Aktuelle FUR-Reiseanalyse

Gute Startbedingungen für das Reisejahr, aber ...

Die Lust auf Urlaub ist vorhanden, es fehlt auch nicht am Geld oder an der Zeit. Eigentlich gute Voraussetzungen ermittelt die Reiseanalyse in ihrer neuen Umfrage für das Reisejahr. Doch die alten Ungewissheiten sind auch die neuen.
Kurzreisen werden in diesem Jahr zulegen, zeigt die FUR-Umfrage.
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Kurzreisen werden in diesem Jahr zulegen, zeigt die FUR-Umfrage.

Alljährlich zur Reisemesse CMT stellt Martin Lohmann für die Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reise (FUR) erste Ergebnisse ihrer neuen Reiseanalyse zu den Urlaubsabsichten der Deutschen vor.

Der Tenor: Die Indikatoren für die touristische Nachfrage in diesem Jahr sind positiv. Mit Blick auf die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung sind die Deutschen optimistischer als vor einem Jahr.


Sie schätzen auch ihre eigene Lage besser ein: Gut jeder Fünfte (Vorjahr 17 Prozent) erwarten, dass sich ihre persönliche wirtschaftliche Situation in diesem Jahr verbessern wird. Wie im Vorjahr erwartet jeder Vierte eine Verschlechterung. Die verbleibenden 54 Prozent erwarten keine Veränderung.

Mit Urlaubsreisen 2022 haben sich bereits im vergangenen November mehr als vier von fünf Deutschen (82 Prozent) gedanklich beschäftigt. Ob jemand tatsächlich eine Reise antritt, ist dann eine Frage von Zeit, Geld und der Reiselust. Und da sieht es gut aus.

Die Urlaubslust (61 Prozent) erzielt ebenso einen Höchststand wie die Faktoren Zeit (72 Prozent) und Geld (70 Prozent). Insgesamt drückten diese Ergebnisse eine sehr positive Urlaubsstimmung aus. "Urlaubsreisen waren und bleiben für die meisten Deutschen ein unverzichtbarer Bestandteil der Lebensqualität", sagt Martin Lohmann.
Wie die Deutschen ihre Reisepläne 2022 angehen.
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Wie die Deutschen ihre Reisepläne 2022 angehen.

Allerdings: Trotz der guten Voraussetzungen ist auch 2022 mit einer geringeren Nachfrage im Vergleich zu 2019 zu rechnen, prognostiziert die FUR. Denn ebenso wie in den Vorjahren beeinflussen die Regelungen und Begrenzungen die Zugänglichkeit und die Kapazitäten touristischer Angebote und damit das Volumen der Urlaubsreisen und deren Gestaltung.

Die Unwägbarkeit der wechselnden Vorschriften führe bei vielen Reisewilligen zum Abwarten bei der konkreten Reiseplanung und -buchung. Der Informationsbedarf ist hoch. Von den Anbietern erwarteten Reisewillige viel Flexibilität und Kulanz, hat die FUR-Umfrage ergeben.

Es sei mit 60 Mio. Urlaubsreisen (2021: 50 Mio., 2019: 71 Mio.) der deutschsprachigen Bevölkerung zu rechnen. Ein hoher Anteil werde auf Ziele im Inland und in den Nachbarländern und ein gegenüber 2019 relativ geringer Anteil auf Flugreisen entfallen. "Im Vergleich zu 2020/21 bedeutet das einen Schritt Richtung Normalisierung zur Situation vor Ausbruch der Corona-Pandemie", heißt es.

Langfristige Entwicklung wie vor Corona

Auf lange Frist werde die Tourismusnachfrage nach Corona nicht völlig anders als vor Corona sein, meint Martin Lohmann. Die Pandemie spiele als direkter Treiber für die Nachfrageentwicklung eine zeitlich befristete Rolle.

Unter der Voraussetzung, dass der Umgang mit der Pandemie wieder ein gesellschaftliches Leben im gewohnten Maß erlaubt, werde das Urlaubsreiseverhalten von 2023 an wieder den ohne Pandemie erwarteten Entwicklungspfad nehmen, lautet die Prognose.

Der Grund: Die "Basis-Triebkräfte" für Urlaubsreisen bestünden fort. "Die Menschen bleiben die gleichen, mit ihren Motiven, Gewohnheiten und Präferenzen, aber auch ihrer Flexibilität und ihrer Verschiedenheit."

Der Tourismus werde sich auch in Zukunft dynamisch entwickeln. Der Wandel komme vor allem durch Entwicklungen in den Rahmenbedingungen und im touristischen Angebot, etwa bei den Themen Nachhaltigkeit, technologischer Wandel und Personal.
Das ist die Reiseanalyse
Die FUR ist der Träger der jährlichen Reiseanalyse (RA). Zur fachlichen Vorbereitung hat die FUR im November eine aktuelle Umfrage durchgeführt (repräsentativ für die deutschsprachige Wohnbevölkerung 14-75 Jahre; n = 2500, Erhebung durch Ipsos) und die Zeitreihen der Reiseanalyse ausgewertet. Die RA 2022 mit Erhebungswellen im Mai, September, November und Janunar ist die 52. Reiseanalyse.

Vorläufige Bilanz für 2021

Für das vergangene Jahr ist in Deutschland mit 284 Mio. Übernachtungen (nach 302 Mio. 2020) Übernachtungen zu rechnen. 2019 waren es noch 496 Mio. Übernachtungen gewesen.

Für den Bereich der Urlaubsreisen (mindestens fünf Tage Dauer) der Deutschen erwartet die FUR nach vorläufigen Daten ein niedriges Niveau der Nachfrage mit einem Volumen von etwa 50 Mio. Urlaubsreisen (Niveau wie im Vorjahr).

Die erwartete Zahl der Kurzurlaubsreisen (Dauer zwei bis vier Tage) liegt bei 47 Mio. Das wäre ein Plus von 27 Prozent gegenüber 2021, aber gegenüber 2019 ein Minus von 50 Prozent.

Die Buchungslage
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Bei allen Bevölkerungsgruppen war die Urlaubsreiseintensität in den Jahren 2020 und 2021 geringer als im letzten Vor-Pandemie-Jahr. Besonders sank die Teilnahme an Urlaubsreisen bei Älteren über 60 Jahre und bei Personen aus Haushalten mit geringem Einkommen. 

1 Kommentar

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1.
Dietmar Rauter
Erstellt 16. Januar 2022 10:31 | Permanent-Link

Die Corona-Einschränkungen sind ja geradezu Fluchthelfer. Ein Ziel ohne jede Ansteckungsgefahr wäre doch schnell überlaufen. So ist es doch auch grotesk, dass viele Kunden der Kreuzfahrtbranche aus der Not der Inzidenzen überall woanders dort gebucht haben, in der Annahme, auf See sicherer zu sein. Die Fakten sind aber andere, wenn es der Besatzung eines MSC-Kreuzers, auf dem sich viele Ansteckungen zeigten, den Aufstand der sich verweigernden 'Gäste' kaum in den Griff bekamen. Das Gleiche gilt auch für Flugzeugbesatzungen, wenn zu viele Passagiere inzwischen die gleichen Trotzreaktionen praktizieren wie die ungeimpften und maskenfreien Querdenker. Es sind einfach zu viele Egoisten unterwegs, die mit Gemeinsinn und Verantwortung – letztlich auch vor sich selbst – nichts am Hut haben. Gelernt ?

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