Ifo-Institut

Einkommensverluste trotz BIP-Wachstum

In Deutschland wurden 2022 Einkommensverluste verzeichnet.
Imago/aal.photo
In Deutschland wurden 2022 Einkommensverluste verzeichnet.

Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist im vergangenen Jahr nach Angaben des Ifo-Instituts um 1,9 Prozent – und damit deutlich stärker als im langjährigen Durchschnitt – gewachsen. Allerdings betont Timo Wollmershäuser, Leiter der Ifo-Konjunkturprognosen, dass die "gewaltigen Angebotsschocks" in der deutschen Wirtschaft ihre Spuren hinterlassen hätten. Wollmershäuser: "Engpässe bei Energie, Vorprodukten und Arbeitskräften, die sich mit dem Krieg in der Ukraine deutlich verschärft haben, schränkten die Produktion ein und trieben die Inflation in die Höhe. Daher fällt das Wachstum des BIP im Jahr 2022 nur etwa halb so groß wie noch vor Beginn des Krieges mit plus 3,7 Prozent erwartet worden war."


Trotz des BIP-Wachstums wurden Einkommensverluste registriert, da die in Deutschland erwirtschafteten Einkommen die hohen Importrechnungen begleichen mussten. Denn Energie- und Vorprodukte aus dem Ausland sind teurer geworden.

Daher dürften die verbleibenden Realeinkommen der deutschen Haushalte und Unternehmen nach Schätzungen des Ifo Instituts im vergangenen Jahr um 0,7 Prozent geschrumpft sein. Vor Ausbruch des Krieges war ein Anstieg um 2,6 Prozent erwartet worden. Dazu führt Wollmershäuser aus: "Damit hat die derzeitige Wirtschaftskrise nicht nur das Wachstum des volkswirtschaftlichen Kuchens verringert, der mit dem Bruttoinlandsprodukt gemessen wird. Auch musste wegen der gestiegenen Importpreise ein größer werdender Teil dieses Kuchens an das Ausland abgegeben werden. Insgesamt ging Deutschland im vergangenen Jahr Realeinkommen und damit Wohlstand im Umfang von schätzungsweise knapp 110 Milliarden Euro verloren."

Das Münchener Institut erwartet einen weiteren Rückgang beim privaten Konsum und im Baugewerbe, da die hohe Inflation anhalten wird – gepaart mit steigenden Zinsen. Hingegen werden die hohen Auftragsbestände und nachlassende Engpässe bei Energie und Vorprodukten die Industriekonjunktur stützen. Ab dem zweiten Quartal sei mit einer Stagnation der gesamtwirtschaftlichen Produktion zu rechnen. 

Allerdings: Das Ifo-Institut erwartet im selben Zeitraum einen spürbaren Rückgang der Inflation und kräftige Steigerungen bei den Einkommen. Ein Silberstreif am Horizont.

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