VIR Online Innovationstage (mit Bildergalerie)

Geschäftsideen jenseits der Pauschalreise

Michael Buller eröffnet die VIR Online Innovationstage
VIR
Michael Buller eröffnet die VIR Online Innovationstage

Sechs Start-ups aus unterschiedlichen Bereichen der Touristik haben beim VIR Sprungbrett-Wettbewerb ihre Geschäftsmodelle vorgetragen. Was sie eint: Sie haben alle Ideen, die wenig bis gar nichts mit der klassischen Pauschalreise zu tun haben.

"Wir haben die Glühbirne, das Motorrad und das Auto erfunden. Wir waren in Deutschland immer vorn. Wir können das", sagt VIR-Vorstand Michael Buller selbstbewusst in seiner Eröffnungsrede bei den VIR Online Innovationstagen in Berlin. Dabei ist er ganz schön gefrustet. Denn zuletzt erst haben ihm Reisen nach China und Israel gezeigt, was andernorts an Innovationen möglich ist, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

"Wir haben in Deutschland kein Klima der Förderung, sondern der Verhinderung", so Buller mit Blick auf die Sektoruntersuchungen des Bundeskartellamts und den Umgang mit Datenschutz. "Nur wer den Lead bei künstlicher Intelligenz hat, kann auch in Zukunft erfolgreich sein", so Buller. In Deutschland sei die Politik "weit vorn mit Verboten". Anstatt zu überlegen, wie man Dinge besser machen kann oder investieren kann, würden sie verboten, so Buller. Beispiel Umweltschutz: Anstatt zu überlegen, wie sich der CO2-Ausstoß in Kohlekraftwerken beseitigen lässt, würde man sie verbieten, moniert Buller. "In Deutschland  haben wir die DSGVO durchgezogen. In Italien wissen die noch gar nicht, dass die stattgefunden hat", witzelt Buller.

In den zwei Tagen in Berlin geht es um Innovationen: um neue Geschäftsmodelle von Start-ups, darum wie Gründer und Investoren zusammenfinden und vor allem darum, wie etablierte Konzerne Innovationsprozesse anstoßen und Start-ups ins Unternehmen holen.

VIR Online Innovationstage: Hauptsache innovativ: Pitchen und Netzwerken



Der ADAC macht es vor. Mit der Gründung des Start-ups Pincamp, das von Uwe Frers in Berlin mit etwa 30 Mitarbeitern fernab der Münchner Zentrale geführt wird, zeigt der Automobilclub, dass sich Neues offenbar einfacher in neuen Strukturen schaffen lässt. "Mit Pincamp haben wir eine junge Marke. Den ADAC haben wir als strategischen Investor im Rücken", so Frers. Das Start-up hat sich nichts Geringeres vorgenommen als den Campingmarkt in Europa zu digitalisieren. Die 26.000 Plätze seien bislang nur zu 15 Prozent online buchbar, so Frers. Pincamp wil das ändern. Der ADAC als Marke öffne vor allem im B-to-B-Geschäft Türen, "Gott gleich", sagt Frers scherzhaft.

Acht multilinguale Key-Acounter und 50 Handelsvertreter, die mehrere tausend Camingplätze im Jahr besuchen sollen, sollen den Wachstumsmarkt buchbar machen. Bis 2023 will Pincamp auf 86 Mio. Euro Buchungsumsatz und auf zehn Millionen Euro Umsatz durch Provisionen kommen. Auf der Plattform sind bereits Daten und Bildmaterial von mehr 9000 Campingplätzen in Europa zusammengetragen.

Im Sommer 2019 soll nun die Buchbarkeit der Plätze erfolgen. Die Jury des VIR Sprungbrett-Wettbewerbs hat Frers mit seiner Präsentation, die er mit dem Aufruf "Make Adiletten great again" beendet, überzeugt. Er steht als Sieger beim Wettbewerb auf der Bühne.

In einem Pitch hatten insgesamt sechs Finalisten jeweils sieben Minuten Zeit, um vor den über 300 Teilnehmern der VIR Online Innovationstage ihre Geschäftsidee zu präsentieren und sich anschließend den Fragen der Fachjuroren zu stellen. Mit knappem Abstand hinter Pincamp landete Motourismo auf Platz zwei.

Das Portal für Motorradreisen will eine Marktlücke schließen: Reisen, Trainings und Transporte für Motorradfahrer auf der ganzen Welt. "Es gibt Millionen von Motorradfahrern. Der Markt ist groß und noch nicht digitalisiert", sagt Christoph Kähler, einer der beiden Gründer aus Hamburg. Seinen Schätzungen zufolge schlummern dort 78 Mrd. Euro Umsatz weltweit. Verdienen will das Unternehmen an der Vermittlung der Reisen. Auf www.motourismo.com werden Angebote von derzeit rund 70 Veranstaltern integriert, deren Zahl sich kontinuierlich erhöhen soll.

Der Drittplatzierte Giggle konnte bei der Fachjury mit seinem B2B-Produkt für die Hotellerie punkten. Das Start-up hat ein digitales Tool entwickelt, mit dem Gastgeber Erlebnisse buchbar machen können. Der Gast erhält gezielte Informationen, was er in seinem jeweiligen Hotel oder in der Region erleben kann.

Zudem sollen auch die Datensätze von Gästen analysiert werden können. "Es gibt eine neue Generation von Hoteliers. Die verstehen sich als Service-Dienstleister und nicht mehr nur als Verwalter von Betten", so Giggle-Gründer Tobias Schrott. Das Ziel der Hotellerie müsse sein, mit jedem Gast mehr Umsatz zu machen und ihm authentische Erlebnisse zu bieten, die er dann mit seinem Hotelaufenthalt in Verbindung bringt. "Wir sind eine cloudbasierte B-to-B-Software", beschreibt Schrott.


Zu den weiteren Finalisten gehörten die Adigi GmbH (www.adigi.ai), Tripmind  (www.tripmind.de) und die BierAkademie (www.bierakademie.net), die es dank Voting durch die fvw-Leser auf das Podium schafften.

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

Fachmedien und Mittelstand Digital Logo
Nutzungsbasierte Onlinewerbung
stats