VDR-Herbsttagung

Skeptische Leistungsträger

VDR-Präsident Dirk Gerdom
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VDR-Präsident Dirk Gerdom

Die Branche ist noch von Unsicherheit geprägt. Während etliche Travel Manager für 2010 mit einer Erholung des Marktes rechnen, sind Leistungsträger skeptisch - auch auf der VDR-Herbsttagung.

Martin Jürs

Danach rechnet immerhin ein gutes Fünftel der VDR-Mitglieder ab dem ersten Quartal 2010 mit einem Anstieg der Geschäftsreisen. Weitere 17 Prozent der Travel Manager erwarten ab dem zweiten Quartal eine Zunahme bei den Dienstfahrten ihrer Unternehmen.

Die in München anwesenden Leistungsträger blieben trotz dieser Aussichten skeptisch. So betonte Christoph Debus, Finanzvorstand von Air Berlin, einmal mehr die "einmalige Dimension" der aktuellen Krise. Selbst Air Berlin, die in den Krisen der Vergangenheit immer gewachsen sei, müsse nun Rückgänge hinnehmen, so Debus auf dem Tagungspodium.

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Während der Umsatz von Air Berlin mit 3,4 Mrd. Euro 2009 auf dem Vorjahresniveau verharren dürfte, liege die Zahl der beförderten Passagiere am Jahresende wohl um fünf Prozent unter der von 2008. Mit einer schnellen Erholung der Airline-Branche rechnet Debus nicht: "Rückschläge und eine längere Stagnation sind möglich."

Als Krisen erprobt präsentierte sich Erich Sixt. Der Vorstandsvorsitzende des gleichnamigen Autovermieters erlebt nach eigenen Worten bereits seine siebte Wirtschaftskrise. Rote Zahlen habe er in keiner geschrieben. Auch diesmal werde man das Geschäftsjahr positiv abschließen. Trotzdem geht die Flaute im Geschäftsreise-Markt auch an der deutschen Nummer Eins unter den Mietwagen-Anbietern nicht spurlos vorüber. Trotz Preiserhöhungen zwischen fünf und zehn Prozent ist der Vermietumsatz von Sixt im ersten Halbjahr um drei Prozent gesunken. Auch das Ergebnis sei "nicht befriedigend", so Sixt.

Von einer längeren Durststrecke geht Peter Verhoeven, Deutschland-Chef von Accor aus. "Es wird fünf bis sieben Jahre dauern, bis man das Niveau von 2008 wieder erreicht", ist der Hotelmanager überzeugt. 2010 werde ein schwieriges Jahr, da die Kapazitäten im deutschen Hotelmarkt immer noch steigen würden und der Preisdruck dadurch hoch bleiben werde.

Um Accor einigermaßen sicher durch die Krise zu steuern, will Verhoeven die Franchise-Schiene ausbauen. "Das ist ein Entwicklungsmodell", so Verhoeven. Kurzfristige Entlastung bringt dies allerdings nicht mehr. 2009 dürfte sich das Ergebnis von Europas führendem Hotelkonzern von zuletzt 970 Mill. Euro mehr als halbieren.

Kräftig Federn lassen muss auch die Lufthansa. "Es gab noch kein Jahr, in dem die Erlöse so in den Keller gingen wie 2009", sagte Vorstand Stefan Lauer. Je nach Airline im LH-Verbund verzeichne man Rückgänge von 20 bis 25 Prozent. Besonders betroffen war das Firmengeschäft. Laut Lauer ging der Umsatz mit Geschäftsreisenden um 36 Prozent zurück.

Angesichts der strukturellen Veränderungen im Markt, müsse die Lufthansa ihr Geschäftsmodell zumindest in Teilen überdenken. So sei eine "gewisse Simplifizierung" des Angebots erforderlich, ohne den Anspruch als Qualitätscarrier aufzugeben.

Wie dieser Spagat gelingen soll, verriet Lauer nicht. Dabei schloss er den Weg anderer Airlines, zunehmend Leistungen auszugliedern und dafür die Kunden zur Kasse zu bitten, aus: "Wir werden nicht für jede Kleinigkeit Geld nehmen." Die anwesenden Travel Manager hörten es mit Genugtuung.

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