Überbrückungshilfen

LCC und Best schlagen bei der Regierung Alarm

An das Bundeswirtschaftsministerium in Berlin – hier das imposante Amtsgebäude – richten sich die Wünsche der LCC- und Best-Reisen-Frontmänner.
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An das Bundeswirtschaftsministerium in Berlin – hier das imposante Amtsgebäude – richten sich die Wünsche der LCC- und Best-Reisen-Frontmänner.

"Lange halten wir das nicht mehr durch." Das schreiben Markus Orth, Geschäftsführer der Lufthansa City Center (LCC), und Cornelius Meyer, Vorstand von Best-Reisen, in einem Brief an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier. Gemeinsam fordern sie ein Nachjustieren bei den Überbrückungshilfen.

Die Reisebranche ist massiv von der Corona-Krise betroffen, die Stimmung in den Reisebüros ist so schlecht wie noch nie: Es fehlt an Buchungen und damit am nötigen Umsatz, um zu überleben. Auch bei den Reisebüro-Verbünden von LCC und Best-Reisen gehen die Manager davon aus, dass sich die dramatische Situation bis weit ins Jahr 2021 anhalten wird. "Um zu überleben, sind wir auf die Hilfe der Bundesregierung angewiesen", heißt es in dem Schreiben von Meyer und Orth an Altmaier, das der fvw vorliegt.


Darin bedanken sich der Best-Reisen-Vorstand und der LCC-Geschäftsführer zwar für die bisherigen Hilfen, machen aber auch deutlich, dass die bei weitem nicht für alle ausreichten. Der Grund: "Die aktuellen Förderpakete treffen nicht ausreichend den Bedarf unserer Unternehmen", argumentieren die zwei und bitten darum, beim neuen Beihilfepaket unbedingt auch die unterschiedlichen Betriebsgrößen, Kostenblöcke und die spezielle Situation im Reisevertrieb zu berücksichtigen.

Hilfen gehen an großen Büros vorbei

Dass sich ausgerechnet die Franchise-Kette Lufthansa City Center und die Reisebüro-Kooperation Best-Reisen mit dem Anliegen zusammenschließen, hat einen Grund. Beide vereinen viele große Reisebüro-Unternehmen mit teilweise hohem Geschäftsreisenanteil, hohen Umsätzen und vielen Mitarbeitern. Die sind daher oft zu groß, um von bestimmten staatlichen Corona-Hilfsleistungen zu profitieren. "Für größere Betriebseinheiten wie bei LCC und Best-Reisen mit bis zu 100 Mitarbeitern und bis zu 100 Mio. Euro Umsatz sind die Überbrückungshilfen viel zu gering. Die wegfallenden Erträge können damit nicht kompensiert und die Fixkosten nicht mal annähernd gedeckt werden. Erste Insolvenzen beziehungsweise anstehende Liquidationen sind bereits das Ergebnis", zeigen Meyer und Orth Richtung Bundeswirtschaftsministerium an.

Und das fordern die LCC- und Best-Reisen-Frontmänner ganz konkret mit Blick auf die Überbrückungshilfen von der Regierung:

  • Wegfall der Kappung von Überbrückungshilfen bei 50.000 Euro im Monat rückwirkend ab Juni 2020
  • Verlängerung der Zahlung von Überbrückungshilfen bis mindestens Februar 2021
  • Anrechnung von bis zu 100 Prozent der Fixkosten
  • Erhöhung des Personalkostenanteils von 10 auf 50 Prozent wegen des hohen Aufwands an Umbuchungen aufgrund von Reisewarnungen
  • Berücksichtigung des coronabedingten Wegfalls von Margen, Provisionen und Service-Entgelten, unabhängig vom Buchungszeitpunkt. Bislang greife das nur für Reisen, die bis zum 18. März 2020 gebucht worden seien.
  • Einbeziehung ausbleibender Entgelte aus der Vermittlung von Geschäftsreisen ab dem 1. April 2020, was bislang überhaupt noch nicht berücksichtigt worden sei.

Nach dem Bundeswirtschaftsminister wollen sich Orth und Meyer in diesen Tagen mit weiteren gemeinsamen Briefen auch an die Ministerpräsidenten aller Länder wenden. Zudem haben sie eine Briefvorlage für ihre Mitglieder entwickelt. Die sollen den Faden ihrer Zentralen aufgreifen und sich mit einem Schreiben an ihre jeweiligen Bundestagsabgeordneten wenden.

Markus Orth leitet die Franchise-Kette Lufthansa City Center in Deutschland.
FVM Medien/RIM
Markus Orth leitet die Franchise-Kette Lufthansa City Center in Deutschland.

Orth und Meyer hoffen so, noch mehr Gehör zu finden. Gemeinsam zählen ihre beiden Organisationen knapp 1000 Unternehmen mit 4400 Mitarbeitern und einem Gesamtumsatz von insgesamt vier Milliarden Euro.
Best-Reisen-Vorstand Cornelius Meyer zählt gut 600 Reisebüros in seiner Kooperation.
Jörg Sänger
Best-Reisen-Vorstand Cornelius Meyer zählt gut 600 Reisebüros in seiner Kooperation.


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1.
Dietmar Rauter
Erstellt 18. September 2020 11:12 | Permanent-Link
bearbeitet

Natürlich befinden wir uns -unabhängig von Corona- in einem Umstrukturierungsprozess. Wir erleben 'nur' eine unglaubliche Beschleunigung der Veränderungen. Große Player , deren Geschäftsprinzip vormals der Agenturvertrieb war, die überhaupt erst durch eine regionale Verankerung Fuß fassen konnten, erst zu dem gefüttert wurden, was sie heute ausmacht, verzichten mittlerweise auf diese Unterstützung im Vertrieb. Sie wurden größer und bilden sich ein, es sich leisten zu können, ihre Marktmacht weitestgehend auf IT und überregioale Werbemaßnahmen zu stützen und dem Endverbraucher aufzunötigen. Unsere Ohnmacht als Dienstleister für unsere Kundschaft , wo uns noch unglaublich viel komplett unbezahlte Tätigkeiten aufgezwunden wurden, zeigt diese Abhängigkeiten, die ja noch viel mehr diejenigen betreffen, die ohne unsere Buchungs- und Beratungsunterstützung im direkten Draht mit den Veranstaltern und Fluggesellschaften konfrontiert wurden. Deutlicher als in dieser Krisensituation konnte es gar nicht werden, wie wichtig Mittler zwischen Kunden und Produzenten sein können und müssen. Hier werden die Rechte der Verbraucher massiv eingeschränkt und verletzt. Insofern ist es wichtig, hier Grenzen zu setzen, um den Einzelhandel und die Vermittlertätigkeit zu kämpfen und der Politik deutlich zu machen, hier werden Kundenrechte beschnitten, Arbeitsplätze abgeschafft und einer ständigen Machtverschiebung in Richtung Amazon & Co inklusive Schaffung weiterer prekärer Arbeitsbedingungen Vorschub geleistet. Wir sind wichtig im Markt und müssen überleben, trotz Pandemie!
PS: Die 'Großen' haben sich durch ihre Rationalisierungsprozesse in eine Situation gebracht, in der sie die Verbrauchererwartungen gar nicht mehr erfüllen können. Zusätzlich haben sie sich von ihren 'Kunden' ihre Geschäftstätigkeiten soweit kreditieren lassen, dass wir schon von Unterschlagung sprechen müssen. Wo bleibt da die staatliche Kontrolle ?

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