Österreich

Veranstalter empfehlen heimische Ziele

Sehen der ­Reisefreiheit mit Zuversicht entgegen: Susanne und Christof Neuhauser, Geschäftsführer von Idealtours.
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Sehen der ­Reisefreiheit mit Zuversicht entgegen: Susanne und Christof Neuhauser, Geschäftsführer von Idealtours.

In Österreich gilt für 60 ausländische Reiseziele die höchste Reisewarnstufe. Die sommerliche Hochsaison wird wohl im eigenen Land stattfinden. Reiseexperten schätzen die Lage ein.

Der Sommer 2020 wird ein großes touristisches Minusgeschäft, auch wenn die großen Reiseveranstalter und die vielen Spezialisten in kürzester Zeit auf Österreich umgesattelt und ein umfangreiches und vielfältiges Angebot in die Auslage der Reisebüros gestellt haben. 

Urlaub in Österreich – Notlösung oder Rettungsanker? Der "Traveller" (das österreichische Fachblatt gehört wie die fvw zur dfv Mediengruppe) hat Reiseprofis befragt: 

Wie rasch kann man vom internationalen auf ein regionales Angebot switchen? Wie schwierig ist es, spontan ein Inlandsurlaubsangebot zu entwickeln? Wie groß ist das Angebot in Ihrem Unternehmen – worauf legt man den Schwerpunkt? Österreich ist über die Jahre zu einer Selbstbucher- und Fahrer-Destination geworden, welche Erwartungen hat man darob vom Verkauf übers Reisebüro? Was dürfen sich die Reisebüros von diesem "Notgeschäft" erwarten?

Zum Traveller
Dieser Text von Brigitte Charwat ist zuerst im E-Paper auf Traveller.at im ebenfalls zur dfv Mediengruppe gehörenden Manstein Verlag erschienen.
 

Kathrin Limpel, TUI Österreich:

"Der österreichische Markt wird in diesem Sommer und wohl auch noch in den nächsten Saisonzeiten wichtiger sein als bisher. Die Reisebüro-Mitarbeiter werden sich hier in kurzer Zeit ein sehr gutes Know-how aufgebaut haben. Genau damit – mit persönlichem Service, einem guten Angebot für jede Zielgruppe und mit Sicherheit – werden sie auch punkten.

Natürlich fängt das Österreich-Angebot nicht andere Zielgebiete auf. Griechenland, Spanien, die Türkei – diese Länder sind im Volumen wesentlich wichtiger für uns. Gleichzeitig ist unser Österreich-Angebot der erste Schritt zurück. Selbstverständlich sind wir hier im Vorteil, weil wir bereits ein großes Angebot buchbar haben.

TUI hat ein schönes Österreich-Programm mit 1000 Hotels, davon neun TUI-Konzepthotels wie Robinson, TUI Blue oder TUI Kids Club, aufgelegt. In vielen Hotels übernachten Kinder kostenlos im Zimmer der Eltern. Selbstverständlich gilt auch für Österreich, was für all unsere Reiseländer gilt: Die Hotel-Only-.Angebote werden durch das TUI-Plus-Paket zur Pauschale. Einzelne Bausteine werden automatisch und ohne zusätzliche Kosten mit TUI-Serviceleistungen kombiniert."

Isolationstourismus: Ist das die Zukunft?

Bernd Knoflach, Raiffeisen Reisen:

"Es gab bereits eine bestehende Zusammenarbeit mit österreichischen Hoteliers, zudem konnten wir mit Hilfe von Partnern und Veranstaltern das Angebot rasch erweitern. Wir haben viel Energie investiert, Österreich-Urlaub liegt im Trend und wird auch in den kommenden Jahren ein Schwerpunkt bleiben. Corona hat uns wachgerüttelt, unser Angebot zu überarbeiten.

Da wir alle Veranstalter und nun auch die wesentlichen Österreich-Incomer angebunden haben, bieten wir ein vielfältiges Produkt. Unsere Mitarbeiter haben ihre Lieblingsplätze beschrieben und geben Tipps auf unseren Websites. Wir glauben, es ist eines der umfassendsten Österreich-Produkte, die ein Reisebüro derzeit bietet. Hoffen wir, der Kunde geht ins Reisebüro, um auch Urlaub in Österreich bei uns zu buchen.

Die österreichischen Reisebüros und Veranstalter beschäftigen knapp 10.000 Mitarbeiter an mehr als 2000 Standorten. Hier zu buchen ist eine Unterstützung für die Reisebüros und die heimische Hotellerie. Wir wünschen uns, dass die Tourismusministerin auch hier eine Empfehlung abgibt und einen Schulterschluss zwischen Reisebüro, Kunden und Hotels forciert. Das wäre nur ein Teil eines Hilfspakets, das dringend nötig ist. 

Wir glauben nicht, dass Österreich ein 'Notgeschäft' ist. Es war immer im Reisebüro platziert, vielleicht nicht so, wie es sein sollte. Wenn unsere Kunden und wir uns damit stärker beschäftigen – das Wissen ist ja da –, sind wir sicher, dass der Österreich-Urlaub auch nach Corona eine ­Chance im Reisebüro hat und zu einer wichtigen Destination werden kann. 

Nicht nur die Reisefreiheit ist wichtig. Bedenken wir, wie die Welt aussehen würde, wenn es keinen Tourismus in bestimmten Regionen mehr gibt. Deutlich mehr Armut und ein noch stärkerer Existenzkampf in vielen Regionen der Welt sind die Folge. Es ist höchst an der Zeit, einen weltweiten Plan zu entwickeln, wie Reisen wieder starten können. Wir haben den Eindruck, dass viele Politiker noch nicht ganz verstehen, was alles an unserer Branche hängt. Wir brauchen Planungs­sicherheit, wie es nun weitergeht, und dringend Beihilfen!"

Ioannis Afukatudis, Gruber-Reisen:

"Es klingt einfacher, als es ist. Da die ganze Branche sich praktisch im Lockdown befindet und alle Mitarbeiter im Kurzarbeitsmodus sind, gilt, die Ressourcen auf beiden Seiten (Veranstalter und Hotel) kurzfristig zu mobilisieren. Wichtig ist, Know-how und gute Partnerschaften in Österreich zu haben, denn von heute auf morgen können nicht alle 'regionale' Experten werden. Und natürlich auch die Kooperationsbereitschaft der Hotellerie, die auf einmal mit lokalen Veranstaltern statt oder gleichzeitig mit internationalen Online-Plattformen zusammenarbeitet.

Wir bei Gruber-Reisen hatten schon vor der ­Krise Österreich-Angebote im Portfolio. Wir sind im Wellness-Bereich wie im Rundreise- sowie Busbereich ein bekannter Anbieter mit sehr gut nachgefragten Produkten. Die größte Herausforderung bestand darin, die Hoteliers zu erreichen und vor allem schnell Angebote zu erhalten.

Die Erwartungen dürfen nicht sehr hoch sein, denn wie erwähnt haben sehr viele Kunden in der Vergangenheit entweder direkt bei den Hotels oder direkt online über Plattformen gebucht. Durch die Krise wird es voraussichtlich zu einer Verhaltensänderung kommen.


Auch diesmal wird klar, dass der Ansprechpartner und 'Kümmerer' in dieser Zeit die Reisebüro-Mitarbeiter sind. Das Reisebüro ist greifbar und leistet auch durch die virtuelle Erreichbarkeit außerordentliche Arbeit. Der Kunde wird es honorieren, aber das Verhältnis 'direkt zu stationären Buchungen' wird sich nicht signifikant ändern."

 Erich Mayregger, Interhome Österreich:

"Switchen geht schnell, man muss nur die passenden Angebote filtern. Interhome muss kein Produkt entwickeln, denn wir verfügen seit vielen Jahren über ein sehr erfolgreiches Inlandsurlaubsprogamm mit Angeboten von etwa 2000 Ferienhäusern und -wohnungen in Österreich, auch jetzt im laufenden Programm.

Als Selbstfahrer-Destination stehen unsere verprovisionierten Angebote zu gleichen Preisen allen Reisebüros zur Verfügung. Reisebüros dürfen sich damit einen kleinen Rettungsschirm für die vielen zu stornierenden Buchungen in anderen Ländern erwarten."

 Susanne und Christof Neuhauser, Idealtours:

"Wir sehen der ­Reisefreiheit mit Zuversicht entgegen. Vor allem im Erlebnis- und Kulturbereich setzen wir als Tirols erste Urlaubsadresse auf Österreich-Produkte und erweitern das Angebot um Gruppenreisen, die auch von Reisebüros mit Einzelkunden zugebucht werden können.

An den Flugdestinationen abseits der Masse wie Kefalonia, Prevezza, Chalkidiki, Split, Kalabrien und Menorca halten wir weiterhin fest und fliegen mit Avantiair ab Innsbruck ans Meer, sobald es die Situation erlaubt. Skandinavien und Deutschland als Zielgebiete sind ebenso denkbar, sollten die Grenzen dahingehend geöffnet werden. Gemeinsam mit Avantiair lassen sich diese Angebote binnen weniger Wochen auflegen."  

Gregor Kadanka, Mondial:

"Österreich ist dieses Jahr als Urlaubsland in aller Munde. Auch das Team von Mondial Reisen – seit mehr als 50 Jahren der Spezialist für Urlaub in Österreich – setzt im kommenden Sommer verstärkt auf sein breites Österreich-Produkt. 

Da Abstandhalten dieses Jahr besonders gefragt ist, setzt Mondial einen großen Schwerpunkt auf Hüttenurlaube in den Bergen. Viele Menschen sehnen sich nicht erst seit Corona nach Abgeschiedenheit und Authentizität im Urlaub. Zusätzlich hat das Unternehmen unter der Rubrik 'Fair Reisen' umweltverträgliche Angebote mit ressourcenschonender An- und Abreise per Bahn und zertifizierten Unterkünften zusammengestellt.


In Krisenzeiten sehnen sich Menschen nach mehr Sicherheit. Gerade wenn es um Stornierungen und Umbuchungen geht, sind Kunden über die Hilfe von kompetenten Reiseberatern froh. Daher geht Mondial davon aus, dass Kunden auch wieder verstärkt den Österreich-Urlaub über Reisebüros buchen werden."

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