Rechtsfragen und Appell

Eltern leiden unter Vereinbarkeitsproblem

Eltern haben in diesen Tagen große Schwierigkeiten, Kinder und Job unter einen Hut zu bekommen.
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Eltern haben in diesen Tagen große Schwierigkeiten, Kinder und Job unter einen Hut zu bekommen.

Wie lassen sich Kinderbetreuung und Arbeit vereinbaren, wenn aufgrund der Corona-Krise Kitas und Schulen geschlossen bleiben? Was Arbeitsrechtler empfehlen und Eltern fordern.

Grundsätzlich sind Beschäftigte auch in einer solchen Situation für die Kinderbetreuung selbst verantwortlich. Berufstätige können zwar zu Hause bleiben, wenn sich die Kinderbetreuung nicht anders organisieren lässt. Die Arbeitspflicht besteht aber weiter. Daher kann es sein, dass Eltern, die nicht arbeiten können, weil sie ihre Kinder betreuen müssen, ihren Anspruch auf Gehaltsfortzahlung verlieren, so der Arbeitsrechtler Johannes Schipp.

Arbeitnehmer hätten zwar auch Anspruch auf Lohnfortzahlung, wenn sie aus einem nicht selbst verschuldeten und nicht in ihrer Person liegenden Grund vorübergehend nicht arbeiten können. Das gilt auch für den Fall von Schul- oder Kitaschließungen. Dies umfasst allerdings nur für einen Zeitraum von maximal vier bis fünf Tagen. Um zu verhindern, dass man seinen Lohnanspruch nach wenigen Tagen verliert, sei es für Arbeitnehmer "sehr sinnvoll und sicherer, zunächst Urlaubsansprüche geltend zu machen", erklärt Schipp.

Auch Eltern, die nach Absprache mit ihrem Arbeitgeber im Homeoffice oder Mobile Office arbeiten, müssen auf ihr Gehalt verzichten, wenn sie aufgrund der Kinderbetreuung längerfristig ihre Arbeitsleistung nicht erbringen können. Grundsätzlich empfiehlt der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), in enger Absprache mit dem Arbeitgeber zu bleiben und nach Möglichkeit eine einvernehmliche Lösung zu finden.

Dagegen fordert der Verband berufstätiger Mütter (VBM) in einem offenen Brief an die Bundesregierung eine sofortige bundeseinheitliche Lösung der Vereinbarkeitsproblematik. Individuelle Lösungen und die Eigenverantwortung der Unternehmen führen zu großer Verunsicherung sowie zu unterschiedlicher Behandlung und Chancenungleichheit der Betroffenen.

Die Corona-Pandemie hat alle Bundesländer erfasst, und alle Eltern sind von den Kita- und Schulschließungen gleichermaßen betroffen. Sie müssen sich um ihre Kinder und Jugendlichen über einen Zeitraum kümmern, der in der Regel Zeit- und Urlaubskontingente übersteigt, so der Verband. Private Notfallpläne für die Kinderbetreuung sind in den meisten Familien bisher die Großeltern der Kinder, die jedoch in der aktuellen Lage nicht als Betreuung in Frage kommen, da sie als Hochrisikogruppe vor Covid-19 geschützt werden müssen.

Die Lösung sei eine sofortige bundesweit einheitlich geltende und verbindliche Richtlinie für Arbeitgeber, ihre Beschäftigten bei vollem Lohnausgleich ab sofort freizustellen. Hierzu sind allen Unternehmen finanzielle Subventionen zu garantieren, um die Freistellung bei vollem Lohnausgleich auch unter knappen finanziellen Reserven der Unternehmen zu gewährleisten.
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