufen stattfinden. Zumal die Inzidenzen wieder sinken und das dünn besiedelte Land dem Reisenden Weite, Abstand und professionelle Hygiene-Konzepte auf den Lodges bietet."

Mit der Herunterstufung zum Hochrisikogebiet wären zahlreiche Reiseerleichterungen verbunden. So entfällt für vollständig geimpfte und genesene Personen die Quarantänepflicht vollständig, für alle anderen wird sie verkürzt, oder ein Freitesten nach fünf Tagen ermöglicht. Zudem entfällt das Beförderungsverbot der Airlines für Nicht-Deutsche oder nicht in Deutschland lebende Personen.

Auswärtiges Amt reagiert ausweichend

Auf Anfrage von fvw|TravelTalk wollte das Auswärtige Amt keine konkrete Stellungnahme zur Einstufung der Länder Südafrika und Namibia abgeben. Die Behörde teilte allgemein mit: Die Entscheidung über eine Einstufung als Risikogebiet und auch deren Aufhebung treffe das Auswärtige Amt gemeinsam mit dem Bundesinnen- und dem Bundesgesundheitsministerium. "Die Einstufung wird fortlaufend überprüft, die entsprechende Liste auf der Website des RKI wöchentlich und anlassbezogen auch in kürzeren Abständen aktualisiert."

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