Schnelle Hilfe gefordert

Reisebüros demonstrieren in rund 40 Städten

Jetzt wird's laut: Am morgigen Mittwoch wollen Reisebüros bundesweit auf die Straße gehen.
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Jetzt wird's laut: Am morgigen Mittwoch wollen Reisebüros bundesweit auf die Straße gehen.

Das erste Mal in der Geschichte werden deutschlandweit Reisebüro-Mitarbeiter demonstrieren, um für ihre politischen Ziele zu kämpfen. In rund 40 Städten sind bereits Kundgebungen geplant – und die Zahl wächst.

Von Berlin bis Koblenz, von Magdeburg bis Dortmund: Im ganzen Bundesgebiet werden am morgigen Mittwoch, 29. April, Reisebüro-Mitarbeiter auf die Straße gehen. Ihre Hauptforderung: finanzielle Soforthilfe, um die Corona-Krise zu überleben. Die Zahl der Städte steigt aber noch, denn es werden noch weitere Anträge eingereicht.

Meist zwischen 10 und 50 Teilnehmer

Die Teilnehmerzahl schwankt in der Regel zwischen 10 und 50 – mehr ist oft wegen der strengen Auflagen für Demonstrationen in Corona-Zeiten nicht erlaubt. In Hannover haben die Behörden eine Kundgebung mit 300 Teilnehmern genehmigt. In Paderborn ist die Zahl der Teilnehmer laut den Organisatoren sogar unbeschränkt – die Demonstration ist auf einer großen Fläche am Flughafen geplant. 

Um auf ihre Forderungen aufmerksam zu machen, haben sich die Demonstranten einiges einfallen lassen. So wollen viele am Ort ihrer Kundgebung leere Koffer und Sonnenliegen aufstellen. Zudem ist unter anderem geplant, alte Reisekataloge entweder in Bergen aufzutürmen oder das Wort "Reisebüro" damit auszulegen.

Fieberhaft laufen die Vorbereitungen

Die Initialzündung für die bundesweiten Proteste gab offenbar ein fvw-Artikel vergangene Woche über den Reisebüro-Inhaber Rainer Maertens aus Dresden, der einen Konvoi mit rund 50 Bussen durch die Stadt organisiert hat. Auch seine Protestaktion ist für den morgigen Mittwoch geplant. In einigen Städten können die Demos auch etwas später stattfinden, da die Genehmigungen erst kürzlich beantragt wurden oder die Behörden länger brauchen.

Die Reisebüro-Bewegung organisiert sich hauptsächlich über die offene Facebook-Gruppe „Vorbereitung bundesweite Demo Reisebüros“, die am 22. April von den Reiseprofis Anke Mingerzahn und Marion Tibursky gegründet wurde und inzwischen mehr als 4400 Teilnehmer zählt.  "Als Anke und ich letzten Mittwoch die Gruppe starteten, waren wir nur zwei Reisebüroinhaberinnen, die unbedingt Gesicht zeigen wollten, dass wir auch da sind und nicht nur die Großkonzerne wie TUI und LH", erläutert Marion Tibursky. "Schon innerhalb kürzester Zeit  stellten wir einen unglaublichen Zuspruch zu unserer Facebook-Gruppe fest, der uns echt sowas von stolz macht. Wir hätten nie gedacht, dass ein derart großes Bedürfnis bei den Reisebüros da ist, auch Gesicht zu zeigen und mit uns demonstrieren zu wollen."

Jetzt nähmen die Reisebüros ihr Schicksal selbst in die Hand. "Wir hoffen, dass es wie ein Flächenbrand unsere Politiker erreicht und für uns Reisebüros, ein Teil der Familie Touristik, wirkliche echte Hilfe bewirkt", erläuterte die Reisebüro-Inhaberin.

Fieberhaft bereiten die Mitglieder Pressemitteilungen vor. Publikumsmedien haben auch bereits Interesse an einer Berichterstattung bekundet. So berichtet Maertens davon, dass sich der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) und der Nachrichtensender N-TV gemeldet hätten.
Weiterführende Informationen

Kevin Walther, Inhaber des Reisebüros Fernweh in Apolda, hat sogar Großplakate drucken lassen, die er in Stadtzentren aufhängen will. "Ich spüre, dass der Zusammenhalt immer größer wird und wir zu einer starken Gemeinschaft werden", sagt Walther über die Reisebüros.

Viele Reisebüro-Inhaber und Mitarbeiter fühlen sich gegenüber anderen Branchenteilnehmern wie Großveranstaltern oder Airlines zurückgesetzt, denen in der Corona-Krise bereits finanziell geholfen wird.

Liste aller Proteste auf Facebook

Doch in welchen Städten finden wann und wo genau die Demonstrationen statt? Wer mehr darüber erfahren will, kann in der Facebook-Gruppe auf den Link „Veranstaltungen“ klicken. Dort findet sich eine Liste aller Städte, in denen Kundgebungen geplant sind, samt der Information, ob bereits eine offizielle Genehmigung vorliegt, oder nicht.

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

6.
Gezim Tarko
Erstellt 28. April 2020 21:38 | Permanent-Link

Lieber Kollege der Reisebüros in Deutschland,
wir sind mit Ihr Anforderungen für Toursmus Branche und sofort Finanzielle Hilfe fürr allen die seit zwei Monate arbeitslos geblieben sind.
Durch Solidarität & Mut werdet Ihr das Ziel erreichen.
Viel Erfolg.
Tarko
www.albanien-reiseagentur.de

5.
Anke Budde
Erstellt 28. April 2020 17:47 | Permanent-Link

@Rainer: Wir verhandeln - gemeinsam mit vielen anderen Verbänden - für den touristischen Mittelstand und da für alle Akteure.
Ich wünsche morgen allen Demos einen guten Verlauf und maximalen Erfolg!

4.
Werner Schardt
Erstellt 28. April 2020 13:03 | Permanent-Link

Meine Hochachtung für diese Aktionen und das große Arrangement. Es scheint auch schon Wirkung zu zeigen. Der Chefredakteur unseres regionalen Senders Radio Ennepe Ruhr hatte von den Demos gehört und wollte heute morgen von mir mehr darüber wissen. Da ich durch die fvw sehr gut informiert war, konnte ich ihm die Gründe für die Demos gut vermitteln. Bin mal gespannt auf den Beitrag bei Radio EN.

3.
Maria S.
Erstellt 28. April 2020 10:39 | Permanent-Link

Lieber Herr Maertens, selbstverständlich müssen wir alle zusammenhalten. Wir sollten in Zukunft auch umsetzen, dass es völlig normal wird, wie bei jedem Arzt/Anwalt/Coach etc, dass wir alle "Beratungsgebühren" verlangen in Zukunft. Darauf sollten wir uns auch alle einigen. Sonst fängt der völlig zerstörerische Wettbewerb wieder von vorne an. Wir müssen uns als Branche viel mehr Respekt verschaffen!

2.
Lars Peters
Erstellt 28. April 2020 10:37 | Permanent-Link

Ich finde es gut, dass es in der Krise Zusammenhalt und gemeinsames Handeln der Reisebüros gibt. Man kann nur etwas erreichen wenn man sich gegenseitig als Verbündete und nicht als Gegner betrachtet. Diese Einigkeit wäre auch über die Krise hinaus wünschenswert. Der Verbund Dresdner Reisebüros e. V. ist ein vorbildliches Beispiel wie so etwas funktionieren kann und ich habe großen Respekt vor deren Engagement.

1.
Rainer Maertens
Erstellt 28. April 2020 08:39 | Permanent-Link

Ein Wahnsinn, was da losgetreten wurde. Ich kann jetzt nur an die Verbände appellieren, nicht nur für die Großen in Berlin zu verhandeln, sondern über ihren eigenen Verband hinaus mit anderen Verbänden eine ganzheitliche Lösung der Tourismuswirtschaft zu finden. Wir in Dresden sind über den Tellerrand Reisebüro oder Veranstalter oder Busunternehmen oder Reiseleiter und und und gesprungen. Wir an der Basis haben schon lange erkannt, dass in Tourismus jeder jedem braucht.

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