Travel Management

Krise nur eine nötige Korrektur?

Auf Einladung des Travel Industry Clubs sprachen Branchenprofis über die Zukunft der Geschäftsreise. Für Siemens-Travel-Manager Lutz Stammnitz steht fest: Die Krise bringt Normalität.

Lutz Stammnitz, Leiter Indirekter Materialeinkauf bei Siemens, kann darüber nur lachen. "Die Krise hat uns allen eine dringend nötige Korrektur gebracht", sagt Stammnitz auf einem Networking-Abend des Travel Industry Clubs in Düsseldorf. Bei den Geschäftsreisen schrumpfen wir endlich auf ein vernünftiges Maß zurück." Die so genannten "Skat-Reisen", die sich bei vielen Unternehmen eingeschlichen hätten, gebe es nun nicht mehr: "Statt allein zu reisen haben Business Traveller oft zwei Kollegen mitgenommen, die eigentlich nicht notwendig waren."

Der Münchner Konzern hat seinen Worten zufolge 25 bis 30 Prozent seiner Business-Trips eingespart. Reiseverbote gebe es aber nur für unternehmensinterne Standorteisen. "Bei Kundenkontakten haben wir nicht einen einzigen Euro gekürzt", versichert Stammnitz.

Als Krisengewinner sieht sich - trotz Passagierrückgangs und Kapazitätskappung - die Fluglinie Air Berlin. In der Krise habe die Gesellschaft ihrem Konkurrenten Lufthansa deutlich Marktanteile im Business Travel abspenstig gemacht. "Viele Firmenkunden sind von Lufthansa zu uns gewechsel", sagt Air-Berlin-Vertriebsdirektor Detlef Altmann in Düsseldorf. Sein Kollege Tobias Ruoff vom Mietwagenanbieter Hertz berichtet, dass sein Unternehmen einen Anstieg der Langzeitmieten feststelle, während zugleich ein klarer Spartrend festzustellen sei: "Wir spüren eine neue Bescheidenheit. Große Autos sind nicht mehr populär."

Auch Martina Eggler, Vertriebschefin der Geschäftsreisebürokette CWT, konstatiert die Sparbemühungen, sieht das aber einhergehend mit einer zunehmenden Bedeutung des Travel Managements. "Die Nachfrage nach Reportings war noch nie so groß wie heute", sagt sie: "Firmenvorstände schauen sich gerade jetzt die Geschäftsreiseausgaben sehr genau an." Als Nachteil betrachtet sie das nicht, sondern spricht von einem "Strukturwandel, der durch die Krise lediglich beschleunigt wurde. Travel Management ist erwachsen geworden - und funktioniert immer professioneller."

Ein Punkt, dem Air-Berlin-Manager Altmann nicht ganz zustimmen kann. "Was hat es mit Professionalität zu tun, wenn ein Unternehmen plötzlich auf die Idee kommt, seine Geschäftsreisekosten mal eben um 90 Prozent runterzufahren?", fragt Altmann. "Tatsache ist doch, dass in einer Krise zunächst am Marketing und an den Reisekosten gespart wird. Und das wird von ganz oben vorgegeben - da kann das Travel Management gar nichts machen."

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