Neuseeland (Update)

Vulkanausbruch auf White Island verletzt auch Deutsche

Überlebende des Vulkanausbruchs auf White Island in Neuseeland werden am Flughafen in Sydney in einen Krankentransport verladen.
imago images / AAP / Joel Carrett
Überlebende des Vulkanausbruchs auf White Island in Neuseeland werden am Flughafen in Sydney in einen Krankentransport verladen.

Nach dem Vulkanausbruch auf der neuseeländischen Insel White Island hat sich die Zahl der Todesopfer von fünf auf sechs erhöht. Acht Menschen werden derzeit noch vermisst. Unter den Verletzten sollen sich auch vier Deutsche befinden.

Offiziell sprechen die Behörden bislang von sechs Toten. Dabei wird es nach dem Vulkanausbruch in Neuseeland den Befürchtungen nach aber nicht bleiben. Acht Menschen gelten aktuell noch als vermisst. Die Hoffnung, auf der Insel noch Überlebende zu finden, tendiert gegen null. Selbst die Suchmannschaften trauen sich nicht auf die Insel. 

Insgesamt 30 Menschen liegen mit teils schweren Brandverletzungen in Krankenhäusern. Mehrere von ihnen schweben in Lebensgefahr. Wegen der Gefahr neuer Eruptionen blieb die Insel 50 Kilometer vor der Küste im Pazifik am heutigen Dienstag komplett gesperrt. Vermutet wird, dass in der Nähe des Kraters noch die Leichen von acht Menschen liegen, die am Montag von dem Ausbruch überrascht wurden. Damit würde sich die Zahl der Todesopfer dann auf 14 erhöhen. 

Unter den Verletzten sind auch vier Deutsche. Wie schwer ihre Blessuren sind, ist nicht bekannt. Zu Berichten, wonach auch ein deutsches Ehepaar auf der Insel noch vermisst werde, hieß es aus dem
Auswärtigen Amt: "Wir haben derzeit keine Erkenntnisse, nach denen Deutsche zu Tode gekommen sind." Nach Angaben der Polizei kam der Großteil der Inselbesucher, insgesamt 24, aus Australien. Neun sind aus den USA, fünf aus Neuseeland, jeweils zwei aus Großbritannien und China sowie eine Person aus Malaysia.

Polizei ermittelt zu möglichen Fahrlässigkeiten

Die neuseeländische Polizei leitete genauere Ermittlungen zum Hergang der Katastrophe ein. Dabei geht es auch um die Frage, ob Todesfälle und Verletzungen hätten vermieden werden können. Der Vulkan war seit einiger Zeit wieder verstärkt aktiv. Trotzdem fuhren immer wieder Boote mit Ausflüglern dorthin. Die Insel ist seit 80 Jahren in Privatbesitz. Der Zutritt war nur mit ausgebildeten Führern erlaubt, aber auch in den vergangenen Tagen nicht verboten.

Chefermittler John Tims sagte, die Polizei wolle herausfinden, "ob jemand für Tode und Verletzungen kriminell verantwortlich ist". Unter den Todesopfern sind nach Medienberichten auch zwei ausgebildete Führer, die die beiden Gruppen am Montag auf die Insel begleiteten. Die meisten Ausflügler kamen von einem Kreuzfahrtschiff und waren auf einer Tagestour. 

Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern sprach von einer "verheerenden Katastrophe". Zur Debatte, ob sie nicht hätte verhindert werden können, meinte sie: "Wir wissen, dass es größere Fragen geben wird. Diese Fragen müssen gestellt und beantwortet werden." Der Vulkanologe Raymond Cas sagte: "Auf diese Katastrophe konnte man warten."

Wenig Hoffnung für Verletzte und Vermisste

Aus Sorge vor weiteren Eruptionen hielten sich die Rettungskräfte von White Island zunächst fern. Ihre Boote blieben etwa einen Kilometer auf Abstand. Das geologische Überwachungszentrum Geo Net bezifferte das Risiko eines baldigen neuen Ausbruchs auf 50 Prozent. Deshalb verzichtete man auch darauf, mit Hubschraubern über die Insel zu fliegen oder Drohnen starten zu lassen. Der Polizei zufolge gab es dort schon am Montag keinerlei Lebenszeichen mehr. Tims sagte: "Ich würde sehr stark annehmen, dass auf der Insel niemand überlebt hat." 

Mehrere der Verletzten wurden in Kliniken geflogen, die speziell für Brandopfer eingerichtet sind. Der Arzt Pete Watson erklärte, bei 27 Patienten seien mehr als 30 Prozent der Körperfläche verbrannt. Die meisten müssten wegen Lungenschäden durch die eingeatmeten heißen Dämpfe auch künstlich beatmet werden. Einer der Kreuzfahrt-Passagiere, Geoff Hopkins, berichtete im "New Zealand Herald" von "schrecklichen Verbrennungen". Dem Blatt zufolge ist bei manchen Verletzten sogar 90 Prozent der Körperfläche verbrannt. 

Nur einen Tag nach dem Vulkanausbruch wurde die Ostküste von Neuseelands Nordinsel zudem von einem Erdbeben erschüttert. Das Beben der Stärke 5,3 traf die Nordinsel des Pazifikstaats am Dienstag gegen 13:00 Uhr Ortszeit (1:00 Uhr MEZ). Größere Sachschäden oder Verletzte gab es nicht. Neuseeland liegt auf dem sogenannten Pazifischen Feuerring, der geologisch aktivsten Zone der Erde.

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